Antikörper (D 2005)

antikoerperWir schreiben das Jahr elf nach David Finchers noch immer allgegenwärtigem „Sieben“. Unzählige Filmemacher versuchten sich an ähnlichen Stoffen, kopierten, schauten sich was ab, verunglimpften oder bemühten sich, dem großen Vorbild gerecht zu werden. Eine Aufzählung belangloser US-Filmchen soll an dieser Stelle nicht folgen, vielmehr gilt es das Augenmerk auf Deutschland zu lenken. Robert Schwentke gelang mit seinem „Tattoo“ 2001 sicherlich ein Achtungserfolg, ein wenig weiter vorn landet sogar der noch recht unerfahrene, dafür aber umso leidenschaftlicher agierende Regisseur Christian Alvart mit „Antikörper“.

In einer düster verregneten Nacht gelingt es der Polizei um den Ermittler Seiler (Heinz Hoenig), den seit langer Zeit gesuchten Serienkiller Gabriel Engel (André Hennicke) in seiner Wohnung zu fassen. Dieser machte durch eine Mordserie an Jungen im Alter von etwa 12 Jahren unrühmliche Geschichte. Doch seine Verhaftung wirft gleichzeitig etliche Fragen auf. Der Provinz-Polizist Michael Martens (Wotan Wilke Möhring) versucht noch immer, den schrecklichen Mord an einem kleinen Mädchen aufzuklären, das vor rund einem Jahr fürchterlich abgeschlachtet wurde. Er glaubt nicht, dass Engel hinter dem Mord stecken könnte und will deshalb in seinem Dorf einen Gentest für die Dorfbewohner durchboxen. Dies wird jedoch unter tatkräftiger Hilfe seines Schwiegervaters unterbunden und ihm schlägt eine Welle der Ablehnung entgegen. Ein Geständnis des vermeintlichen Mörders Engel steht aus, alle anderen Morde an den Jungen hat er ohne Umschweife zugegeben. Zweifel bestimmen das Leben von Martens, der sich selbst in die Höhle des Löwen begibt und Engel im Gefängnis besucht, um endlich Klarheit über den wahren Tathergang zu erhalten. Engel ist schnell angetan von seinem neuen Gegenüber, leugnet zwar den Mord, weiß aber dennoch, wer ihn verübt hat.

Es scheint, als wolle Regisseur Christian Alvart es jedem irgendwie recht machen, Versatzstücke aus unzähligen Genre-Filmen verzieren „Antikörper“. Doch ist sein Film mitnichten nur eine bloße Kopie, wenn auch seine Gratwanderung zwischen Eigenständigkeit und zu viel Abkupferung ein Drahtseilakt ist. Klassiker wie „Sieben“ und „Das Schweigen der Lämmer“ sind jederzeit allgegenwärtig, allerdings belässt es Alvart nicht bei einem reinen Psychoduell zwischen seinen Kontrahenten und auch das beinahe offensichtliche „Sieben“-Finish dreht Alvart noch einmal kurz vor knapp. Die Spannungsschraube vermag der Filmemacher permanent anzuziehen, jedoch hätte er sich gerade im letzten Drittel ein wenig mehr sputen können, denn mit knapp über zwei Stunden Laufzeit ist „Antikörper“ sicherlich ein wenig zu lang geraten.

Allerdings entschädigen gute Darstellerleistungen für die eine oder andere Länge. Vor allem André Hennicke („Der Untergang“, „Sophie Scholl“) überzeugt als Psychopath hinter Gittern. Dem in nichts nach steht Wotan Wilke Möhring („Das Experiment“, „Almost Heaven“), der mit viel Engagement auf der einen Seite den gläubigen wie unermüdlichen Polizisten spielt. Auf der anderen Seite zeigt aber auch er Schwächen, was vor allem auf sein Familienleben zutrifft. Gut wie gewohnt ist das Urgestein Heinz Hoenig („König von St. Pauli“, „7 Zwerge“) als auch Ulrike Krumbiegel („Der Untergang“, „Bella Block“) als sorgenvolle Ehefrau. Ein besonderes wie überraschendes Wiedersehen gibt es mit Norman Reedus („Der blutige Pfad Gottes“, „Blade 2“), der zu Beginn bei der Stürmung des Hauses einen Polizisten in vorderster Front spielt.

Einen leicht säuerlichen Geschmack hinterlässt lediglich das Ende, bei dem Alvart ein wenig Konsequenz vermissen lässt. „Antikörper“ ist insgesamt betrachtet aber ein überzeugender Thriller aus deutschen Landen, unabhängig davon, ob man nun vom munteren Ideenklau oder einigen Längen sprechen möchte. Denn der Film hält durchweg ein hohes Spannungsniveau, was in diesem Metier bereits schwer genug ist.

Wertung: (7 / 10)

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