Zombiercalypse (D 2017)

Schon die mächtigen Ruhrpott-Barden Die Kassierer sangen: „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“. Übertragen auf die Apokalypse, die mit Zombies und Gedöns, bedeutet das ein Problem existenzialistischer Dimensionierung. Sebastian Zeglarski, Effekte-Guru hinter Amateur-Wunderwerken wie „Der König der Kannibalen“ (den titelspendenden Regenten mimte er gleich selbst) nimmt sich diesem philosophischen Themenkomplex in seinem Kurzfilm „Zombiercalypse“ an. Das wurde auch Zeit!

Darin sieht die ferne zukünftige Zukunft finster aus. Schuld ist die grassierende Vermüllung der Erde, insbesondere durch den extremen Zuwachs chemischer Abfälle. Der resultiert aus übermäßig geschminkten Frauenvisagen, Haarspray und Hipster-Bartwachs. Das kann ja nicht gut gehen. Also beschließen die Mächtigen – charakterisiert durch drollige Völkerklischees –, den ganzen Unrat (per Klorollen-Miniatur-Rakete) ins All zu schießen und den auf künstlicher Schönheit beruhenden Lebensweg ungeniert fortzusetzen. Ja hat die Menschheit durch „Futurama“ denn nichts gelernt?

So kommt es, wie es kommen muss: Wenig später wird der blaue Planet von einem (an Angelschnur gezogenen) Müll-Asteroiden getroffen. Die Hälfte der Erdbevölkerung ist gleich hinüber, der Rest verwandelt sich in hässliche Zombie-Mutanten. Die Bekämpfung der Kreaturen – und erhöhtem Bierdurst – obliegt dem unerschütterlichen Jim Aal (wirkte ebenfalls in „Der König der Kannibalen mit“). Allerdings äußert sich das allein darin, dass er in zunehmend besudeltem Rambo-Aufzug in der Botanik steht, Hopfenschorle kippt und etwaigen Dummies Kugeln ins Hirn feuert. Das bereitet durchaus Vergnügen. Die Off-Kommentare des alkoholgetriebenen Endzeit-Zausels können da allerdings nur schwerlich mithalten.

Wem der zugemauerte, hier als Bunkeranmutung dienende Tunneleingang im Hintergrund bekannt vorkommt, der darf sich rasch in den Silscheder Wäldern wähnen. Dass dort in rauer Regelmäßigkeit eimerweise Kunstblut vergossen wird, liegt neben Zeglarski u. a. an Crippler Criss von P.S.Y.C.H.O. Productions, der hier die Kamera bediente und an den Computertricks mitwirkte. Den Spaßgehalt der von ihm mitverantworteten Langfilme erreicht „Zombiercalypse“ jedoch nur partiell. Dabei zeugt die von ulkigem Sprecherinnentext unterlegte Exposition, die bereits ein Drittel der zehnminütigen Gesamtlaufzeit einnimmt, von tricktechnischer Fantasie mit Ed-Wood-Charme.

Das darauf folgende luftige Nichts nutzt Jim Aal dankbar als Präsentationsfläche. Nur weiß die „Dawn of the Dead“-gemäße Handlungsskizze nichts Wesentliches damit anzufangen. Amateur- und Trash-Connaisseure sollten sich davon aber nicht abschrecken lassen. Denn als verschwindend kurzer Splatter-Nonsens mit auflockernden Kontroversen (als heitere Geschmacklosigkeit darf der Fötus in der Badewanne nicht fehlen) erfüllt der Streifen locker seinen Zweck. Fast spaßiger als der Hauptfilm fällt indes das Bonus-Material der DVD-Veröffentlichung (u. a. mit Making-of, Outakes, Werbespots und dem „stuhligen“ Zeglarski-Frühwerk „mehrbier“ von 2008) aus. Dessen Highlight ist ein Interview mit Jim Aal, das er in bester Klaus-Kinski-Manier beendet. In diesem Sinne: Prost!

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Story of Ricky (HK/J 1991)

    Gesegnet sei der Trashfilm in all seiner käsigen Tollheit. Alles möglich ist mal wieder in Asien, wo Produktionsgelder aus Hongkong und Japan zusammenflossen, um mit „Story of Ricky“ die Realverfilmung eines höllisch abgefahrenen Comics auf den Weg zu bringen. Mit dem nötigen Ernst in der Erzählung und dem konsequenten Irrsinn in der Inszenierung wird, das…

  • Margin Call – Der große Crash (USA 2011)

    Die Finanzkrise von 2008 hat ihre Spuren auch in der Traumfabrik hinterlassen. Diverse kritische Filme gibt es schon jetzt einige, kaum wenige Jahre danach, wobei die Nachwehen noch immer nicht verklungen sind. Den vielleicht besten Beitrag bislang liefert Regie-Debütant John Chandor ab, der mit „Margin Call – Der große Crash“ das Gebäude einer namenlosen Investmentbank…

  • A Serbian Film (SRB 2010)

    „Salò, or the 120 Days of Sodom“ (Italien, 1975), „Der Fan“ (Deutschland, 1981), „Aftermath“ (Spanien, 1994) oder „Irréversible“ (Frankreich, 2002) sind nur einige Titel, die der vielseitigen europäischen Kinematographie entsprangen und regelrecht für Furore sorgten. Unlängst durften erneut die Franzosen mit „Martyrs“ (2008) auf filmischem Wege abnormste menschliche Abgründe offenbaren. (Film-)Skandaltechnisch gehört das Jahr 2010,…

  • Die Miami Cops (I 1985)

    Ihre erfolgreichsten Tage hatten Bud Spencer und Terence Hill längst hinter sich, als sie Mitte der Achtziger noch mal gemeinsam die Fäuste schwangen. In Florida standen sie für „Die Miami Cops“ vor der Kamera und drehten eine Art stoffliche Ergänzung zu „Zwei außer Rand und Band“. Doch nicht nur an den tiefen Furchen, die Fransebart…

  • Che: Revolución (USA/F/E 2008)

    Ernesto „Che“ Guevara ist eine Ikone des Widerstands, ein Sinnbild der Revolution. Der Versuchung einer solch verklärenden Simplifizierung wollte Steven Soderbergh widerstehen, als er das Leben des Freiheitskämpfers auszugsweise in zwei Spielfilmen über viereinhalb Stunden auf die Leinwand brachte. In Benicio Del Toro, der für die Mitwirkung in Soderberghs „Traffic“ einen Oscar erhielt, fand der…

  • Shark Hunter (USA 2001)

    Der Megalodon, die Spezies des Ur-Hais, treibt bevorzugt im amerikanischen B-Film sein Unwesen. Wo auch sonst, bleibt den direkt für den Videomarkt produzierten Nachzüglern des Tier-Horror-Sujets doch kaum etwas anderes übrig als ausgelutschten Filmstoffen mit dem Tick riesenhafter Austauschmonster zu widerstreben. „Shark Hunter“ ist ein solches Beispiel. Ein billig produziertes obendrein. Wenig Anlass zur Freude…