Unknown Identity (D/F/GB/J/CDN/USA 2011)

unknown-identityDass für Action-Unterhaltung auf Hollywood-Niveau längst nicht mehr die Beteiligung amerikanischer Produzenten erforderlich ist, beweist das französische Kino seit Jahren. Diese Prägung trägt ungeachtet der spanischen Herkunft von Regisseur Jaume Collet-Sera („Orphan“) auch der in Berlin und Babelsberg entstandene Thriller „Unknown Identity“. Der mit deutschen, britischen und französischen Geldern finanzierte Film wandelt auf den Spuren von Meisterregisseur Alfred Hitchcock, lässt Glaubwürdigkeit und Logik zugunsten pulstreibender Rasanz aber konsequent links liegen.

Collet-Sera treibt seine internationale Starbesetzung durch eine konstruierte Verschwörungsplotte, die eingefleischten Cineasten bisweilen arges Kopfschütteln bereiten dürfte. Trotzdem unterhält die reizvolle Vermengung von Motiven zwischen „Der unsichtbare Dritte“ und „Die Bourne Identität“ prächtig und serviert die Hintergründe der Geschichte in gekonnt spannungserzeugenden Häppchen. Für anhaltendes Amüsement sorgen dabei die im Sinne maximierter Sehenswürdigkeit eingeschlagenen Streckenverknüpfungen innerhalb Berlins, die in ihrer Absurdität selbst „Lola rennt“ das Wasser reichen können.

Erzählt wird die Geschichte von Dr. Martin Harris (Liam Neeson, „96 Hours“), der mit seiner schönen Gemahlin Liz („Mad Men“-Star January Jones) in die deutsche Hauptstadt reist, um bei einem Kongress für Biotechnologie zu referieren. Noch vor dem Einchecken im Hotel bemerkt er, dass er einen wichtigen Aktenkoffer am Flughafen vergessen hat. So lässt er Liz unvermittelt stehen und steigt ins Taxi der illegalen bosnischen Einwanderin Gina (Diane Kruger, „Inglourious Basterds“), deren zur Eile getriebene Fahrt nach einem folgenschweren Unfall in der Spree endet – und bei Martin akuten Gedächtnisverlust zur Folge hat.

Als er nach Tagen im Krankenhaus erwacht und versucht Liz zu kontaktieren, muss er mit Schrecken feststellen, dass diese ihn nicht kennen will und an ihrer Seite obendrein ein anderer Mann (Aidan Quinn, „Jonah Hex“) vorgibt, Dr. Martin Harris zu sein. Da niemand seiner Geschichte glauben schenkt und bald die Polizei anrückt, flieht er und spürt mit der Hilfe Ginas sowie dem stolzen Ex-Stasi-Agenten Ernst Jürgen (mit Hang zu unfreiwilliger Komik: Bruno Ganz, „Der Untergang“) seiner verlorenen Identität nach. An seinen Fersen klebt jedoch längst Killer Jones (Stipe Erceg, „Der Baader Meinhof Komplex“).

Die flache Ausgangssituation wird durch spektakuläre Verfolgungsjagden, unterschwellige Paranoia und Ganz‘ chargierendes Spiel im Trab gehalten. Bei „Unknown Identity“ stehen eindeutig Kurzweil und Nervenkitzel im Vordergrund, was durch die von Frank Langella („Frost/Nixon“) ergänzte Schauspielerschar mit dem notwendigen Ernst transportiert wird. Das winterliche Berlin erweist sich als optimaler Rahmen für die durchaus überraschende Identitätssuche, die auf der actionlastigen Zielgerade jede Bodenhaftung über Bord wirft und sich in ein wahrhaft explosives Finale stürzt. Manchmal ist Hollywood eben auch in Deutschland zum greifen nah.

Wertung: (6,5 / 10)

 

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