1997 – Notes From Underground (2009, Victory Records)

1997-notes-from-the-undergroundDie Musik ändert sich. Der Verschleiß bleibt. Auch das dritte Album der Chicagoer Säusel-Fraktion 1997 zeigt an Keyboard und Mikro eine neue Personalie. Ur-Sängerin Kerri Mack stieg bereits nach dem Debüt „…A Better View of the Rising Moon“ aus. Auf dem Nachfolger „On the Run“ übernahm Alida Marroni ihren Part. Kurz nach der Veröffentlichung wurde ihr jedoch nahe gelegt, die Band zu verlassen. Ersetzt wurde sie durch Arthi Meera, die auf „Notes From Underground“ in ein ebenbürtig fragiles Horn stößt wie die Vorgängerinnen. Im Gegensatz zu Sangespartner Kevin Thomas.

Der probt vereinzelt den Ausbruch, erhebt die Stimme und gleicht sich damit den Gitarren an. Als logische Konsequenz wird der Indie-Pop lauter. Nicht zwingend rockiger, aber doch ein Stück weit komplexer, vielschichtiger. Nicht länger wollen sie bloß das gesangliche Duett in Herzschmerz verbundener Seelen unter zarten Melodien vereinen. 1997 experimentieren, reduzieren und loten zögerlich Grenzen aus, ohne sich allzu weit vom Sound der liebenswerten ersten Platten zu entfernen.

Und doch fehlt es „Notes From Underground“ an herzerweichenden Hymnen wie „Garden of Eden“ oder „4 A.M. Conversations“. Dezente Disharmonien und Country-Einflüsse verzerren das Bild in die Breite, täuschen aber nicht darüber hinweg, dass es dem hübsch instrumentierten Gefühlsbogen an Spannung fehlt. Und an Höhepunkten. Über das Bestreben, Musik für ein reiferes, ein erwachsenes Publikum zu machen, haben sie ihre jugendliche Frische verloren. Der Drang zum Wandel, zur Veränderung in allen Ehren, aber die melancholische Naivität der Vorgänger stand ihnen merklich besser zu Gesicht.

Wertung: (6 / 10)

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