Der letzte Kannibale (D 2011)

der-letzte-kannibaleTraue keinem Einsiedler mit eidgenössischem Akzent und Machete! Vor allem dann nicht, wenn dieser im Stadtwald Führungen zum angeblich einzig verbliebenen Menschenfresser Deutschlands anbietet und unliebsamer Konkurrenz mit Feuer spuckenden MG-Salven zu Leibe rückt. Dass die Welt der Amateur-Filmschmiede P.S.Y.C.H.O. Productions eine blutig absurde ist, bewiesen Crippler Criss und Master W bereits mit „Das Geheimnis der Zauberpilze”. Der wird im nun nachgelegten Kurzfilm „Der letzte Kannibale“ freudig rezitiert, dient übergreifend aber eher als Parodie auf Found-Footage-Grusler der Gangart „The Blair Witch Project“.

In der Einleitung berichtet Master W vom Fund eines Camcorders, mit dem Alan Jates (Sebastian Zeglarski) in Anlehnung an den (fast) gleichnamigen „Cannibal Holocaust“-Kameramann dem Mysterium des besagten Kannibalen nachgehen wollte. Mit einem Aushilfs-Hexer und einem Freizeitsöldner begab er sich unter Führung des Einsiedlers (auch Master W) ins Gehölz und ward nicht mehr gesehen. Auskunft über seinen Verbleib gibt das Video, das zwischen dem Gang in die Wälder und einem im Vollrausch endenden Interview mit Master W und Crippler Criss ohne Scheu dem Eigenbau-Trash frönt.

„Der letzte Kannibale“ ist eine rund 15-minütige Fingerübung, um die Wartezeit auf „A Christmas Carol in Gore“ zu verkürzen. Neben den launigen Selbstzitaten (siehe das im Kurzfilm „Animalisch“ eingeführte ´animalische Biest´) und Verweisen auf die besagten Mockumentaries – sowie David Hasselhoffs legendärer Vollrausch-Burger-Verköstigung – regiert, wie im Genre der schockierenden Videofunde üblich, die Beiläufigkeit. Man geht durch den Wald, redet dummes Zeug und ist am Ende tot. Den Spaßgehalt mehrt die Unfertigkeit, die neben bestussten Dialogen vor allem zügellosen Heimwerker-Splatter hofiert.

Sicher darf man das Wirken der umtriebigen Filmfreaks ruhigen Gewissens als Schund verunglimpfen. Aber der Trashfilm ist nun mal eine wunderbare Projektionsfläche für Experimente und wonnige Peinlichkeiten. Filme ohne Geld zu drehen, ist ohnehin eine Kunstform für sich. Zugegeben, eine etwas abseitige, aber die sympathischen Macher verfehlen das Ziel auch mit diesem soliden Schnellschuss nicht. Sinn stiftet das Ganze also keinen, dafür aber, sofern man es denn zulässt, moderaten Spaß. Und die Zeit bis Weihnachten vergeht schließlich auch wie im Fluge!

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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