The Werewolf and the Yeti (E 1975)

the-werewolf-and-the-yetiDie Paraderolle des Paul Naschy (eigentlich Jacinto Molina) ist die des Werwolfs Waldemar Daninsky. In die schlüpfte er auch anno ´75 in „The Werewolf and the Yeti“ – und bekam es, der Titel trübt die Spannung, prompt mit dem legendären Schneemenschen zu tun. Dem gehört auch der Auftakt, in dem er mit braunem Zottelfell (damit er sich auch von der schneebedeckten Landschaft abhebt!) über eine Expeditionsgruppe herfällt. Zwar sieht das mythische Bergmonster aus wie ein handelsüblicher Sasquatch, weiß eines seiner Opfer aber fachmännisch mit einem Skistock zu würgen.

Auftritt Waldemar, der berufen wird, der Kreatur nachzustellen und ihre Existenz zu beweisen. Immerhin ist er Anthropologe, Psychologe, kennt sich im tibetanischen Zielgebiet aus und spricht fließend Nepalesisch! Bei einer solchen Fülle an Qualitäten kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen – zumal Waldi auch noch weiter springt als jeder andere und einen behänden Umgang mit dem Schwert pflegt. Was ihm das bei der Suche nach dem Yeti bringen soll? Nicht viel, aber der verschwindet bis zum finalen Zweikampf mit dem Werwolf sowieso aus der Handlung und übergibt das Fell an Naschy.

Vor Ort geht Waldi erst mal verloren und landet nach einem Irrmarsch in der Höhle zweier vampirisch angehauchter Schwestern, die seiner Potenz nicht widerstehen können (wie übrigens auch keine andere weibliche Figur). Dass Naschy sich in seinen Skripten gern zum Hengst stilisierte, ist bekannt. Hier setzt er sich aber nachhaltig die Krone des begehrenswerten Stechers auf. Nach vollzogenem Beischlaf beobachtet er die lüsternen Schwestern beim kannibalischen Mahl und sucht angewidert das Weite. Doch sie stellen ihm nach und können immerhin ihre Fänge in ihm versenken, ehe er sie ausmerzt.

Gleich darauf ist Vollmond (Nachtszenen wurden mit Dunkelfilter einfach bei Tag gedreht) und Waldemar verwandelt sich in einen Werwolf mit perlweißem Grinsegebiss. Die Transformationsblenden sind nicht erst aus heutiger Sicht arg altbacken und lassen den intendierten Schrecken unverzüglich in schallendes Gelächter münden. Aber viel Fell brauchte es bei Naschys Arm- und Brustbehaarung ohnehin nicht. Die Umsetzung passt sich jedenfalls dem theatralischen Spiel der Darsteller an, die nicht erst meterdick auftragen, als die Mannen des finstren Bergbanditen Sekkar Khan (Luis Induni, „Die Nacht der blutigen Wölfe“) ins Geschehen eingreifen.

Um ihn von den Leiden schmerzhafter Rückenpusteln (!) zu heilen, schält Hexe Wandesa (Silvia Solar, „Cannibal Terror“) jungen Frauen im Folterkeller die Haut vom Leib. Ihnen legt Werwolf-Waldi natürlich das Handwerk und findet auf Geheiß eines knattrigen Mönches mit der Geliebten Sylvia (Grace Mills) auch eine Heilung versprechende Bergpflanze. Mit ein bisschen Blut, viel nackter Haut und überproportioniertem Trash-Appeal kann der langatmig tranige Euro-Horror bei der richtigen Zielgruppe fraglos punkten. In England als „Video Nasty“ verteufelt, fand der Streifen nie seinen Weg nach Deutschland. Zumindest für die Schund-Klientel ein kleiner Verlust.

Wertung: (3,5 / 10)

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