Postman (USA 1997)

postmancostnerMit „Postman“ wollte Kevin Costner den verspielten Kredit bei Kritikern und Publikum wett machen. Sein 80 Millionen Dollar teurer Endzeit-Western wurde ein aufwändig gestaltetes und opulent bebildertes Epos, allen voran aber ein weiterer kolossaler Flop. Im gemäßigten politischen Klima der Clinton-Ära war eine Utopie der zerstörten Gesellschaft überflüssig. Nicht zuletzt, da Costner auf mobilisierendes Pathos pocht, das in schwülstiger Rebellionsmentalität verpufft. Sein Breitwandabenteuer ist zweifelsfrei großes Kino – nur eben kein großer Film.

Die Welt des Jahres 2013 ist durch Krieg und Zerstörung entstellt. Mit seinem Maultier streift Costner durch die Lande und zitiert Shakespeare, bis ihn der selbsternannte General Bethlehem (Will Patton, „Armageddon“) ungefragt in seine Armee speist. Die sorgt für Terror in den spärlich besiedelten Gebieten und macht einen geordneten Wiederaufbau unmöglich. Bis der Zwangseingezogene türmt, mit einer gefundenen Postuniform Essen erschleicht und spürt, dass er den Menschen mit seiner Flunkerei neue Hoffnung bringt. Sehr zum Unwill des Militaristen Bethlehem, der die sich rasch ausbreitende Begeisterung mit Gewalt unterdrückt.

Bevor aber eifrig die amerikanische Flagge geschwenkt und dem Tyrannen Paroli geboten wird, palavert sich der üppig in die Länge gezogene Plot um seine Schauwerte. Die Naturkulissen sind prächtig, darüber vergessen wird das Schicksal der Großstädte. Costner müht sich vor wie hinter der Kamera redlich, nimmt sich und sein Opus aber viel zu ernst. Schlimmer noch bläst er seinen postapokalyptischen „Jakob der Lügner“ zum hurra-patriotischen Schlachtruf auf. Nur kommt ihm dafür jede nachvollziehbare Grundlage abhanden.

Im anverwandten „Waterworld“ tröstete ansehnliche Action über Mängel in Skript und Logik hinweg. Der Briefzusteller aber streckt sich recht ereignislos über fast drei Stunden, wühlt sich durch die Romanze des unfreiwilligen Befreiers mit Witwe Abby (Olivia Williams, „The Sixth Sense“) und bläst durch den schwachen Larenz Tate („L.A. Crash“) zum Widerstand. So schlecht, wie er gemeinhin gemacht wird, ist „Postman“ keineswegs. Dem Spott aber hat er herzlich wenig entgegenzusetzen. So bleibt es bei einem zähen Spektakel mit ungesundem Hang zu bierernster Theatralik.

Wertung: 4.0 Stars (4,0 / 10)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.