Starship Troopers (USA 1997)

starship-troopers„Kill everything with more than two legs.“

Paul Verhoeven ist ein Mann der Kontroversen. Über seine Filme wird gesprochen und diskutiert, entweder weil man mit seinem Verständnis von Gewalt nicht zurechtkommt („Total Recall“, „RoboCop“) oder aber weil sie schon so schlecht sind, dass sie wiederum fast Kultstatus genießen („Showgirls“). Für Diskussionsstoff sorgten auch seine „Starship Troopers“, bei dem Gore-Hounds johlend das Kino verließen, andere wiederum dem pseudo-kritischen Unterton des Films nichts abgewinnen konnten.

Die Erde befindet sich seit langer Zeit im Krieg mit den Bugs, einer insektoiden Spezies vom Planeten Klendathu. Eine Bedrohung für die Menschheit wird vom herrschenden Militärapparat allerdings werbewirksam ausgeschlossen. Zeitgleich ist die High School für Johnny (Casper Van Dien) und dessen Freundin Carmen (Denise Richards), seine Verehrerin Dizzy (Dina Meyer) sowie sein besten Freund Carl (Neil Patrick Harris) zu Ende. Die Wege der Freunde trennen sich und während Carmen den gehobenen Militärdienst ihrer Freundschaft mit Johnny vorzieht, verschlägt es ihn und Dizzy zur Mobilen Infanterie, wo sie von Ausbilder Zim (Clancy Brown) gedrillt werden. Bereits kurze Zeit später greifen die Bugs die Erde an und die Freunde ziehen in einen Krieg, der bereits nach wenigen Minuten verloren scheint.

Die Intention Paul Verhoevens ist allzu offensichtlich, so dermaßen brennt er seine Botschaft ins Mark seines Publikums. Für diejenigen, denen „RoboCop“ nicht einleuchtend genug war, setzt Verhoeven in den arg strukturierten Werbeclips des Militärregimes noch einen drauf („Wollen Sie mehr erfahren?“). „Starship Troopers“ wird bewusst jegliche Bodenhaftung entzogen, vielmehr geht Verhoeven ohne Kompromisse mit der Brechstange vor, sei es durch seine allzu offensichtliche Kritik am Militärapparat oder der übertriebenen faschistoiden Symbolik, derer er sich reihenweise bedient. Man mag Verhoeven dies nicht negativ vorwerfen, basiert sein Film doch auf dem gleichnamigen kontroversen Science-Fiction-Roman von Robert Heinlein. Nur wäre eine distanziertere Darstellung wünschenswert gewesen, um so den Betrachter mehr zu fordern, statt es ihm quasi ins Gesicht zu brennen. Allerdings verliert der Film in der deutschen Synchronisation an Brisanz, da allzu kritische Passagen bereinigt wurden. Insofern ist die Originalversion auch diesmal mehr als nur eine Alternative.

Auffällig ist zudem die Besetzung des Films, denn mit hoher Schauspielkunst hat wohl niemand der dauergrinsenden oder künstlich betroffen schauenden Darstellerriege etwas gemein. Casper van Dien („Sleepy Hollow“) ist der Inbegriff eines Anti-Darstellers, auch Denise Richards („Wild Things“) glänzt einzig mit mimischer Verweigerungshaltung, während zumindest Dina Meyer („Johnny Mnenomic“) Haut zeigen darf, mehr allerdings auch nicht. Die brutale Realität des Krieges trifft die Schönlinge wie ein Keulenschlag, Verhoeven lässt Gliedmaßen und Kunstblut im Sekundentakt über die Leinwand spritzen. Die zahlreichen Gemetzel sind sicherlich brutal, aber eben nie verstörend. Genau dies ist auch der Punkt, denn die Gewalt in „Starship Troopers“ wirkt dermaßen überspitzt, dass man sie eher in den Bereich des Fun-Splatter einordnen kann. Hätte Verhoeven das Grauen des Krieges differenzierter gezeigt, so wäre die Wirkung beim Publikum sicherlich größer gewesen. So setzt er einzig auf die niederen Instinkte seines blutgeilen Publikums. Dies allerdings schafft er in einzigartiger Manier, gespickt mit bombastischen Effekten aus der ILM-Schmiede.

Mit „Starship Troopers“ hat Paul Verhoeven einen reinen Unterhaltungsfilm für ein erwachsenes Publikum geschaffen. Als ernstzunehmende Satire oder gar als Antikriegsfilm geht der Film keineswegs durch, da Verhoeven einzig auf die Kraft der Bilder setzt, dabei die gewollten satirischen wie kritischen Untertöne aber leider nie konsequent zu Ende denkt. Gerade zum schmierigen Ende hin werden die offensichtlichen Probleme des Films mehr als deutlich. Inwieweit aber nun Stumpfsinn über Satire siegt, liegt im Auge des Betrachters, die Meinungen gehen hier doch sehr weit auseinander.

Wertung: (6,5 / 10)

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