Anti-Flag – The Terror State (2003, Fat Wreck)

anti-flag-the-terror-stateVor wenigen Jahren gingen die Polit-Punks ANTI-FLAG noch eher als Geheimtipp durch. Spätestens nach ihrem Wechsel zu Fat Wreck sollte sich das grundlegend geändert haben. Deutlich machten dies vor allem die letzten 12 Monate, in denen die Band mehrfach über den großen Teich auf Tour kam und etliche ausverkaufte Konzerte vor teilweise nicht weniger als 900 Leuten spielte. Langsam aber stetig marschieren die Jungs in die Topliga des Punkrock vor, ohne sich dabei den Mechanismen der Industrie zu unterwerfen bzw. politisches Engagement ad acta zu legen.

Unter dem programmatischen Titel „The Terror State” haben ANTI-FLAG nun ihr heiß erwartetes neues Album veröffentlicht, das ohne Umschweife zum Thema kommt und sich in erster Linie gegen das allseits bekannte Staatsoberhaupt der USA sowie dessen Politik richtet. Mit Schaum vor dem Mund und blank gezogenem Hintern zieht die Band in einer Art vom Leder, wie man es wohl noch nicht gehört hat und bei dem sich selbst das bereits u.a. mit der Bush-Regierung befassende Album „The War on Errorism” von NOFX wie eine Kinderbibel anmutet. Drastischer und direkter kann man seinen Unmut kaum kundtun und selbst das in solchen Situationen nicht immer leicht zu umkurvende Fettnäpfchen namens Phrasendrescherei wird hier, wie man es eigentlich von ANTI-FLAG gewohnt ist, gekonnt umschifft.

Wie schon auf ihren Konzerten, so treffen ANTI-FLAG auch hier stets die richtigen Worte, driften nicht wie einige andere Kollegen in hohle Parolen ab und belegen auch anhand diverser Fußnoten und Hintergrundinfos zu etlichen der insgesamt 16 Songs, welche Intention hinter diesen steht. Doch nicht nur das Ausmaß der geschwungenen politischen Keule wurde im Vorfeld mit Spannung erwartet, auch die Zusammenarbeit mit Tom Morello (Ex-RAGE AGAINST THE MACHINE) als Produzent nährte die hohe Erwartungshaltung. Mit Morello im Rücken haben ANTI-FLAG wohl ohne Frage ihr bisheriges Meisterstück vollbracht. Die Produktion ist ungeheuer druckvoll, der Gesang klang noch nie so gut und vor allem sind ANTI-FLAG facetten- und abwechslungsreicher geworden. Es gibt zahlreiche Songs, die trotz des ernsthaften Hintergrunds einfach nur als Stimmungsmacher zu bezeichnen sind, ohne wenn und aber. Das fängt bei „Turncoat” an, setzt sich über das folgende „Rank-N-File” fort und trifft sich irgendwann bei „Power the Peaceful”.

Eingängige Melodien, dazu wie gewohnt teilweise mehrstimmig vorgetragener Gesang, der weniger gewöhnungsbedürftig klingt als noch vor einigen Jahren, prägen die Platte. Dazu kommen Refrains, bei denen man nur die Faust recken und lauthals mitsingen kann. Doch insgesamt betrachtet hat man schon den Eindruck, das „The Terror State” etwas härter als der Vorgänger ausgefallen ist. „You Can Kill the Protester, But You Can’t Kill the Protest” oder „Death of a Nation” etwa sind für ANTI-FLAG-Verhältnisse schon recht hart ausgefallen, spielgeln aber auch einfach all die Wut wieder, die es rauszulassen gilt. „The Terror State“ gehört sicherlich zu DEN Punkrock-Alben des Jahres 2003, das nicht nur in musikalischer Hinsicht höchsten Ansprüchen gerecht wird, sondern auch noch inhaltlich für Lehrstoff sorgt.

Wertung: 9 out of 10 stars (9 / 10)

 

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