Hellboy II: Die goldene Armee (USA 2008)

hellboy-2Guillermo del Toro ist der flammende Stern am Fantasy-Himmel. Seine Visionen sind eigentümlich, verspielt und doch stets in klassischen Grusel- und Märchen-Motiven verwurzelt. Das bisherige Meisterstück des Spaniers ist „Pans Labyrinth“, dem die einnehmende Verbindung von überbordender Vorstellungskraft und anspruchsvoller Realitätsbewältigung drei Oscars bescherte. In Hollywood endgültig Fuß gefasst hat der Filmemacher mit der Comic-Adaption „Hellboy“, deren Fortsetzung „Die goldene Armee“ bereits die vierte Zusammenarbeit von del Toro mit Hauptdarsteller Ron Perlman („Cronos“) bedeutet.

Er spielt die Titelfigur, jenen feuerroten Dämon mit abgeschliffenen Hörnern und riesiger Knarre, erneut mit ansteckender Wonne. In Sachen Kurzweil gelingt die Anknüpfung an den schwer unterhaltsamen Erstling demnach nahtlos. Luft nach oben, auch das haben beide Adaptionen gemein, bleibt dennoch. Spürbar wird das an der Geschichte, die den mystischen Rahmen des Originals zugunsten klassischer Fantasy-Elemente neu bespannt. Dabei klaubt del Toro für seine gern exzentrischen Bilderwelten zusammen, was gerade Recht erscheint. Ob „Herr der Ringe“, „Star Wars“ oder gleich das eigene Oeuvre, viele Ideen wirken schlicht aufgewärmt.

Dem Film allerdings schadet dies nicht im Geringsten. Mit Detailverliebtheit und dem speziellen Tick des Verschrobenen begeistert „Hellboy II“ durch eine erfrischend ungebundene und von Beginn an hohes Tempo aufnehmende Inszenierung. Es geht um eine alte Sage, nach der eine unbesiegbare Armee goldener Krieger den vorzeitlichen Kampf zwischen Elfen und Menschen zugunsten der Fabelwesen entschied. Um der Grausamkeit der leblosen Kämpfer Einhalt zu gebieten, schloss der Elfenkönig einen Friedenspakt mit dem Feind und besiegelte diesen durch die Übergabe eines Teiles seiner Krone, mit der die mechanischen Streitkräfte befehligt werden können.

Bevor Königssohn Nuada (Luke Goss, „Blade II“) aus dem Exil zurückkehrt, um mit Hilfe der Krone noch einmal die goldene Armee in die Schlacht gegen die Menschheit zu führen, plagen Hellboy ganz irdische Probleme. Seit dem Ende des Vorgängers sind er und Liz (Selma Blair, „The Fog“), seine Kraft ihrer Gedanken Feuer entfachende Kollegin im Bureau of Paranormal Research and Defense, ein Paar. Damit treten alltägliche Konflikte auf den Plan, die zugunsten des Kampfes gegen Nuada aber bald beiseite geschoben werden müssen. Zusammen mit dem Fischmenschen Abe Sapien (Doug Jones, „Doom“) und dem gestaltlosen neuen Vorgesetzten Johann Krauss, im Original mit herrlich deutschem Akzent aufgesetzt von „Family Guy“-Schöpfer Seth MacFarlane, folgt die Konfrontation.

Wie auf dem Jahrmarkt rast der Regisseur von einer kunterbunten Sensation zur nächsten und verbindet emotionale Tiefe mit übermütigem Humor – allein das Sangesduett der betrunkenen Liebeskasper Hellboy und Sapien zur Schnulze „Can’t Smile Without You“ ist eine der witzigsten Szenen der Kinosaison. Die Zügel entgleiten del Toro nie, woran neben der Ausarbeitung der Figuren auch die mitunter Bauklötze staunen lassende Ausstattung zuträgt, die so oft es geht auf Computerzusätze verzichtet und mit handgemachten Masken und Kostümen zu beeindrucken versteht. Weit offen steht damit die Tür zum dritten Teil, der bereits durch apokalyptische Vorahnungen eingeleitet wird. Das Fest des Phantastischen ist also noch längst nicht zu Ende.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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