Green Zone (USA/GB/F/E 2010)

green-zoneDie fadenscheinigen Gründe der US-Regierung für den zweiten Einsatz im Irak und dem damit verbundenen Sturz Saddam Husseins dürften hinlänglich bekannt sein. „Mission Accomplished“ verkündete jener W. Bush medienwirksam ein paar Wochen später. Abgeschlossen ist aber immer noch nichts. Daran erinnert nun auch das erfolgreiche Duo Paul Greengrass und Matt Damon. Basierend auf dem Enthüllungsbuch eines Journalisten der Washington-Post sucht der Schauspieler die Massenvernichtungswaffen, die diesen Konflikt rechtfertigen sollten. Allzu kritische Töne sollte man bei „Green Zone“ allerdings nicht erwarten, vielmehr funktioniert der Film als routiniert erzählter Polit-Thriller.

Roy Miller (Matt Damon) ist ein Mann mit Idealen. Mit seinem Team ist er auf der Suche nach den Gründen für diesen Krieg. Doch jeder noch so sicher geglaubte Einsatz endet stets gleich. Es werden keine Massenvernichtungswaffen gefunden. Miller glaubt nicht an Zufälle und trägt seine Zweifel vor, wird von seinen Vorgesetzten aber an der kurzen Leine gehalten. Der Nahost-Experte und CIA-Agent Brown (Brendan Gleeson) hat dagegen ein offenes Ohr für Miller, da dieser die aktuelle Strategie seines Landes ohnehin im Chaos enden sieht. Die Ambitionen beider werden durch den hochrangigen Pentagon-Mitarbeiter Clark Poundstone (Greg Kinnear) durchkreuzt, der ohnehin ein eigenes Interesse an der Urteilsfindung für diesen Kriegseinsatz hat. Mehr durch Zufall gerät Miller an Informationen über ein geheimes Treffen irakischer Militärs, von dem er sich die gewünschten Antworten erhofft.

Das Duo Greengrass/Damon arbeitete bereits bei zwei „Bourne“-Filmen erfolgreich zusammen, was prinzipiell auch gute Voraussetzungen für einen Film wie „Green Zone“ ist. Ein zweiter „The Hurt Locker“ ist es zwar nicht geworden, mangelnde Authentizität kann man dem Film aber zumindest nicht abstreiten. Neben Matt Damon („Invictus“) agieren fast ausnahmslos richtige Soldaten im Film, die im Irak und Afghanistan dienten und auch die Figur des Roy Miller basiert auf einem Soldaten, der seinerzeit im Irak nach Massenvernichtungswaffen suchte und als Berater am Set fungierte. Die von Greengrass gewohnte „Wackel-Optik“ sorgt zudem für eine realistische Atmosphäre inmitten weitgehend zerstörter Straßenzüge in Bagdad.

Als politische Lehrstunde ist „Green Zone“ weniger gedacht. Natürlich ist der zentrale Punkt die vorsätzliche Lüge, aber der Film ist in erster Linie als Thriller zu sehen. Im Zentrum steht Matt Damon als der unweigerlich gute und rechtschaffene Pol, der letztlich aber auch nur benutzt wird. Greg Kinear („Little Miss Sunshine“) mimt den berechnenden Gegenpart, der stellvertretend für das Bush-Regime steht, während die CIA in Form von Brendan Gleeson („Gangs Of New York“) deutlich besser wegkommt als gewohnt. Selbst die verantwortlichen irakischen Militärs werden mehr als Opfer denn als Täter dargestellt. Die Figuren bleiben jedoch blass und entstammen alle dem Reißbrett, was auch der Story nicht sonderlich hilft und man häufig das Gefühl bekommt, auf Johannes B. Kerner-Niveau aufgeklärt zu werden. Spätestens im Schlussspurt gerät der politische Anspruch im Kugelhagel vollends unter die Räder.

Die ganze große Faszination kann man „Green Zone“ nicht unterstellen. Dafür ist ein Film wie „The Hurt Locker“ einfach ergreifender und auch „Operation Kingdom“ – vor allem mitsamt seiner bösen Schlußpointe – schlichtweg fesselnder. Mangelnde Unterhaltung kann man der Waffen-Hatz über die gesamte Länge allerdings nicht abstreiten, denn die Inszenierung stimmt und zeigt auf ihre Art und Weise das perfide politische Spiel im Hintergrund. Wenn auch ohne großen Tiefgang.

Wertung: (6,5 / 10)

scroll to top