Anti-Flag – Underground Network (2001, Fat Wreck)

anti-flag-underground-networkAls politische Band waren ANTI-FLAG nie um klare Worte und Messages verlegen. Im konservativen Amerika stieß ihr Name naturgemäß auf Kritik. Offene Ablehnung der „Stars and Stripes“? Wie kann man nur! Aber die aktivistischen Punk-Rocker betonten immer wieder, dass sie nicht die USA als souveränen Staat, sondern lediglich das dahinter stehende, in patriotischem Überschwang häufig verklärte System attackieren. Mit ihrer grundlegend kritischen Wesenshaltung erregten sie bald Aufsehen. Denn in einer Zeit, als der Punk salonfähig und kommerzorientiert ausgeschlachtet wurde, wirkten sie wie ein Fels in der banalisierten Brandung. Ihr Signing bei Fat Wreck stand dieser prinzipientreuen Ausrichtung keineswegs widersprüchlich entgegen.

Selbst wenn ein Gutteil der Fat-Combos Ende des letzten Jahrtausends einer gewissen, mitunter generischen Formel folgte, mangelte es dem kalifornischen Label nicht an klaren politischen Positionen. Mit PROPAGANDHI und GOOD RIDDANCE durften sich ANTI-FLAG jedenfalls in guter Gesellschaft gefühlt haben. Ihr drittes Album „Underground Network“, zugleich ihr Einstand bei Fat Mikes beliebter Plattenschmiede, bescherte ihnen 2001 den verdienten Durchbruch. Dabei ging es eine Spur melodischer zu als auf dem bereits starken Vorgänger „A New Kind of Army“ (1999). Das verbesserte Songwriting äußert sich dabei auch über Justin Sanes vermehrte stimmliche Unterstützung durch Bassist Chris #2.

An Denkanstößen mangelt es der von Mass Giorgini (RISE AGAINST) produzierten Scheibe nicht, wenn Politik, Medien und Militär angeprangert werden. Das führt bei „Veques Puerto Rico: Bikini Revisited“ dazu, dass die Botschaft im Booklet durch weiterführende Erläuterungen und Links zu Hintergrundberichten untermauert wird. Beliebte und auf Konzerten gern geforderte Hits wie „Underground Network“, „Stars and Stripes“ oder „Bring Out Your Dead“ bilden das Rückgrat eines Langspielers, der über zahlreiche hymnische Momente und einen packenden Mix aus Melodie und gesunder Härte bleibende Eindrücke schafft. Mit „This Machine Kills Fascists“ wird darüber hinaus (einmal mehr) Folk-Musiker Woody Guthrie Tribut gezollt, der jene Worte auf seiner Gitarre präsentierte. Ein in Musik und Aussage insgesamt starkes Musikwerk, dass vom Nachfolger „The Terror State“ (2003) jedoch noch einmal (deutlich) übertroffen wurde.

Wertung: (7,5 / 10)

scroll to top