RoboCop (USA 1987)

robocopDer niederländische Regisseur Paul Verhoeven kann wohl kaum als Arbeitstier bezeichnet werden, müssen die Fans des eigenwilligen Filmemachers doch meist einige Jährchen warten, bis der Meister mit neuen Werken die Kinoleinwände bevölkert. Mit diesen zieht er sich regelmäßig den Unmut etlicher Zensoren und solcher, die sich dazu berufen fühlen, zu. Meist sind diese Anfeindungen und Einschnitte in Verhoevens Kunst auf seine teilweise recht unbekümmerte Art der Gewaltdarstellung zurückzuführen, doch mitunter reichen auch schon ein paar nackte Frauenleiber aus, um monatelange Diskussionen über den moralischen Verfall des Kinos breit zu treten – so geschehen bei der Tittenparade „Showgirls“ aus dem Jahre 1995, der als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten gilt.

Auch mit seinem abgefeierten und erfolgreichen „Basic Instinct“ zog sich Verhoeven den Unmut puristischer Zensoren und Gruppen zu, schließlich sah der Sex zwischen Michael Douglas und Sharon Stone schon sehr echt aus. Der Erfolg jedoch gibt ihm recht. Doch nicht nur mit nackter Haut weiß der Holländer zu „schockieren“, auch seine teilweise expliziten Darstellungen von Gewalt sind ähnlich kontrovers. So geschehen beim Schwarzenegger- Hit „Total Recal“ und dem intergalaktischen Krieg zwischen Menschen und Bugs in „Starship Troopers“. In diesem Zusammenhang darf natürlich auch sein Action-Klassiker „RoboCop“ von 1987 nicht unerwähnt bleiben, mit dem sich Verhoeven dank harter Szenen früh einen Namen bei den Sittenwächtern machte.

Detroit steht vor dem Kollaps. Kriminalität bestimmt das Tagesgeschehen der Großmetropole und die Polizei kann mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Kontrolle über die Stadt nicht gewährleisten. Zu allem Überfluß wurde zwischen der Stadtverwaltung und dem Großkonzern OCP (Omni Consumer Production) ein Vertrag geschlossen, der die Polizei unter das Kommando des Konzerns stellt. Unter der Führung ihres Vorsitzenden (Dan O’Herlihy) plant OCP in wenigen Monaten mit dem Bau von „Delta-City“ zu beginnen, einem modernen Mekka für etwa zwei Millionen Menschen. Zuerst jedoch muss Detroit „bereinigt“ werden, was die Aufgabe des zweiten Mannes bei OCP ist, nämlich die von Richard ‘Dick’ Jones (Ronny Cox, „Total Recall”). Dessen groß angelegtes Projekt „ED-209“ jedoch endet während der Präsentation in einer Tragödie und der ehrgeizige Robert ‘Bob’ Morton (Miguel Ferrer, „Deep Star Six”) darf von nun an sein alternatives Projekt vorstellen, was ihm letztlich den Zorn von Jones einbringt.

Zeitgleich beginnt der junge Polizist Murphy (Peter Weller, „Unheimliche Begegnung”) seinen Dienst bei der Detroiter Polizei und hat es gleich zu Beginn mitsamt seiner Kollegin Lewis (Nancy Allen, „Dressed to Kill”) mit der Verbrechermeute von Clarence Boddicker (Kurtwood Smith, „Fortress”) zu tun. Während der geplanten Festnahme geraten die beiden aber in einen Hinterhalt und Murphy wird von der Gang brutalst niedergeschossen. Murphy ist zwar tot, wird jedoch für das Projekt „RoboCop“ von Morton benutzt und zu einer Art menschlichem Polizeiroboter umfunktioniert. Die Erfolgskurve von Robocop verläuft zu Beginn steil nach oben, jedoch ist sein Geist nicht gänzlich gestorben und nach einer gewissen Zeit erinnert er sich immer mehr an sein richtiges Leben. Bald beabsichtigt Murphy im Alleingang seine Mörder um Clarence Boddicker zur Strecke zu bringen, der jedoch Kontakte bis in die Chefetage von OCP pflegt.

