Vier Brüder (USA 2005)

vier-bruederRegisseur John Singleton galt vor allem zu Beginn seiner Karriere als eine Art Wegbereiter des neuen Schwarzen Kinos. Mit Werken wie „Higher Learning“ oder „Boyz ‘n the Hood“ heimste er positive Kritiken ein und schürte zugleich kontroverse Diskussionen. Mit seinem letzten Werk – der Kommerz-Verramsche „2 Fast 2 Furios” – litt zumindest sein künstlerischer Ruf, den es nun mit seinem neuen Rache-Drama „Vier Brüder“ wiederherzustellen gilt.

Evelyn Mercer (Fionnula Flanagan) ist eine angesehene Frau, die sich ihr ganzes Leben für benachteiligte und heimatlose Kinder aufopferte und diesen in neuen Familien eine Perspektive bot. Vier Problemfälle zog sie gleich selbst groß, da diese niemand haben wollte. Jahre später kommen der harte Bobby (Mark Wahlberg), der Marine Angel (Tyrese Gibson), der junge Rocker Jack (Garrett Hedlund) und der Gewerkschaftler Jeremiah (André Benjamin) wieder zusammen, um ihre „Mom“ zu beerdigen. Diese wurde während eines Supermarkt-Überfalls regelrecht hingerichtet, was vor allem Bobby nicht so einfach auf sich sitzen lassen möchte. Trotz aller Warnungen der beiden Polizisten Green (Terrence Howard) sowie seines bestechlichen Partners Fowler (Josh Charles) geht das ungleiche Brüder-Quartett seinen eigenen Weg. Nach und nach kommen Details ans Tageslicht, dass es sich nicht um einen normalen Raubüberfall handelte, sondern dass Personen bis in den Stadtrat mit dem Tod ihrer Mutter zu tun hatten.

Grob angelehnt an den John Wayne-Klassiker „Die vier Söhne der Katie Elder“ präsentiert Singleton eine Art Neuauflage in modernem Gewand, inmitten des Schneegestöbers von Detroit. Singleton lässt sich Zeit für die Geschichte und für seine Figuren. Diese werden trotz aller Härte und ihrem kompromisslosen Vorgehen nie als reine Racheengel dargestellt, Tränen und Gefühle haben auch in ihrem Leben Platz. Dies wird vor allem wieder einmal eindrucksvoll von Mark Wahlberg („Corruptor“, „Boogie Nights“) gezeigt, der die Gratwanderung zwischen emotionaler Realität und kaltblütigem Auftreten überzeugend darstellt. An seiner Seite zeigen auch Tyrese Gibson („2 Fast 2 Furios“) und Garrett Hedlund („Troja“) ansprechende Leistungen, gleiches gilt auch für André Benjamin („Be Cool“), normalerweise Frontmann von Outkast. In Nebenrollen runden Josh Charles („Einsam, Zweisam, Dreisam“, „Cold Blooded“) und der immer häufiger auftretende Terrence Howard („Dead Presidents“, „L.A. Crash“) die souverän aufspielende Darstellerriege ab.

Durch gezielt eingesetzte und nie ausufernde Actioneinlagen verkommt „Vier Brüder“ nicht zu einem reinen Action-Vehikel ohne Substanz. Hier mal eine Verfolgungsjagd im dichten Schneetreiben, dort dann ein etwa drei Minuten langer Schusswechsel, Singleton verliert sich und den Film nie in überflüssigem Geplänkel. Über den moralischen Aspekt lässt sich sicherlich vortrefflich streiten, schließlich treten seine nach Vergeltung suchenden Figuren genau so auf, wie die vermeintlichen Bösen. Dass diese dann auch noch relativ ungeschoren aus der Sache hinauskommen, macht den zum reinen Selbstzweck verkommenden Weg voller Gewalt nicht minder diskutabel. Doch ist „Vier Brüder“ aufgrund seiner Intensität und seiner guten Darsteller mehr als nur ein normaler, belangloser Rachefilm geworden, bei dem Singleton (fast) an die Klasse seiner frühen Werke herankommt.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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