Demolition Man (USA 1993)

demolition-man„Send one maniac to get one!“ – John Spartan

Zu Beginn der Neunziger versuchte Sylvester Stallone („Rambo”) sein Rollenspektrum zu erweitern. Weg vom reaktionären Ballerhansel, hin zum durchaus familienfreundlichen Unterhalter mit Komikerqualitäten. Doch sind „Oscar – Vom Regen in die Traufe“ (1991) und „Stop! Oder meine Mami schießt“ (1992) als misslungene Versuche der Stallone´schen Horizonterweiterung zu bezeichnen. Das Konzept ging erst auf, als Regiedebütant Marco Brambilla („Ärger im Gepäck“) in „Demolition Man“ die Fusion von spektakulärer Action und Selbstironie vornahm.

1996 stehen sich Cop John Spartan (Stallone) und Schurke Simon Phoenix (Wesley Snipes, „Blade“) im Duell gegenüber. Der Verbrecher unterliegt, erzwingt durch eine nachhaltige Finte jedoch zwischenzeitlichen Gleichstand. Mit der Folge, dass beide kryogenisch eingefroren werden. 36 Jahre später wird Phoenix aufgetaut und findet sich in einer radikal befriedeten Gesellschaft wider. Diese wird auf eine harte Probe gestellt, als der Verbrecher neuerlich sein altes Gewerbe aufgreift und in der sanftmütigen Metropole für Chaos sorgt. Als letzter Ausweg wird sein Widersacher John Spartan reanimiert, was dem Stadtbild schnell einschneidende Veränderungen beschert.

„Demolition Man“ ist ein weit überdurchschnittlicher Actionfilm mit enormem Unterhaltungswert. Sylvester Stallone spielt gekonnt mit seinem Image als Kino-Krawallo und findet seinen optimalen Gegenüber im perfekt besetzten Wesley Snipes. Daneben muss er sich mit den Widrigkeiten der futuristischen Sozialstruktur herumplagen, wo Fluchen mit einer Geldbuße geahndet und das gängige Wasserklosett durch eine Apparatur mit drei Muscheln ersetzt wird. Das einzige Restaurant der Stadt ist das „Pizza Hut“ – im Original übrigens „Taco Bell“ – die Gedenk-Bibliothek dem ehemaligen Präsidenten Arnold Schwarzenegger gewidmet.

Die Produktion durch Actionpapst Joel Silver („Stirb langsam“) bleibt spürbar. Auch während des Films, wenn im Hintergrund der Polizeistation ein Plakat von „Lethal Weapon 3“ zum Vorschein kommt. In aufwendiger Ausstattung und perfekt inszenierter Destruktion windet sich „Demolition Man“ in schwindelerregende Höhen. Getragen von stetem Tempo und der Spielfreude der Darsteller nimmt der Film sein Publikum in ein Dauerfeuer aus trockenem Humor und futuristischer Bombast-Action. Da bleibt kein Stein auf dem anderen, wenn sich die Kontrahenten durch ein Museum, die Kanalisation oder das Gefrier-Gefängnis balgen.

Sandra Bullock („Speed“), Denis Leary („Suicide Kings“), Benjamin Bratt („Catwoman“), Rob Schneider („In 80 Tagen um die Welt“) und Nigel Hawthorne („King George – Ein Königreich für mehr Verstand“) sorgen für prominente Schützenhilfe und kleiden die naive Utopie in ein Gewand allgegenwärtiger Sympathie. „Demolition Man“ ist von der Regie bis zum Schnitt ein nahezu perfekter Actionfilm, der die Gratwanderung zwischen Science-Fiction und Komödie mit Bravour meistert. Neben dem im gleichen Jahr produzierten Thriller „Cliffhanger“ Stallones bester Beitrag zur Kinodekade der Neunzehnneunziger.

Wertung: (8 / 10)

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