Mit seiner ersten Arbeit in Hollywood gelang Paul Verhoeven, der davor nur in seiner Heimat tätig war, sein erster großer internationaler Erfolg und gleichzeitig auch ein Klassiker des Genres. Filmfans harter Kost kommen bei Verhoevens düsterem Rache-Actioner auf ihre Kosten, jedoch hat „Robocop“ auch mehr zu bieten, als eine Aneinanderreihung oberflächlicher Action-Szenen. Die Geschichte lässt auf den ersten Blick vielleicht keine großen Sprünge zu, doch werden immer wieder gekonnt weitere Handlungsstränge in den Film eingebaut, die den Film deutlich von ähnlichen Vertretern dieser Zeit hervorheben. So wird beispielsweise viel Wert auf die Erinnerungen von Murphy gelegt, der in einer Szene sein ehemaliges Haus besucht und ihm dort immer wieder neue Erinnerungen seiner menschlichen Vergangenheit in den Kopf stoßen.

Doch auch der amerikanischen Konsumgesellschaft gibt Verhoeven einen mit, indem er immer wieder überspitzte Nachrichten einspielt, die mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun haben und auch die zahlreichen Werbespots (z.B. „Nukem“) sorgen für eine ironisch sarkastische Grundstimmung. Dieses schwarzhumorige Stilmittel nutzte er zwar auch für „Starship Troopers“, dort jedoch konnten diese Einspieler nicht annähernd die Reaktionen erzeugen, wie er es hier der Fall ist. Zudem war es seinerzeit auch noch nicht üblich, das Böse von einem Weltkonzern ausgehen zu lassen, da der „Feind“ bis dato immer aus einer anderen Richtung kam. In die Schlagzeilen geriet „RoboCop“ aber wegen seiner expliziten Gewaltdarstellung, die die FSK dazu verleitete, den Film über fast fünfzehn Jahre nur in einer stark entschärften Version freizugeben. In der Zwischenzeit ist aber auch in Deutschland der „Director’s Cut“ auf DVD erhältlich, der vor allem in zwei Sequenzen verstehen lässt, warum der Film seinerzeit so große Wellen schlug.

Die Erschießungssequenz von Murphy war wohl zu dieser Zeit neu, denn in langen und quälenden Szenen wird dieser von einer Vielzahl von Kugeln großkalibriger Waffen zerfetzt, seine Hand abgeschossen und ihm aus nächster Nähe eine Kugel in den Kopf gejagt. Doch auch die Szene, die letztlich dazu führt, dass das Projekt RoboCop überhaupt auf den Weg kommt, hat es in sich. Noch nie hat man wohl einen Menschen auf der Leinwand so von Kugeln getroffen gesehen, Arme, Beine und Oberkörper platzen regelrecht mit Tennisball-großen Löchern auf. Ohne Kompromisse und Scheu geht Verhoeven in diesen Szenen zu Werke, eine Tatsache die sich teilweise auch auf seine Ära nach „RoboCop“ beziehen lässt. Doch ist es nicht die Gewalt, die den hintersinnigen Gewalt-Comic letztlich zu dem macht, was er auch heute noch ist. Der Film funktioniert als Ganzes, nämlich vor allem mittels seiner unterschiedlichen Handlungsstränge, seiner schwarzhumorigen Seitenhiebe sowie einer gut gewählten Darstellerriege, die zu dieser Zeit wohl nicht idealer hätte besetzt werden können.

Große Dialoge oder tief greifende Darstellungen darf man hier natürlich nicht erwarten bzw. voraussetzen, doch ist vor allem Kurtwood Smith sehr ansehnlich und gleichzeitig beängstigend anzusehen. Gleiches gilt dabei auch für den anderen Bösewicht, Ronny Cox. Währenddessen geht der „Held“ des Films, Peter Weller, unter seiner Maskerade ein wenig unter. Solide neben ihm agiert Nancy Allen, die als einzige Person des Originals in allen drei „RoboCop“-Filmen mitwirkte. Auch nach über fünfzehn Jahren hat dies brutale Werk nichts von seiner Kraft eingebüßt, da er in vielen Dingen einfach bislang unerreicht ist. Düster, hart und kompromisslos, aber auch nicht oberflächlich, Beschreibungen, die man leider bei den letzten Werken von Verhoeven vergeblich suchte. „RoboCop“ ist ein Klassiker und definitiv eines seiner besten Werke.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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