A Christmas Carol in Gore: Being a Butcher’s Story of Christmas (D 2011)

christmascarolingore„Scheiß Christen-Pisser. Die sollte man alle umbringen die Scheißer.“ – Ewiger Misanthrop: Der Schlächter

Weihnachten im Hause P.S.Y.C.H.O. Productions. Frei von Besinnlichkeit, dafür inklusive Kellerbiest, mordendem Schlächter und reichlich Kunstblut. Die Westfalener Amateurfilmer Master W und Cripler Criss („Das Geheimnis der Zauberpilze“) haben sich in ihrem neuesten Kurzfilm der klassischen Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens angenommen. Nur wird darin eben kein stinkreicher Egoist von drei Geistern heimgesucht, sondern ein übellauniger Mörder. Den spielt jener Crippler Criss mit bewährt cholerischer Ader. Im Westen der Republik guckt eben niemand grimmiger als er!

Nachdem er Spendensammler und Bedürftige vertrieben hat, die ihn auf infame Weise beim Schleifen des Messers im gemütlichen Kellerloch gestört haben, kommt ihm das frühzeitig aufgetischte Festtagsmahl abhanden. In seiner mörderischen Art sucht er mit der Machete bewaffnet eine Gruppe an der Feuertonne über Adorno diskutierende Obdachlose (darunter Master W, der auch wieder das erwähnte Biest verkörpert) auf und hackt sie in Stücke. Wieder zu Haus, suchen ihn des Nachts die Spukgestalten heim. Nach einem kleinen Stoff-Weihnachtsmann, der nach Kopfverlust eimerweise Blut im Keller verspritzt, ist darauf das Biest an der Reihe.

Eine Ausweidung später eröffnet dem Schlächter ein Blick in die Zukunft den eigenen gewaltsamen Tod durch einen Lynchmob. Wo bei Dickens nun aber die zwangsläufige Läuterung folgt, kehrt der Mörder mit dem nächsten bettelnden Störenfried jedoch unverzüglich zum ihm angestammten Wesen zurück – und hat so auch gleich eine Alternative fürs verlorene Abendmahl parat. Jawohl liebe (volljährige) Kinder, so sehen klassische Märchen aus, wenn sie durch den Amateur-Splatterwolf gedreht werden. Nach der etwas zähen Found Footage-Parodie „Der letzte Kannibale“ hat das P.S.Y.C.H.O.-Duo mit „A Christmas Carol in Gore“ wieder eine trashige Schippe zugelegt.

Master W, der neben den handgemachten Effekten auch Regie und Buch verantwortete und gemeinsam mit Crippler Criss den Schnitt besorgte, hält sich darstellerisch diesmal zurück. Die blutig-beschränkte One Man-Show des Cripplers verlässt sich voll auf dessen irre Blicke, zeigt formal aber wiederum die wachsende Routine. So wirken vor allem Kamera und Montage stetig stimmiger, während die Übertreibung der abermals überzeugenden Heimwerker-Tricks manch abseitigen Lacher garantiert. Über Geschmack lässt sich zwar wieder fürstlich streiten, aber wer bei den Werken der sympathischen P.S.Y.C.H.O.‘s Gehalt über Gewalt stellen will, der ist im Selfmade-Film ohnehin völlig falsch aufgehoben.

Wertung: (6 / 10)

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