Alien vs. Predator (USA/GB/D/CZ 2004)

alien-vs-predatorMan schrieb das Jahr 1989, als die renommierte US-Comic-Schmiede Dark Horse zum illustrierten Clash der wohl fiesesten extraterrestrischen Spezies der Kinohistorie blies. Die Rede ist natürlich vom resistenten Nestbauer aus „Alien” bzw. den passioniert archaischen Trophäenjägern aus „Predator”. Seit mehr als 10 Jahren werkelte man bei 20th Century Fox an einer Leinwandadaption des Stoffes, doch scheiterte das von Zuschauerseite sehnlichst erwartete Gipfeltreffen der monströsen Ausgeburten wiederholt an Zerwürfnissen innerhalb des Zirkels verantwortlicher Entscheidungsträger. Bis der virtuose französische Regie-Exzentriker Jean-Pierre Jeunet mit dem vierten Teil der „Alien”-Saga eine kommerzielle Bruchlandung vorlegte und den Weg ebnete für den britischen B-Filmer Paul W. S. Anderson.

Jener hatte sich durch anspruchloses Genrekino der mittleren Güteklasse („Event Horizon”, „Soldier”, „Resident Evil”) einen durchaus respektablen Namen gemacht und präsentierte mehr als eine Dekade nach der visuellen Integration eines blanken Alien-Schädels im Interieur des Raumschiffes aus Stephen Hopkins „Predator 2″ seinen Drehbuchentwurf für „Alien vs. Predator”. Etliche Bildfolgeneditionen, Computerspiele und einer mit bedacht verpulverten budgetären Fundamentierung von 70 Millionen Dollar später hat das lange Warten nun endlich ein Ende, und der Kampf „Alien vs. Predator” kann in die erste Runde gehen.

Tief unter der Eisschicht der Antarktis entdeckt ein Forschungssatellit des Großindustriellen Charles Bishop Weyland (Lance Henriksen, „Harte Ziele”) einen architektonischen Komplex gewaltigen Ausmaßes. In der Hoffnung, der menschlichen Entwicklungsgeschichte ein entscheidendes Puzzleteil hinzufügen zu können, schart der alternde Unternehmer ein Team angesehener Wissenschaftler (u.a. Raoul Bova, „Unter der Sonne der Toskana” / Ewen Bremner, „Trainspotting”) um sich, um der sensationellen Entdeckung auf den Grund zu gehen. Unter der Führung der erfahrenen Bergsteigerin Alexa Woods (Sanaa Lathan, „Blade”) gelangt die Gruppe schließlich in den pyramidalen Bau und gerät unvermittelt zwischen die Fronten von Aliens und Predatoren. Letztere veranstalten in jedem neuen Jahrhundert eine unterirdische Treibjagd auf die gefährlichen Säureblüter. Alles, was diesem Spektakel noch fehlt, sind menschliche Wirte zur Austragung der mörderischen Parasiten, was die Überlebenschancen der humanoiden Beutezufuhr rapide sinken lässt.

In zähen Dialogen und bemüht gehaltvollem Kontext führt Paul Anderson eine Fülle stereotyper Charaktere ein, um sie im Anschluss an einer ästhetisierten Clip-Collage aufzureiben. Sichtlich um Parallelen und gestreute Reminiszenzen an die Vorgängerreihen bemüht, erscheinen die Fußstapfen eines Ridley Scott, James Cameron, David Fincher oder John McTiernan schlicht zu groß für Andersons beschränkte Qualitäten als Filmemacher. Doch bedeutet dies mitnichten, dass „Alien vs. Predator” keinerlei Schauwerte oder visuelle Raffinessen zu bieten hätte. Vielmehr offenbart die stetig an Fahrt gewinnende Inszenierung nach verhaltenem Auftakt straff auf Zelluloid gebannte Scharmützel, welche jedoch zu selten in wahre Höhepunkte wie den spektakulären Zweikampf zwischen Alien und Predator in der Filmmitte münden.

Angefacht durch den Erfolg von Ronny Yus handwarmem Crossover-Gemetzel „Freddy vs. Jason” versprüht auch „Alien vs. Predator” einen ganz eigentümlichen Reiz in Richtung der Fans jener wegweisenden Kinoserien. Paul Andersons durchwachsenes und überdies weitesgehend spannungsfreies Sci-Fi-Brimborium vermag jedoch nur inkonsequent an die klaustrophobische Beklemmung und atemlose Panik der stilbildenden Vorreiter anzuknüpfen. Trotz offenkundiger Bestrebungen, die Universen der differenten Spezimen, allen voran die Kultur der Predatoren, um individualistische Nuancen zu bereichern, bleibt der mitunter langatmige Genremix weit abseits der epochalen Präsenz und narrativen Ausgewogenheit seiner Wurzeln zurück.

Neben zahlreichen logischen Schwächen wie der allgegenwärtigen arktischen Wohlfühltemperatur bleiben auch die darstellerischen Leistungen im Niemandsland zwischen akzeptabler Agitation und archetypischer Leinwandverheizung befangen. Akzente setzen einzig die mordlüsternen Monstrositäten, die teils computergeneriert, teils durch menschlichen Einsatz, zum Leben erweckt gewohnt überzeugende Fleißarbeit leisten. Am Rande schließt ein triefäugiger wie sichtlich lustloser Lance Henriksen als Industriemogul den Kreis zum Androiden Bishop, den der solide Mime in den „Alien”-Teilen zwei und drei verkörperte. Als gelungene Anspielung auf den von ihm vollführten Messertrick in „Aliens” darf Henriksen diesmal übrigens zum Kugelschreiber greifen.

Etwa 150 Jahre vor Sigourney Weavers erstem Kontakt mit dem parasitären Außerirdischen und einige Jahre nach Arnold Schwarzeneggers bzw. Danny Glovers Kampf gegen den martialischen Freizeitjäger angesiedelt, präsentiert Routinier Paul Anderson mit „Alien vs. Predator” ein unterhaltsames Bindeglied zwischen den kinematographischen Ausbeuten beider Gattungen. Graphische Entgleisungen des Kalibers „Predator”, „Alien 3″ oder „Alien – Resurrection” darf man jedoch nicht erwarten, diese spart sich das Studio Gerüchten zufolge für eine veritable ‘Director’s Cut’-Edition auf DVD. Anspruchslose Gemüter werden an „Alien vs. Predator” sicherlich ihre helle Freude haben, eingefleischte Fans der fulminanten Originale wird Andersons lauer Aufguss trotz überzeugendem Finale jedoch enttäuscht zurücklassen.

Wertung: (5 / 10)

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