A Serious Man (USA/F/GB 2009)

aseriousman„I feel like the carpet‘s been yanked out from under me.“ – Larry Gopnick

Mit der skurrilen Tragikomödie „A Serious Man“ kehren die Coen-Brüder nach Minnesota zurück, wo sie bereits ihren Klassiker „Fargo“ ansiedelten. Statt eines verschneiten Kleinstadtpanoramas präsentieren sie diesmal jedoch ein sonnengetränktes Spießeridyll in den späten Neunzehnsechzigern, dass sich für den jüdischen Universitätsprofessor Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg, „Der Mann, der niemals lebte“) zunehmend als Alptraum entpuppt. Mit nahezu unbekannter Besetzung demontieren Joel und Ethan Coen das Leben ihres Antihelden und ergänzen die Absurdität des Seins um die Ratlosigkeit der Religion.

In seiner Verzweiflung wendet sich Larry an drei Rabbis, deren Hilfestellung sich in kryptischen Anekdoten oder den Blick auf den Parkplatz erschöpft. Sofern er denn überhaupt angehört wird. Erforderlich macht diesen Beistand eine schiere Kette an Nackenschlägen. Aus heiterem Himmel will die Gattin (Sari Lennick) die Scheidung und zwingt ihn zur Unterkunft in einem schäbigen Hotel. Sein psychisch labiler wie mathematisch hochbegabter Bruder Arthur (Richard Kind, „Ein Sommer in New York“) wird wegen illegalen Glückspiels verhaftet und ein Student steckt ihm einen Umschlag voller Geld zu.

In farbintensiven Bildern treiben die vierfach Oscar-prämierten Coens ihren bewundernswert hoffnungsvollen Antihelden an den Rand des Wahnsinns. Zur untreuen Gattin, die eine rituelle Scheidung verlangt, damit sie ihren neuen Geliebten nach religiöser Weihe ehelichen kann, kommen auch Probleme mit den Kindern. Sohn Danny (Aaron Wolff) befasst sich lieber mit Rockmusik und Marihuana als der göttlichen Lehre, Tochter Sarah (Jessica McManus) bedient sich aus der väterlichen Geldbörse, um sich einer Nasenoperation unterziehen zu können. Larrys Fassungslosigkeit wächst stetig. Nur was kann er schon ausrichten?

Mit aller Vehemenz stemmt sich der Geplagte gegen die über ihn unvermittelt hereinbrechenden Katastrophen. Was gefällig, in humorigen Belangen mitunter sogar gesetzt anmuten mag, entfaltet seine Vielschichtigkeit und Raffinesse erst im Detail: Verhandelt wird im hiob’schen Leidensweg insbesondere das jüdische Selbstverständnis, das in Larrys zunehmend verzweifelter Suche nach dem Sinn der ihn ereilenden Prüfungen ins Wanken gerät. Die Brillanz der Coens lässt den über geschliffene Dialoge transportierten Biss auch diesmal nicht auf Kosten der Figuren gehen. Wie sie muss auch der Zuschauer das Mysterium des Unerklärlichen einfach akzeptieren. Gerade dann ist „A Serious Man“ ein wunderbarer Film.

Wertung: (7,5 / 10)

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