Die Fremde in dir (USA/AUS 2007)

die-fremde-in-dirHollywood und das Thema Selbstjustiz. Das passt eigentlich zusammen, lassen sich daraus doch spannende Stoffe herleiten. Der öffentliche Aufschrei ist jedoch meist unüberhörbar, man beachte nur den Klassiker „Ein Mann sieht rot“, nach dem Roman von Brian Garfield. In eine nahezu identische Richtung geht auch „Die Fremde in dir“ vom Oscar-prämierten Regie-Veteranen Neil Jordan („Interview mit einem Vampir“, „Michael Collins“), in dem diesmal Jodie Foster auf nicht minder diskutable Weise als Racheengel fungiert.

Die Radio-Moderatorin Erica Bain (Jodie Foster) trifft mit ihren feinfühligen Reportagen über das Leben in New York den Nerv ihrer Hörer. Auch privat läuft für sie und ihren Verlobten – dem Arzt David („Lost“-Star Naveen Andrews) – alles bestens und die geplante Hochzeit kann den beiden nicht früh genug kommen. Beim abendlichen Spaziergang durch den Central Park werden sie jedoch von mehreren Männern überfallen, binnen weniger Minuten liegt David tot auf dem Boden, Erica kommt schwer verletzt ins Krankenhaus. Nach drei Wochen im Koma kommt sie wieder langsam zu sich, muss jedoch zu Hause erst lernen, ihre Ängste zu besiegen. Illegal besorgt sie sich eine Pistole, die sie schon bald einsetzen muss. Erica findet gefallen daran und mordet weiter, was sie ins Blickfeld des zuständigen Detective Mercer (Terrence Howard) bringt, zu dem sie jedoch schnell ein freundschaftliches Verhältnis aufbaut. Mit jedem neuen Mord verdichten sich jedoch seine Annahmen, Erica könnte etwas mit den Verbrechen zu tun haben.

Die zweifache Oscar-Preisträgerin Jodie Foster („Das Schweigen der Lämmer“) tritt seit einigen Jahren beruflich etwas kürzer. Dadurch bleiben jedoch nervtötende Rollen wie in „Flight Plan“ umso intensiver haften. Auch in „Die Fremde in dir“ neigt sie dazu, es manchmal zu übertreiben. Dennoch mag man ihr den gebrochenen Racheengel abnehmen. Denn damit spielt der Film letztlich auch mit der Frage, ob man als Zuschauer Sympathien oder gar Zuspruch mit der von Foster verkörperten Figur hegt. Dank eines Neil Jordan ist der Film differenzierter und weniger plakativ, als man es im Vorfeld vielleicht vermuten durfte. Zwar wirkt Jodie Foster mitunter etwas aufdringlich, aber das Verständnis für ihre gebrochene Figur bleibt. Ähnlich wie im Falle von Charles Bronson in „Ein Mann sieht rot“ ist auch Foster nicht von Anfang an als skrupelloser Killer unterwegs. Die Umstände zwingen sie förmlich dazu. Das sie selbst mit sich hadert, nicht im reinen ist, kommt mehrfach zum Vorschein.

Gerade dann blitzt die Klasse von „Die Fremde in dir“ auf. Auf der anderen Seite nützt nicht jeder Mord dem Film bzw. der Entwicklung seiner beiden Hauptfiguren, gerade wenn die Interessen beider quasi kollidieren. Neben Jodie Foster überzeugt abermals Terrence Howard („Hustle & Flow“) als nicht minder desillusionierter Polizist. Wohin komme ich mit dem Gesetz, wann ist es besser diese Grenze zu überschreiten? Eine Frage, die der Film verständlicherweise nicht beantworten mag, die aber auch schon ausreichend thematisiert und diskutiert wurde. Insofern ist das Gelingen des Films vornehmlich der inszenatorischen Klasse von Regisseur Neil Jordan zu verdanken, der trotz einiger guten Aspekte und ordentlichen Darstellerleistungen unterm Strich dennoch nichts wirklich neues bringt.

Wertung: (6,5 / 10)

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