Vampire in Brooklyn (USA 1995)

„You ain’t got to pull that Blacula shit with me.“ – Julius

Im Herbst seiner Karriere drehte die 2015 verstorbene Horror-Koryphäe Wes Craven („A Nightmare On Elm Street“) Filme, die selbst im wohlwollenden Rückblick kaum der Rede wert erscheinen. Neben der Werwolf-Banalität „Verflucht“ (2005) trifft das vorrangig auf „Vampire in Brooklyn“ zu, in dem Komödienstar Eddie Murphy („Beverly Hills Cop“) einen Blutsauger auf Brautschau gibt. Der ehrenwerte Veränderungswillen des Mimen wird dabei von einem Skript (u. a. verfasst von Murphys Bruder Charlie, „Norbit“) ausgebremst, das ungelenk zwischen Horror und Komödie strauchelt.  

Der Auftakt folgt atmosphärisch, gestützt durch den Score J. Peter Robinsons („Freddy’s New Nightmare“), klassischen Pfaden des Gruselkinos, wenn Murphys Maximilian – wie einst Bram Stokers „Dracula“ – über ein scheinbar führerloses Schiff an sein Ziel (hier New York) gelangt und in Wolfsgestalt ins Stadtgebiet vordringt. Mit dem brettartigen Erheben wird gleich noch „Nosferatu“ zitiert. Diese Nähe zu den Genre-Wurzeln untergräbt Craven mit (vorrangig im Original) derbem Verbalhumor. Allerdings schießt der häufig übers Ziel hinaus. Bestes Beispiel: Der alte Hafenwächter Silas (John Witherspoon, „Friday“), dessen wortreiche Nebenrolle am Rande der Hysterie angelegt scheint.

Er ist der Onkel von Kleingauner Julius (Kadeem Hardison, „Weiße Jungs bringen’s nicht“), den Maximilian als Gehilfen (zwangs-)verpflichtet und als Beleg der Dienerschaft in einen Ghul verwandelt. Die damit verbundene körperliche Metamorphose bringt manch unappetitliche Wandlung mit sich, dient jedoch vorrangig als Ventil für makabre humoristische Spitzen. Maximilians Ziel ist es, Polizistin Rita (Angela Bassett, „Strange Days“) zu becircen, die qua ihrer unwissentlich halb-vampirischen Abstammung die ideale Gespielin für den Karibik-Fangzahn markiert. Allerdings erschwert ihr ebenfalls amourös interessierter Partner Justice (Allen Payne, „New Jack City“) das Unterfangen.

Der auch produzierende Murphy agiert in der ungewohnten Rolle solide, die größeren Entfaltungsmöglichkeiten bieten sich jedoch Hardison und der filmisch mit Visionen hadernden Bassett. Dafür ist Murphy wieder einmal in mehreren Rollen zu sehen: Neben Maximilian tritt er als Priester Pauley und Mafia-Handlanger Guido auf, in die sich der Vampir verwandelt, um Rita in seine Richtung (und Arme) zu lotsen. Dabei wirkt gerade der Mittelteil wenig fokussiert und bleibt von unnötig ausgewalzten (wie dialogisch platten) Konflikten zwischen Rita und Justice erfüllt. Mehr noch erscheinen Maximilians Off-Erläuterungen einzig dazu dienlich, bestimmten Handlungselementen Kontext zu geben, ohne sie visuell darlegen zu müssen.

Der damit verknüpfte übernatürliche Hintergrund wird durch Dr. Zeko (Zakes Mokae, „Dust Devil“) ergänzt, der Justice als Van-Helsing-Ersatz bei der finalen Konfrontation mit Maximilian beisteht. Unter dem Strich verfügt „Vampire in Brooklyn“ über vielversprechende Ansätze, wirkt dabei aber oft befangen, Zugpferd Eddie Murphy nicht vollends von der komödiantischen Bühne zu zerren. Die kompetente Machart und Hardisons Performance halten bei der Stange, gemessen an den klangvollen Namen vor wie hinter der Kamera – Cutter Patrick Lussier hielt dem Vampirfilm mit dem von Craven präsentierten „Dracula“ (2000) auch als Regisseur die Stange – bleibt ein Gutteil des Potentials jedoch fraglos verschenkt.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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