Beyond the Front Line – Kampf um Karelien (FIN 2004)

beyond-the-front-lineEin Film über den Zweiten Weltkrieg ohne deutsche Beteiligung. Auch das gibt es, zumindest in Finnland. Denn der von Ake Lindman inszenierte und auf Tagebüchern und Fotografien basierende Film „Beyond the Front Line – Kampf um Karelien“ behandelt einen hier kaum bekannten Nebenkriegsschauplatz, der in fast allen Kriegsjahren von Finnen und Russen allerdings heftig umkämpft war.

Die Region Karelien wurde bis 1940 von russischen Truppen erobert, in den Folgejahren aber wieder von Finnland zurückerobert. In erster Linie thematisiert der Film das Jahr 1944, in dem die Russen zu einer Großoffensive ansetzten. Im Zentrum steht das Regiment IR 61 unter dem Befehl von Leutnant Harry Järv (Tobias Zilliacus), welches einer russischen Übermacht gegenübersteht und mit aller Macht die Stadt Tienhaara halten muss, da ansonsten der Weg für Russland nach Helsinki frei ist.

Ake Lindman inszeniert seinen Kriegsfilm nicht als Mittel zum Zweck. Ausufernde Gefechte, groß angelegte Explosionen und Massenszenen überlässt er lieber Hollywood. Vor allem im ersten Teil des Films geht es ruhig, manchmal vielleicht auch etwas zu ruhig und gemächlich zu. Der Film rückt seine Figuren in den Vordergrund und nicht überbordend technisches Brimborium. Die Kämpfe wirken zwar realitätsnah, verzichten aber auf Kriegsgreuel und literweise Kunstblut.

Dennoch hätte man – gerade da hier ein Schwerpunkt des Films liegt – die Gespräche und Gefühle der Soldaten intensiver gestalten können. Man erfährt zu wenig über die Hintergründe des Konfliktes und ein Zusammenhang zu den bekannteren Schlachten und Entwicklungen der Kriegsjahre fehlt nahezu komplett. Insofern bleibt ein ordentlich inszenierter Kriegsfilm, der seine Inhalte zwar richtig setzt, diese aber leider nicht konsequent mit Leben füllt. Zudem wirkt „Beyond the Front Line – Kampf um Karelien“ mit einer Laufzeit von etwa zwei Stunden etwas langatmig.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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