Unthinkable (USA 2010)

unthinkableUnvorstellbar. Ein zum Islam konvertierter Amerikaner, obendrein Nuklear-Experte, versteckt drei Atombomben in verschiedenen US-Großstädten. Er selbst stellt sich den Behörden, im Wissen, dass seinem Schweigen Folter folgen wird. Unvorstellbar ist aber nicht das Szenario, dies ist in Zeiten von Terrorkrieg und Anschlagsbedrohung trotz Ausmaß im „24“-Stil durchaus denkbar. Nein, unvorstellbar sind die Methoden, mit denen der Gefangene zum Reden gebracht werden soll. So sagt es auch H, der berüchtigte Berufspeiniger, der beordert wird, als konventionelle Verhörmethoden und Entrechtung keine Resultate erbringen.

Die Schuldigen finden sich in Gregor Jordans („Buffalo Soldiers“) bitterem Thriller „Unthinkable“ in beiden Lagern. Terrorist Steven Arthur Younger, souverän gespielt von Michael Sheen („Die Queen“), ist ein fanatischer islamischer Fundamentalist, der für die Durchsetzung erpresserischer Ziele (hier sind es vor allem Truppenabzüge) das Leben Millionen Unschuldiger aufs Spiel setzt. Warum er sich stellt, bleibt dramaturgisch unplausibel, ist für die Gegenüberstellung der scheinbar simplen Feindbilder aber unerlässlich.

Denn auch den moralisch Unerschütterlichen scheint mit Ablauf des von Younger gesetzten Ultimatums jedes Mittel Recht. Unter ihnen ist FBI-Agentin Helen Brody (Carrie-Anne Moss, „Matrix“), die Verhörspezialist Humphries, genannt H (sehenswert: Samuel L. Jackson, „Lakeview Terrace“), mit großer Skepsis mustert. Er ist offiziell weder Teil der US-Armee noch des Geheimdienstes. H ist ein Phantom, das gerufen wird, wenn Feuer mit Feuer bekämpft werden soll. Seine Methoden sind schockierend, erst recht seine zynische Lockerheit. Und um die Standorte der Bomben aus Younger herauszupressen, schreckt er vor nichts zurück.

Das bedrückende Kammerspiel, das aufgrund der ebenso ambivalenten wie schonungslosen Abhandlung des Themas in Amerika kaum Beachtung fand, weicht ohne Scheu die Grenzen von Gut und Böse auf. Dem Radikalen wird mit nicht minder radikalen Mitteln zugesetzt, was die sich anfangs lautstark echauffierenden Soldaten und Agenten im Verhörraum mit verrinnendem Zeitrahmen allmählich selbst zu Befürwortern menschenverachtender Gewalt macht. Die in „Unthinkable“ aufgeworfenen Fragen mögen nicht immer klug gestellt sein, nicht zuletzt aufgrund des bitterbösen Finales hallt der überraschend intensive und gleichsam unbequeme Film aber lange nach.

Wertung: (6,5 / 10)

 

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