Wizo – Bleib tapfer/Für’n Arsch (1991/1992, Hulk Räckorz)

wizo-bleib-tapferIn ihrer Frühzeit pflegten WIZO einen ausgeprägten Hang zum Morbiden. Besonders deutlich macht dies ihr zweiter Langspieler „Bleib tapfer“, der, 1992 erstveröffentlicht, später mit dem ein Jahr früher produzierten Debütalbum „Für’n Arsch“ zusammengelegt und neu herausgebracht wurde. Dabei kehren Klassiker der Gangart „Leichen“ oder „Alte Frau“ die Lust am ironischen Spiel mit Tabubruch und Moralentsagung deutlich nach vorn.

Kaum anders verhält es sich mit der verqueren Liebeserklärung „Bei dir“, „Mein Tod“, der englischsprachigen Suizid-Bekundung „Nice Day“, „Es ist vorbei“, „Geisterfahrer“ oder „Alter Bruder“ (eine Variation von „Alte Frau“). Aus dem Rahmen fallen da lediglich der Anti-Nazi-Klopper „Nix & niemand“ und „Bleib tapfer“, wobei der naive Glaube an die Unversehrtheit des Goldfischs Michael bis heute zu den spaßigsten Stücken der Deutsch-Punks zählt.

wizo-fuern-arschDas im Grunde bessere Album ist „Für’n Arsch“. Die Scheibe wirkt wütender, abwechslungsreicher und insgesamt packender. Äquivalent zur abgründigen Stimmung von „Bleib tapfer“ werden lediglich „Good Bye“ und „Walter“ platziert. Dem gegenüber stehen jeder Ernsthaftigkeit widerstrebende Titel wie „Der Käfer“, „Kadett B“, „KIK III“ („Keiner ist kleiner“ geht bis in die WIZO-Gründerzeit zurück) oder „Unemployed“. Auch die Schlussmacher-Perle „Gute Freunde“ oder die Außenseiter-Ballade „Sylvia“ sind immergrüne Highlights.

Heraus ragen aber vor allem die politischen Nummern. Solche wie „Diese Welt“ oder „Kein Gerede“, das ob des Vorwurfs, zu Straftaten aufzufordern, 1995 indiziert wurde und auf späteren Versionen des Doppelalbums nur noch als instrumentale „Karaoke-Version“ zu finden ist. Auch „Jupp“ und „Seelenbrant“ geben sich kritisch, während „I Want You to Be Ma Girl“ eine schicke Hommage an die RAMONES bildet. Bei 24 Songs gibt es aber ohnehin wenig zu maulen. Denn die Qualität ist beständig und die Hitdichte hoch. Ein verdienter Klassiker!

Wertung: (7,5 / 10)

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