Blitz (GB/USA 2011)

blitzDer englischen Heimat hat Jason Statham („The Mechanic“) trotz seines Erfolges in Hollywood nicht den Rücken gekehrt. Kleinere Produktionen wie „Bank Job“ (2008) bedeuten für den ehemaligen Turmspringer, der durch seine Engagements als Model eher zufällig zum Film kam, schauspielerische Herausforderungen abseits der für ihn typischen Actionrollen. Auch der harte, in London angesiedelte Thriller „Blitz“ gönnt ihm deutlich ambivalentere Züge, wirkt in der deplatzierten Coolness und der körperbetonten Performance aber voll auf seine Präsenz zugeschnitten.

Statham ist Detective Sergeant Tom Brant, ein trinkfreudiger Choleriker mit eigentümlicher Auffassung von Autorität und Ordnung. Der Beginn zeigt ihn in typischer Pose, wenn er drei jugendlichen Autoknackern die Scheiße aus dem Leib prügelt. Die Medien fallen über ihn her. Seinen Job behält er trotzdem. Und sei es auch nur, weil er den über seinen Zustand urteilenden Psychologen einschüchtert. Zum kritisch betrachteten Thema wird Polizeigewalt für Regisseur Elliott Lester („Love is the Drug“) aber nicht. Ebensowenig wie der Einfluss der Medien. Kontroversen werden bestenfalls angerissen. Die Figuren übrigens auch.

Brants Qualitäten sind gefragt, als auf offener Straße zwei Polizisten erschossen werden. Der Täter, Barry Weiss (Aidan Gillen, „The Wire“), nennt sich selbst Blitz. Wie in Blitzkrieg. Obwohl er ohne jede Zurückhaltung vorgeht, bekommen ihn Brant und der neue Vorgesetzte, der ob seiner Homosexualität unter Kollegen verspottete Porter Nash (Paddy Considine, „Dead Man’s Shoes“), nicht zu fassen. Als auch die junge, ehemals drogenabhängige Polizistin Elizabeth (Zawe Ashton, „Fresh Meat“) ins Visier des über die Medien nach Aufmerksamkeit heischenden Killers gerät, geht Brant in die Offensive.

Wirkung erzielt der an US-Klassiker wie „Dirty Harry“ erinnernde Film durch die raue Milieuschilderung und die Hollywood-Hochglanzbildern zuwiderlaufende Optik. Zwingend überzeugend geraten ist „Blitz“ trotzdem nicht. Denn obwohl die Darsteller ihre Sache ordentlich machen, bleibt das auf einem Roman Ken Bruens („London Boulevard“) basierende Skript lose verknüpftes Stückwerk. Zueinander finden die episodischen Handlungsstränge nicht. Vor allem der um Elizabeth, die versucht einem kriminellen Freund zu helfen und darüber mit dem Polizeikollegen Stokes (Luke Evans, „Krieg der Götter“) anbandelt.

Die Gewalt wirkt unvermittelt und brutal, auch weil Aidan Gillen einen verstörend kaltblütigen Psychopathen abgibt. Aber wo seine Taten, im Übrigen eingeleitet durch einen Übergriff Brants, erschrecken sollen, werden die des unberechenbaren Ermittlers geradezu legitimiert. Es trifft ja die richtigen. Geradezu ärgerlich wird es zum Finale, wenn im Versagen von Rechtssystem und Polizeiermittlungen ein plumpes Hohelied auf Selbstjustiz angestimmt wird. So wirkt „Blitz“ mit seinen angedeuteten Charakteren und halbherzigen Kontroversen doch nur wie eine kompakte Zusammenfassung bewährter amerikanischer Copfilm-Klischees. Nur eben diesmal vor der Kulisse Londons. Ein zwar unterhaltsamer, insgesamt aber zwiespältiger und wenig intelligenter Reißer.

Wertung: (5 / 10)

 

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