Blutrausch der Zombies (E 1972)

blutrausch-der-zombiesWie furchteinflößend kann ein Film sein, in dem Spaniens Horror-Legende Paul Naschy („Die Vampire des Dr. Dracula“) bevorzugt zu froh gelauntem Funk durch London streift? Zugegeben, für den schockverwöhnten Genrekenner ist bei León Klimovskys („Django – Unersättlich wie der Satan“) schwarzmagischem Hokuspokus „Blutrausch der Zombies“ – alternativ „Die Rebellion der lebenden Leichen“ oder „Die Beschwörung des Teufels“ – herzlich wenig zu holen. Doch sollte das Feingeister des Trash nicht von der Rezeption des schrillen Schundes abhalten. Ganz im Gegenteil, schließlich fährt Klimovsky alle Ingredienzien auf, die duften Filmschrott auszeichnen.

Das Drehbuch zum lachhaften Mummenschanz schrieb Naschy unter seinem bürgerlichen Namen Jacinto Molina. Und wie man es vom nimmermüden Allrounder gewohnt ist, kritzelte er sich reichlich krude Gewalt- und Nacktszenen auf den Leib. Als schmissiger indischer Guru Krishna ersucht ihn die von schrecklichen Alpträumen geplagte Elvira (Carmen Romero) um Hilfe. Doch die Nachtmahre scheinen in die Realität zu greifen, sieht sie sich doch von jenen untoten Frauenzimmern verfolgt, die sie bereits im Schlaf heimsuchten. Elviras Freund Lawrence (Victor Alcázar, „Blutmesse des Teufels“), nicht nur Psychiater, sondern auch ausgewiesener Experte in Fragen des Okkulten, behagt das Eingreifen Krishnas gar nicht.

Die Verbindung zwischen dem indischen Wunderheiler und mysteriösen Mordfällen, bei denen ein maskierter Unhold vor offenkundig rituellem Hintergrund den Opferdolch schwingt, will er aber einfach nicht herstellen. Ebenso wenig nimmt die nervlich angeschlagene Elvira die vielen Warnungen ernst und quartiert sich auf Krishnas jüngst erstandenem Anwesen auf dem Lande ein. Sehr zum Unwill von Kala (Mirta Miller, „Labyrinth des Schreckens“), der Gehilfin des Gurus. Neue Alpträume, darunter die irre Vision einer schwarzen Messe mit Naschy als Teufelchen, lassen nicht lange auf sich warten. Der Voodoo-kundige Mörder kann sich indes hinter noch so extravaganten Masken verbergen, seine Identität ist schon aufgrund mangelnder Alternativen offensichtlich.

Trotz vereinzelt stimmungsvoller und bemüht grausamer Schock-Sequenzen zerfällt der possierliche Streifen über die bräsige Umsetzung und die inkonsistente Bedrohlichkeit von Voodoo-Priester und Zombie-Schergen in ein Potpourri exploitativer Einzelteile. Blanke Titten und Freizügigkeiten erscheinen obligat, die hohe Bereitschaft zu grobem Unfug lässt nicht nur die modrigen Damen in schallendes Gelächter verfallen. Dass Elvira eine übel zugerichtete Leiche findet und Krishna seinen angekrusteten haitianischen Gehilfen mit der blutigen Sense zu Boden strecken muss, sorgt nur solange für Unruhe, wie die beiden im Wohnzimmer nicht in steifes Gefummel verfallen. Großes Kino also für solche Publikumskreise, die dem Reiz des Obskuren mit Freude nachgeben.

Wertung: (4 / 10)

scroll to top