Der Rote Kakadu (D 2005)

der-rote-kakaduDresden, 1961: Vier Monate vor dem Mauerbau in Berlin feiert eine neue Jugendgeneration ein bisschen Freiheit aus Rock’n’roll, Sex und Westmark. So auch Siggi (Max Riemelt,„Mädchen, Mädchen“), der in die Stadt gekommen ist, um Bühnenarchitekt zu werden. Als er die junge Dichterin Luise (Jessica Schwarz, „Verschwende Deine Jugend“) und ihren Mann Wolle (Ronald Zehrfeld) kennenlernt, wird er Teil der Szene, die sich regelmäßig im Club „Der Rote Kakadu“ trifft und die neuen Freiheiten genießt. Doch der Wind im System wird kälter und je näher der 13. August rückt, desto mehr wird auch die Gruppe junger Menschen von innen zersetzt.

„Der Rote Kakadu“ hat wenig mit den teilweise lächerlichen Ausgeburten der Ostalgiewelle wie „Kleinruppin Forever“ zu tun. Die DDR ist hier kein putziger Haufen ein bisschen verschobener Vopos mit starkem Akzent, sondern ein System, das zwar Möglichkeiten hätte sich zum Guten zu bewegen, sich aber stattdessen einmauert und seinen Bürgern gegenüber zunehmend brutaler und schließlich zur handfesten Diktatur wird. Der Film von Dominik Graf („Der Felsen“) lebt dabei vor allem von einem an sich guten Drehbuch von Michael Klier („Der Riese“), der hier einige Aspekte seiner Jugendzeit in Dresden verarbeitet. Stellenweise gleitet das ganze doch ein bisschen in Plattitüden ab, die in etwa die Tiefe von „Rocky IV“-Dialogen haben. Doch Gott sei Dank nimmt das nicht Überhand.

Auch die Darsteller machen ihre Sache gut. Gerade das Hautdarstellertrio Max Riemelt, Jessica Schwarz und Ronald Zehrfeld harmoniert sehr gut zusammen, und auch die Nebendarsteller mit Namen wie Ingeborg Westphal („Das Leben ist eine Baustelle“), Tanja Schleiff („Der Fischer und seine Frau“) und Volker Zack Michalowski („Islandfalken“) sind durchweg stimmig besetzt. Insgesamt lebt der Film allerdings von einer sehr guten Grundstimmung, die ausgelassene Fröhlichkeit auf der einen Seite ständig durch die Bedrohung durch Staatssicherheit und dem näher rückenden Mauerbau andererseits bricht. Unterstrichen wird das Ganze noch durch die beinahe omnipräsente frühe Rock’n’roll-Musik. Ein bisschen negativ fällt dabei der stellenweise überflüssige Offkommentar von Erzähler und Hauptfigur Siggi auf, insgesamt ist „Der Rote Kakadu“ aber ein guter Film, der in seinen 130 Minuten eigentlich keine Längen hat.

Wertung: (7 / 10)

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