Hail, Caesar! (USA/GB 2016)

hail-caesarIn der goldenen Ära Hollywoods war die Welt noch in Ordnung. Zumindest für die großen Studios, die Stars mit Verträgen an sich banden und deren Image in der Öffentlichkeit nach eigenem Gusto prägten. Mit „Hail, Caesar!“ drehen Joel und Ethan Coen das Rad der Zeit einmal mehr zurück und werfen einen bisweilen spöttischen Blick auf das Studiosystem vor seinem Niedergang. Zu dem trugen – neben dem Einzug des Fernsehens in die Wohnzimmer – kostspielige Monumentalfilm-Flops bei. Ob das titelgebende (fiktive) Sandalen-Epos zu diesen zählt, lassen die Coens offen. Es ist vielmehr ein Trägerstoff, um mit kauzigen Figuren und beschwingten Revue-Nummern verblasstem Zeitgeist mit viel Liebe zum Detail Tribut zu zollen.

Die durchweg amüsante Wirkweise gibt den Brüdern Recht. Im Gegensatz zu früheren Meisterwerken (u.a. „Barton Fink“) erscheint die jüngste Humoreske der vierfach Oscar-prämierten Multitalente aber wie eine Sammlung von Selbstzitaten. Die Stars sind wieder zahlreich vertreten, werden in teils erstaunlich kurzen Gastspielen (siehe Jonah Hill, „War Dogs“) aber partiell zu Zaungästen einer Geschichte ohne echten Zusammenhang. In deren Zentrum steht Eddie Mannix (Josh Brolin, „No Country for Old Men“), der als Problemlöser eines großen Hollywood-Studios arbeitet. Er ist der Mann für alles, der Skandale abwendet, die Presse im Zaum hält und Streitigkeiten schlichtet. Während ein Flugzeugbauer um seine Dienste buhlt, bereitet ihm das Verschwinden von Starschauspieler Baird Whitlock (George Clooney, „O Brother, Where Art Thou?“) Kopfzerbrechen.

Der wurde am Set von „Hail, Caesar!“ von zwei Komparsen entführt. In dem Historienfilm spielt Whitlock einen römischen Offizier, der durch Jesus Leidensweg die wahre Kraft der christlichen Heilslehre erkennt. Die dazu eingespielten Szenen sind in Farbe, Ausstattung und Schauspiel so nah am Geist der 50er und 60er, dass sie glatt aus „Die zehn Gebote“ oder „Cleopatra“ stammen könnten. Ausstattung, Kostüme und Set-Design sind eine schwelgerische Augenweide. Vor allem beim ausgedehnten Musical-Einschub mit Channing Tatum („The Hateful 8“) oder Scarlett Johanssons („The Man Who Wasn’t There“) revuehafter, von betörend gefilmten (Kamera: Roger Deakins, „True Grit“) Synchronschwimmerinnen begleiteter Aufstieg aus einem Wasserbecken. Der von überflüssigen Off-Erzählungen (Sprecher: Michael Gambon, „Harry Potter“) begleitete Plot kann da nicht durchweg mithalten.

Während sich Whitlock bald in einer Diskussionsrunde kommunistischer Drehbuchautoren (darunter Fisher Stevens und David Krumholtz) widerfindet, versucht der als archetypische Coen-Figur von konstantem Kontrollverlust heimgesuchte Mannix allerlei Wogen zu glätten. Dabei streben ein mimisch unerfahrener Cowboy-Darsteller (Alden Ehrenreich, „Blue Jasmine“), ein gestresster Regisseur (als Ode an europäische Filmemacher in Übersee: Ralph Fiennes, „Grand Budapest Hotel“), bei verschiedenen Zeitungen tätige Zwillingsschwestern (Tilda Swinton, „Moonrise Kingdom“) oder eine schrullige Cutterin (Frances McDormand, „Fargo“) sporadisch in den Mittelpunkt. Ein Wiedersehen gibt es daneben mit Christopher Lambert, dessen „Highlander“-Gegenspieler Clancy Brown und – in einer Mini-Rolle –  Dolph Lundgren („The Expendables“). Meisterlich inszeniert ist „Hail, Caesar!“ fraglos. Allerdings bleibt das Skript hinter der vielschichtigen Brillanz anderer Werke der Gebrüder Coen doch ein gutes Stück zurück.

Wertung: (7 / 10)

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