Fear X (CDN/GB/DK/BR 2003)

fear-x„I am not a murderer.“ – Harry

Nicolas Winding Refn ist einer der aufregendsten Regisseure der Gegenwart. Mit Werken wie „Pusher“, „Bronson“ oder „Walhalla Rising“ erarbeitete sich der Däne den Ruf eines innovativen Exzentrikers. Seine Filme bleiben stets kühl und sperrig, dabei jedoch getragen von visueller Raffinesse. Einem breiteren Publikum bekannt wurde er durch „Drive“, für den er mit dem Regiepreis in Cannes ausgezeichnet wurde. Refns erster in englischer Sprache gedrehte Film, der minimalistische Thriller „Fear X“, erfährt im Zuge der erhöhten Aufmerksamkeit um seinen Schöpfer eine späte deutsche Erstveröffentlichung.

Aber auch das passt zur abenteuerlichen Entstehungsgeschichte. Refn benötigte drei Jahre, um die Finanzierung zu garantieren. Gedreht wurde 2002 im kanadischen Winnipeg, wo 28 Drehtage veranschlagt wurden. Nach 18 davon war das Budget nahezu ausgeschöpft und die Produktion wurde nach Dänemark verlegt. Doch noch vor dem endgültigen Drehschluss war der finanzielle Rahmen endgültig aufgebraucht. Dass der Film dennoch vollendet wurde, lag einzig am Idealismus der englischen und amerikanischen Crew, die den Glauben an das Projekt nicht verlor und weiterarbeitete.

Dazu zählt auch Hauptdarsteller John Turturro („Barton Fink“), der endlich mal wieder Gelegenheit erhielt sich völlig in einer Rolle zu verlieren. Er ist Harry Caine, Wachmann in einem typischen amerikanischen Shopping Center in Wisconsin. Doch seitdem seine schwangere Frau im Parkhaus der Mall von einem Unbekannten erschossen wurde, ist sein Leben völlig aus den Fugen geraten. Auf Überwachungsbändern sucht er nach Hinweisen, um die ihn aufzehrende Frage des „Warum“ beantworten zu können. Als Harry tatsächlich eine Spur findet, führt in diese nach Montana – zum Polizisten Peter Northrup (James Remar, „Dexter“) und dessen Gattin Kate (Deborah Kara Unger, „The Game“).

Refn, der das Skript mit Hubert Selby Jr. („Requiem for a Dream“) erarbeitete, präsentiert die verzweifelte Wahrheitssuche unauffällig, optisch erhaben und mit surreal alptraumhaften Bildern. Die Kamera führte Larry Smith, der als Ausleuchter maßgeblich an der Wirkung von Stanley Kubricks Meisterwerken „Barry Lyndon“ und „The Shining“ beteiligt war. Die Musik, u.a. vom berühmten Musiker und Produzenten Brian Eno, trägt ebenfalls zur ungemütlichen Atmosphäre des unkonventionellen Thrillers bei. Am Ende gibt es zwar Klarheit, aber keine Lösung. Und erst recht keine Erlösung. Der wortkarge Turturro spielt famos. Zu würdigen wissen werden dies aber wohl nur Freunde spröder Indie-Filmkunst.

Wertung: (6,5 / 10)

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