Total Recall (USA 1990)

total-recall„It’s the best mindfuck yet.” – Quaid

Die Geschichten des 1982 verstorbenen Autors Philip K. Dick sind Garanten für spektakuläre Verfilmungen. „Blade Runner“ (1982) reifte zur Legende, „Minority Report“ (2002) zum Kassenschlager. Selbst weniger erfolgreiche Adaptionen wie „Screamers“ (1995) oder „Paycheck“ (2003) wahren den inspirierten Grund ihrer Vorlage. Die wohl spektakulärste Umsetzung einer Story Dicks ist „Total Recall“. Hollands kontroverser Regie-Export Paul Verhoeven („RoboCop“) inszenierte den Science-Fiction-Thriller um Identifikationsverlust und Marsmutanten als kompromisslose Gewaltorgie. Trotzdem blieb der Anspruch der Geschichte erhalten.

Seit Jahren schon träumt Bauarbeiter Doug Quaid (Arnold Schwarzenegger, „Terminator“) vom Mars. Weil er sich die kostspielige Reise auf den fernen Planeten aber nicht leisten kann, unterzieht er sich der Dienstleistung eines Gedächtnisimplantates. Dies verankert künstliche Erinnerungen an einen von ihm geplanten Mars-Törn in seinem Gehirn. Er wählt die Variante eines Geheimagenten, flechtet außerirdische Artefakte und die schwarzhaarige Frau (Rachel Ticotin, „Con Air“) aus seinen wiederkehrenden Träumen mit ein. Doch der Eingriff misslingt und plötzlich sieht sich Doug von Fremden verfolgt, die ihn töten wollen.

Sogar seine Frau Lori (Sharon Stone, „Basic Instinct“) scheint Teil eines Komplotts zu sein, dass Dougs wahre Identität hinter einer konstruierten Fassade verborgen hält. Ist er tatsächlich Doug Quaid, oder ist sein Name Hauser? Stand er in Diensten des skrupellosen Mars-Industriellen Cohaagen (Ronny Cox, „Beverly Hills Cop“) und lief auf die Seite revoltierender Mutanten über? Oder sind die Ereignisse lediglich Ausgeburten der fehlgeschlagenen Gedächtnisimplantierung? Auf dem Mars geht Doug den Fragen seiner Existenz auf den Grund.

Fast zehn Jahre wurde das Skript der „Alien“-Autoren Ronald Shusett und Dan O’Bannon von Studio zu Studio gereicht. Erst der Einsatz von Arnold Schwarzenegger ermöglichte den Verkauf der Drehbuchrechte an Carolco und somit die Produktion des Films. Im Schaffen des gebürtigen Österreichers ist „Total Recall“ eine Ausnahmeerscheinung, ist der vielschichtige Thriller doch überaus intelligent konzipiert. Mag seine Rolle auch dem gängigen Spektrum der Neunzehnachtziger entstammen, so ist hinter dem emotionalen Mindestsatz doch ein durchaus glaubhafter Normalbürger angesiedelt. Muskelbepackt zwar, aber ebenso verletzlich.

„Total Recall“ ist ein extrem brutaler und blutiger Film, der aufgrund der komplexen Geschichte jedoch nicht als gängiger Actionstreifen verstanden werden kann. Paul Verhoeven spielt gekonnt mit Erzähl- und Wirklichkeitsebenen und lockert den faszinierenden Kosmos der Gewalt mit trockener Ironie und mediensatirischen Seitenhieben auf. Die visuellen Effekte wurden Oscar-gekrönt und versetzen den Zuschauer auch fünfzehn Jahre nach ihrer Entwicklung in Staunen. Die Frage nach Traum und Realität wird erst in der Schlusssequenz geklärt, was bleibt ist der Mensch als scheinbares Opfer des technischen Fortschritts. Krawallkino mit Anspruch – nicht nur die Ausnahme, sondern ein zeitloser Klassiker des Genres.

Wertung: (9 / 10)

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