Warlock – Satans Sohn (USA 1989)

warlocksandsHexenjäger Giles Redferne (Richrad E. Grant, „Gosford Park“) hat den Super-Okkult-Jackpot geknackt: Warlock (Julian Sands, „Boxing Helena“), Luzifers Lieblingsuntergebener, liegt endlich in Ketten und wartet auf die gerechte Strafe für all seine schwarzmagischen Vergehen: Tod auf dem Scheiterhaufen! Was sonst, immerhin befinden wir uns in Boston im Jahre des Herrn 1691, da war die Welt noch eine, ähm, andere. Doch zieht just vor der Hinrichtung ein wundersamer Sturm auf, der den Schwarzmagier im wahrsten Sinne des Wortes aufsaugt. Redferne folgt ihm mutig in den Wirbelwind, der sich als Raum-Zeit-Kontinuum verschiebende Brise manifestiert. Doch gelangen die Herrschaften aus dem 17. Jahrhundert nicht wie einst Großmaul Ash in „Evil Dead 2“ in die Vergangenheit, der Zauber-Orkan bringt sie vielmehr ins Los Angeles Ende der Neunzehnachtziger. Groovy!

Dort verliert der sinistre Warlock kaum Zeit, schließlich gilt es die drei Teile des sagenhaften Grand Grimoire, der Anti-Bibel, zu finden. Dort steht nämlich der super-duper-geheime wahre Name Gottes geschrieben. Spricht man diesen Tetragrammaton rückwärts aus, so wird des Allmächtigen gesamte Schöpfung rückwirkend getilgt und der böse, böse Teufel kommt an die Macht. Klingt komisch, ist aber so. In der Zwischenzeit kollidiert Redferne mit der jungen Kassandra (Lori Singer, „Footlose“), die sich im Kampf gegen das Böse noch sehr mutig anstellen darf. Und wie sollte es auch anders sein, hat sie noch ein persönliches Hühnchen mit dem Herold des Beelzebubs zu rupfen – hat dieser Kassandra doch mit einem Fluch belegt, der sie an einem Tag altern lässt, als würden 20 Jahre vergehen.

Viel Zeit bleibt also nicht, um neben der eigenen juvenilen Frische auch noch das gesamte Universum zu retten. Aber erst einmal birgt der deutsche Titel von „Warlock – Satans Sohn“ Trügerisches! So ist Warlock – ein „Warlock“ ist in der englischen Sprache das männliche Pendant zur Hexe – ein satanischer Magier und keineswegs der Spross des Höllenfürsten. Zwar gab es im fertigen Film Szenen, in welchen dies explizit erwähnt wird, doch kurz vor dem Kinostart entschied man sich dank negativer Test-Screening gegen die Beibehaltung dieses anti-messianischen Faktes. Darüberhinaus beinhaltete Steve Miners („Halloween H20“) Fantasy-Grusler anfangs mehr blutige Schauwerte. Etwa die Tötung der Hellseherin wurde aufwändiger produziert, musste in der finalen Fassung aber leider gemindert werden.

Die Figur des diabolischen Warlock, hier und im ersten Sequel grandios verkörpert von Julian Sands, konnte nie die Popularität eines Freddy oder Jason erreichen. Gewünscht hätte man es ihm, besonders in der Sands´schen Verkörperung. Der Einstand ist, sieht man von den schon damals dezent antiquierten Tricks ab, ein grundsolider 80er-Beitrag zum Horrorgenre. Neben dem bereits gelobten Sands ist der eigentlich eher im komödiantischen Fach beheimatete Richard E. Grant famos in der Rolle des im falschen Jahrhundert gelandeten Hexenverfolgers. Wenn er in seiner altertümlichen Art mit den „Wundern“ der Moderne zusammenprasst, fällt das nicht selten sehr amüsant aus. Besonders, wenn es um Flugzeuge oder Waffen (der Metallzaun!) geht.

Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, als wäre da insgesamt einfach mehr drin gewesen. Das Drehbuch von David Twohy („Pitch Black“) wirkt in der Road-Movie-artigen Abspulung der Geschichte nur allzu bekannt. Der Showdown hingegen bietet 80’s-Feeling galore und trotz des definitiven Endes kamen 1993 und 1999 noch zwei Fortsetzungen auf dem Markt. Zumindest deren erste ist in der Gunst vieler Fans sogar bessergestellt als das Original selbst. Über die zweite hüllen wir lieber mal den Mantel des Schweigens. Was das Original angeht, so mussten die Gönner im deutschen Lande bis zum Jahre 2012 auf eine (legale) ungeschnittene Fassung warten. Vorher kürzte man die 103 Minuten unverständlicherweise auf 90 herunter. Das ist fast selbst als Hexenwerk zu verteufeln.

Wertung: (6 / 10)

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