Blade: Trinity (USA 2004)

blade-trinityDer Vampir in Literatur und Kino besitzt eine lange Tradition. 1897 präsentiert Bram Stoker den durstigen Karpartenfürsten Dracula im gleichnamigen Roman zum ersten mal. Dank Murnaus „Nosferatu“ und der Darstellung Bela Lugosis verbreitet der Vampir bereits in der Stummfilmära Angst und Schrecken und tritt unter charakterlichem Protektorat Christopher Lees ab den späten 50ern sein würdiges Erbe an. In den 70ern erschöpft sich das Publikumsinteresse am blutdurstigen Grafen, bis Coppolas opulente Adaption des Stoker-Buchs 1992 neues Interesse an Dracula schürt. Der jüngste Auftritt der klassischen Spukgestalt lässt den Urvater der Blutsauger nun auf den bekanntesten Vampirjäger der Postmoderne treffen: Blade.

Dabei hat der Daywalker (Wesley Snipes, „Passagier 57“) zu Beginn seines dritten Leinwandabenteuers ohnehin mächtig Ärger am Hals. Weil er bei der Ausmerzung seiner langzahnigen Gegenspieler einen Menschen tötet, landet Blade auf der Fahndungsliste des FBI. Die Vampirfürstin Danica (Parker Posey, „Suburbia“) nutzt die Gunst der Stunde und erweckt Dracula (Dominic Purcell, „Equilibrium“) aus seinem Jahrhunderte währenden Schlaf. Der vollkommene Urahn eines jeden Blutsaugers soll Blade endgültig vernichten und den Beginn einer neuen Ära des Vampirismus einläuten.

Mit Hilfe den Vampiren untergebener Polizeikräfte wird der Daywalker festgenommen, sein Gefährte Whistler (Kris Kristofferson, „Payback“) getötet. Doch dank der Hilfe einer Gruppe menschlicher Vampirjäger gelingt Blade die Flucht. Mit seinen neu gewonnenen Verbündeten Hannibal King (Ryan Reynolds, „Party Animals“) und Abigail (Jessica Biel, „The Texas Chainsaw Massacre“) – Whistlers Tochter – stellt sich das Halbblut aus Mensch und Vampir dem entscheidenden Kampf mit Dracula und seinen Getreuen.

„Blade: Trinity“ ist die zweite Regiearbeit des Drehbuchautors David S. Goyer („Dark City“, „Batman Begins“), der wie bei den Vorgängern auch hier das Skript schrieb. Allerdings scheint diese Doppelfunktion eine gewisse Überforderung injiziert zu haben, ist Teil drei der Reihe doch nicht nur inhaltlich der schwächste Part. Allein der Versuch, Dracula in die Form des serialen Mikrokosmos zwängen zu wollen ist als gänzlich gescheitert zu erachten. Bereits in „Dracula 2000” und „Van Helsing” dominierte Blutleere das moderne Erscheinungsbild des berühmten Vampirs. Hier ist er nur ein klangvoller Name in dürftiger Verpackung und trotz übermächtiger Reputation nicht einmal Blades härtester Gegner.

Wo Del Toros „Blade 2“ auf düstere Atmosphäre und kompromisslose Daueraction setzt, nähert sich Goyers Fortsetzung mit unpassenden humoristischen Anflügen der Anbiederung eines Massenpublikums. Zynisch geht es bei den Scharmützeln zwar noch immer zu, doch unternimmt das Skript den Versuch, einen Charakter hinter der stoischen Emotionslosigkeit des Daywalker offenbaren zu wollen. Dass Blade ähnlich dem Terminator allerdings nicht mehr als Wortkargheit und trainierte Muskelmasse zu bieten hat, gestaltet die krampfhafte Facettierung seiner Figur als denkbar schwierig. Immerhin manövriert Idealbesetzung Wesley Snipes seinen aufwändig kostümierten Leib auch durch dieses Abenteuer mit mimikloser Souveränität.

In erster Linie ist „Blade: Trinity“ ein unterhaltsamer und sauber inszenierter Fantasy-Actioner mit guten Tricks und rasantem Waffengebrauch. Allerdings ist die spannungslose Geschichte nicht frei von Längen und die Gags mehr der affektierten Coolness der schematischen Charaktere dienlich. Die Optik ist überstilisiert, visuell nah an der Ästhetik eines Videoclips. In vorderster Front kämpfen schnelle Schnitte und grelle Bilder um die der Vorherrschaft der optischen Reizüberflutung. Pflichtprogramm ist der dritte Teil der Blade-Saga nur für Fans, für eine gepflegten Videoabend sollte es dennoch reichen.

Wertung: (5 / 10)

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