Verfluchtes Amsterdam (NL 1988)

Alte Story, frisches Setting: Blut im Grachtenwasser

Mit „Verfluchtes Amsterdam“ legte Dick Maas 1988 sein vermutlich prägendstes Werk vor. Der düstere Thriller bedient halsbrecherische US-Action-Schemata genauso wie die Rezeptur des Giallo. Und dann noch dieser Originaltitel: „Amsterdamned“. Das ist der Stoff, aus dem Exploitation-Träume gemacht sind! Und natürlich die Essenz von Maas’ schöpferischer Kraft, die auf der eigenwilligen Verquickung von Versatzstücken verschiedener Genres fußt.

Es ist die Variation des Altbekannten, die Maas seit seinem Kinodebüt „Fahrstuhl des Grauens“ (1983) auszeichnet. Bei seinem Grachten-Slasher, der auch in Deutschland fast 150.000 Zuschauer in die Lichtspielhäuser lockte, macht ein Serienmörder die niederländische Metropole unsicher – und kommt direkt aus dem Wasser. Begleitet wird er von subjektiver Kamera, schwerer Atmung und dem effektiven, von Maas selbst beigesteuerten Score. 

Das führt zu einigen unvergesslichen Momenten. Zu diesen zählt die Entdeckung der ersten Leiche, einer nachts ins Wasser gezogenen Prostituierten, die, von einer Brücke baumelnd, über die Glasfassade eines Ausflugsbootes gleitet und dabei eine breite Blutspur hinterlässt. Ein weiteres Beispiel ist der erste Auftritt von Huub Stapels (drehte mit Maas u. a. auch „Eine Familie zum Knutschen“) knallhartem Polizisten Eric Visser in einer Bäckerei, der eingefleischte Cop-Klischees bis zur Parodie überspannt.

Macho vs. Psychopath: Testosteron-Action trifft Horror-Anleihen

Der alleinerziehende Vater einer Teenager-Tochter (Tatum Dagelet, „Der verlorene Soldat“) ist ein Macho-Held, wie er in den 80ern zum guten Ton gehörte – unrasiert, mit Lederjacke und Sonnenbrille. Zu seinen Vertrauten zählt, neben dem tollpatschigen Kollegen Vermeer (Serge-Henri Valcke, „No Man’s Land“), Polizeitaucher John (Wim Zomer). Dass ihm Eric einst die Frau ausspannte, trübt die Männerfreundschaft nicht. Die gemeinsame Ermittlungsarbeit wird durch die Beschaffenheit Amsterdams erschwert: Da die Grachten die gesamte Stadt durchziehen, kann sich der Killer weitgehend unbemerkt fortbewegen.

Dass er selbst am Tage sein Unwesen treibt, mündet als fragloses Action-Highlight (und Quasi-Showdown) in eine rasante Verfolgungsjagd mit Motor-Schnellbooten. Eindruck schindet das bis heute – allein schon des 67-Meter-Sprungs über zwei Brücken wegen, mit dem sich Stuntman Nick Gillard („Star Wars“) einen Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ sicherte. Wie so viele 80’s-Klassiker wirkt allerdings auch „Verfluchtes Amsterdam“ mitunter dezent überholt. Sehenswert ist der mit Blut und mancher Härte (etwa der abgetrennte Kopf am Bootsanker) versehene Reißer aber fraglos immer noch.

In den Nebenrollen erscheint dieser jedoch mitunter mäßig gespielt – und weist im Mittelteil zudem Längen auf. Die beziehen sich vorrangig auf Erics Anbandelung mit Museumsführerin Laura (Monique van de Ven, „Türkische Früchte“). Deren Ex, Psychiater Martin (Hidde Maas, „Die Rembrandt-Connection“), wird ja wohl nicht ohne Grund eingeführt. Und ein eigenes Bootshaus hat er auch… Doch so simpel ist die finale, psychologisch etwas aufgeblasene Entschlüsselung nicht; dafür aber wie das Gesamtwerk atmosphärisch ansprechend gestaltet. Auch deshalb genießt Maas‘ Film bis heute stattliches Renommee. Mit der richtigen Idee sind Exploitation-Träume schließlich leicht zu erfüllen.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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