Walled In (CDN/USA/F 2009)

walledinFrankreichs Horror-Kino boomt. Während sich das Genre in Hollywood an der Überbietungslogik filmischer Gewalt aufreibt, gelingt es aufstrebenden französischen Kreativen immer öfter den Rahmen des konventionellen Splatters zu sprengen. Zur Explikation der Bilder gesellt sich ein Hauch künstlerischer Eleganz, der scheinbar mühelos grundverschiedene Stilelemente zu verweben weiß. Von dieser Qualität profitieren auch Produzenten aus Übersee, die junge Visionäre mit der Aussicht auf den großen Karrieresprung ködern.

Mit der amerikanisch-kanadischen Koproduktion „Walled In“ begeht Gilles Paquet-Brenner („UV“) seinen Einstand in der Fremde. Darin soll die junge Ingenieurin Samantha (Mischa Barton, „O.C., California“) ins väterliche Abrissunternehmen einsteigen. Ihr erster Auftrag führt sie in die Einöde, wo sie die Sprengung eines Wohnklotzes mit bewegter Vergangenheit plant. Vor Ort angekommen, schlägt ihr das Misstrauen der verbliebenen zwei Mieter entgegen. Neben ihnen sind es nur noch Verwalterin Mary (Deborah Kara Unger, „The Game“) und Sohn Jimmy (Cameron Bright, „Running Scared“), die den labyrinthartigen Bau bewohnen.

Einst wurde der Komplex zum Schauplatz grausamer Morde. Baukünstler Malestrazza mauerte Menschen in den Pfeilern lebendig ein, um seinem Werk nach Vorbild der ägyptischen Pyramiden Unverwüstlichkeit zu verleihen. Doch nicht nur ihr Gatte, so bezeugt Mary, sondern auch der Architekt selbst fand auf grausame Weise den Tod. Bald schon fühlt sich Samantha beobachtet, vernimmt gar das Wispern eines kleinen Mädchens. Sollten die Toten etwa nicht zur Ruhe kommen? Oder treibt etwas anderes, weit irdischeres in den verzweigten Fluren sein Unwesen?

Der Schein einer neuerlichen Anlehnung an die Standarten des japanischen Mystery-Grusels trügt. Die Verfilmung eines Romans von Serge Brussolo ist ein mit Elementen des Horrors kokettierender Psycho-Thriller, dessen Wendungsreichtum ein Bild von Obsession und Niedertracht zeichnet. Zwar wirken die Finten gerade im Schlussdrittel arg konstruiert, der gelungene Atmosphärische Rahmen und die effektive Kameraführung bürgen jedoch für gediegene Spannungserzeugung. Die Zurückhaltung der Schauspieler, bei denen es nur Deborah Kara Unger mit der stoischen Trägheit etwas übertreibt, fügt sich nahtlos in diesen visuell aufregenden, inhaltlich aber einfach zu gewöhnlichen Film ein.

Wertung: (5 / 10)

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