Todeszug nach Yuma (USA 2007)

todeszug-nach-yuma„I’ve been standing on one leg for three damn years waiting for God to do me a favor… and he ain’t listening.” – Dan

Kein Genre wurde so oft totgesagt wie der Western. Und doch zieht diese uramerikanische Filmgattung unbeirrt ihre Kreise durch die Jahrzehnte. Die wurden seit den Neunzehnsiebzigern zwar zunehmend kleiner, in den Neunzigern dank Costners „Der mit dem Wolf tanzt“ und Eastwoods „Erbarmungslos“ aber noch einmal mit Oscars überhäuft. Im neuen Jahrtausend leben die Mythen und (Anti-)Helden fort, was mit „Todeszug nach Yuma“ ein Remake des Klassikers „Zähl bis drei und bete“ bedeutet. Dessen nahm sich James Mangold („Copland“) an, der mit Russell Crowe („Gladiator“) und Christian Bale („Batman Begins“) zwei Weltstars durch die staubige Prärie dirigiert.

Bale spielt den Bürgerkriegsveteranen Dan Evans, der einen Fuß und sein Selbstwertgefühl auf dem Schlachtfeld verlor. Um Farm und Familie zu retten, erklärt er sich für 200 Dollar bereit, die Überführung des zufällig in der nahen Stadt gefassten Banditen Ben Wade (Crowe) zu einem entfernten Gefängniszug zu unterstützen. Zum Himmelfahrtskommando gerät die Eskorte, als der gefürchtete Scharfschütze Price (Ben Foster, „Alpha Dog“) mit Wades Bande zur Jagd auf den Sträflingstransport bläst. Für zusätzliche Schwierigkeiten sorgt Dans ältester Sohn William (Logan Lermann, „The Number 23“), der ihnen unbemerkt gefolgt ist und sich seinerseits beweisen will.

Der exzellent gestaltete Western geht auf eine Kurzgeschichte von Elmore Leonard („Jackie Brown“) zurück. Erlesen besetzt – als Sicherheitsmann McElroy tritt Altstar Peter Fonda („The Limey“) in Erscheinung – und glänzend gespielt, reift der klassische Plot zum packenden Psychoduell. Gut und Böse liegen darin nur unweit voneinander entfernt, wobei Crowe als charmanter wie gleichermaßen manipulativer Gesetzloser trefflich mit diesem Gegensatz spielt. Die Ambivalenz seiner Rolle bietet ihm mehr Raum zur Entfaltung als Filmpartner Bale, wenngleich der den resignierten Kriegsversehrten im Streben nach Anerkennung nicht minder beeindruckend mimt.

Mit Blick auf die Motive der Figuren schafft Mangold eine Atmosphärisch dichte, charakterlich fein herausgearbeitete Neufassung des Stoffes. Dabei kämpft Dan nicht nur ums (soziale) Überleben, sondern versucht auch ein Zeichen der Aufrichtigkeit zu setzen. Das verbissene Finale gerät zum bleihaltigen Höhepunkt, wenn kurz vor Eintreffen des Zuges Wades Kumpane auftauchen. Sämtliche Begleiter kapitulieren vor der kaltblütigen Übermacht, so dass Dan als einziger die Erfüllung des Auftrags wagt. Die Reaktionen und Sinneswandel des Banditen sind dabei nicht zwingend nachvollziehbar, doch mindern kleinere Schwächen nicht die Klasse dieses schnörkellosen Cowboy-Dramas.

Wertung: (8 / 10)

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