Warlock II – The Armageddon (USA 1993)

warlock2sandsAlle 600 Jahre gibt es eine ganz bestimmte Sonnenfinsternis, die dem ollen Satan den Weg in unsere Daseinsebene ermöglichen kann. Oder aber auch die Geburt seines Sohnes, des (namenlosen) Warlock. Oder eben beides. Ende des 12. Jahrhunderts kann eine Gruppe Druiden gerade noch die sich anbahnende Apokalypse – sechs magischen Steinen sei Dank – verhindern. Einen Schnitt später ist es 1993. Eine unwissende Frau, die einen der verzauberten Steine an ihrer Kette für ein modisches Accessoire hält, bekommt gegen ihren Willen prompt die Ehre, sich Warlocks (Julian Sands, „Naked Lunch“) Mutter zu nennen. Wenn auch nur kurz, muss sie doch ihren (alsbald leblosen) Körper als Sprachrohr zu Big Bad Daddy in die Hölle hergeben. Von ihm erhält der blonde Hexer die Aufgabe, alle Steine zu sammeln, steht doch die besagte Sonnenfinsternis wieder bevor.

Auf der anderen Seite werden wir Zeugen einer (unglücklichen) Teenie-Romanze in einem typischen (Film-)US-Kaff. Kenny (Chris Young, „Max Headroom“) und Samantha (Paula Marshall, „Hellraiser 3“) sind verliebt. Doch Sams Vater Ted (Bruce Glover, „Chinatown“), der Reverend der kleinen Gemeinde, stellt sich quer. Die Turteltauben können ja nicht ahnen, dass Ted vor seinem christlichen Dasein ebenfalls dem Team der Druiden-Clique angehörte, die Armageddon in unserer Zeit zu verhindern hat. Ein weiteres Mitglied (des vierköpfigen Zirkels): Kennys Pa Will (Steve Kahan, „Lethal Weapon 1-4“). Der Geistliche möchte seine Tochter nicht gefährden und versucht mit allen Mitteln, sie fernab des Okkulten zu halten. Doch Warlock ist schon auf dem Weg, schließlich haben die Neo-Druiden zwei der wertvollen Steine in ihrem Besitz.

Da ist er wieder, der stoische Satansbraten Warlock. In seinem zweiten Abenteuer, welches genauer betrachtet nur schwer als Sequel zu Steve Miners Vorgänger angesehen werden kann, ist er dann doch noch Satans Sohn geworden, was ihm im ersten Teil noch vergönnt blieb. Dafür darf er mächtig auf die Kacke hauen. Ging es im Erstling noch sehr gemächlich zu, wird hier nicht nur gesplattert, es wird auch innovativ gestorben. Vier Jahre vor dem bösartigen Djinn aus „Wishmaster“ erfüllt Warlock ausgesprochene Wünsche auf eine ausgesprochen impulsgebende Art und Weise. Ein Kunstsammler wird etwa selbst zu einem Kunstwerk á la Picasso modelliert, eine hochmütige Modedesignerin darf im wahrsten Sinne des Wortes hoch fliegen und tief fallen. Darüber hinaus ist der „neue“ Warlock mit einer geradezu dunklen Ader für Ironie ausgestattet.

Die Story hingegen ist alles andere als originell, was aber kaum ins Gewicht fällt. Es geht zwar stringent absolut vorhersehbar von A nach B, doch so tempo- und actionreich, dass die 98 Minuten wie im Fluge vergehen. Zumindest in der ungeschnittenen Version, die deutsche FSK 16-Fassung ist um sagenhafte 13 Minuten gekürzt. Angereichert mit sympathischen Computertricks, die heutzutage natürlich hoffnungslos veraltet sind, stellt Anthony Hickox‘ „Warlock – The Armageddon“ in den Augen vieler Genrebegeisterter das beste Fragment der Trilogie überhaupt dar. Hickox hat hier so gut wie alles richtig gemacht, was aber auch nicht wundert, scheint er selbst vom Genre begeistert zu sein, hat er uns noch die duften „Waxwork“-Teile und den soliden dritten „Hellraiser“ beschert.

Amüsantes am Rande: weshalb nutzt Warlock, der am Ende des ersten Teils den geheimen Namen Gottes erfuhr und damit die ganze Schöpfung rückwirkend auslöschen könnte, dieses Wissen nicht einfach? Es wäre uns zumindest der erschreckend miese dritte Teil erspart geblieben!

Wertung: (7 / 10)

scroll to top