Unstoppable – Außer Kontrolle (USA 2010)

unstoppable-2010Tony Scott und sein Kampf gegen die Zeit. Woher dieser ewige Zwist rührt, bleibt erst einmal sein Geheimnis, zumindest aber kann er auf stets gleiche Hilfe setzen. Denn zum fünften Mal in weniger als 10 Jahren arbeitet der Filmemacher mit Denzel Washington zusammen. Nichts gegen Washington, aber beide sollten sich mal eine Auszeit gönnen, denn die Erfolgsgeschichte des Duos liest sich nicht wie die Geschichte des Tellerwäschers, der zum Millionär wurde. Wobei die Kurve mit „Unstoppable“ wieder ein wenig nach oben zeigt, auch wenn der Film – der vage auf wahren Begebenheiten beruht – grundlegend nichts anderes ist als „Speed“ mit einem Güterzug.

Menschliches Versagen (Ethan Suplee, „My Name is Earl“) führt dazu, dass sich ein mit Chemikalien beladener Zug unaufhaltsam und führerlos seinen Weg in die große Katastrophe bahnt. Erste Versuche der Verantwortlichen, erfahrenes Personal auf den Zug zu schaffen, scheitern kolossal im Feuersturm. In entgegengesetzter Richtung nähert sich der alte Lokführer Frank Barnes (Washington) samt seinem neuen und jungen Kollegen Will Colson (Chris Pine). Die tödliche Kollision können beide mit viel (Schienen-)Glück vermeiden. Um die ganz große Katastrophe jedoch vereiteln zu können, brauchen sie mehr als Glück und nehmen ihrerseits die Verfolgung des Zuges auf.

Wo richtige Inhalte fehlen, fungieren Explosionen und menschliche Problemfelder aus dem Baukasten einer Daily Soap als Lückenfüller. Tony heißt eben nicht Ridley und die besten Tage des Filmemachers sind bekanntlich lange vorüber („Last Boy Scout“, „True Romance“). Was man seinem neuesten Film zumindest zugutehalten kann, sind dessen Hauptfiguren. Denzel Washington („Philadelphia“) als auch Chris Pine („Star Trek“) sind Menschen zum Anfassen. Sympathische Kerle mit realen Problemen und realem Hintergrund. Auch wenn diese im Falle Pines sehr klischeehaft wirken. Dafür steht die Working Class für Denzel Washington Spalier, der Opfer der geldgeilen Industrie geworden ist und nun die Kohlen aus dem Feuer holt, obwohl er dafür weder bezahlt wird noch verantwortlich ist. Hollywood schreibt eben doch die heldenhaftesten Geschichten. Trotzdem agieren beide recht bodenständig und glaubwürdig, was man jedoch nicht von allen Beteiligten aus der zweiten Reihe – insbesondere Kevin Dunn („Transformers“) als berechnender Bahnchef – sagen kann.

Gewissen Unterhaltungswert hat Scotts neuester Film trotz diverser Logiklöcher. Sein Film ist straff erzählt, hat wohl dosierte, gut gemachte Action-Szenen zu bieten und wirkt optisch nicht derart überladen wie man es sonst gerne mal von ihm gewohnt ist („Domino“). Dies reicht für einen halbwegs launigen Abend, was mit „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ zum Beispiel kaum gelungen ist. Für einen direkten Vergleich mit „Speed” mag es natürlich nicht ganz reichen, aber „Unstoppable” hätte unterm Strich auch deutlich schlechter ausfallen können.

Wertung: (6 / 10)

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