The Toolbox Murders – Der Bohrmaschinenkiller (USA 1978)

the-toolbox-murdersEine Mietskaserne, ein Werkzugkasten, ein irrer Mörder. Das sind die Zutaten von Dennis Donnellys „The Toolbox Murders“, dessen zweckentfremdetes Arbeitsgerät im deutschen Titel „Der Bohrmaschinenkiller“ merklich reduziert wurde. Inspiriert wurde der mit wenig Geld, aber einigem Geschick gedrehte Streifen von (selbstredend nach Leibeskräften aufgeblasenen) wahren Begebenheiten. Im Gegensatz zur inflationären Strömung des gegenwärtigen Horrors, der sich wo eben möglich mit authentischer Aura schmückt, bleibt der Verweis in die Realität aber auf eine abschließende Texttafel beschränkt.

Donnelly, als TV-Routinier für diverse Folgen von „Hart aber herzlich“ und „Das A-Team“ verantwortlich, beweist bei der Inszenierung des Terrors durchaus Raffinesse. Der visuelle Stil ist von stimmigen Jump Cuts und – beim Opfer im Bad – Überblenden auf ein tödlich verunfalltes Mädchen (ob sie wohl das Motiv liefert?) geprägt. Solche Qualitäten gehen der banalen Geschichte jedoch völlig ab. Ein Großteil der nicht gerade wehrhaften Opfer häuft das Skript bereits im Anfangsdrittel an und verliert sich darauf in die Suche nach dem Killer und der entführten Laurie (Pamelyn Ferdin, „Lassie“).

Spannung lässt der bemüht nüchterne Tenor zwar zu, doch dümpelt der grimmiger Horror-Thriller praktisch im gesamten Mittelteil ereignislos vor sich hin. Hinzu kommen logische Mängel, wenn Nachbarn unsinnigerweise direkt am Tatort verhört werden. Und auch die tatsächliche Entschlüsselung der Hintergründe läuft mit familiären Abgründen und Inzestbekundungen – als Vater und Sohn spielen sich Cameron Mitchell („Der tödliche Schwarm“) und Wesley Eure („Im Land der Dinosaurier“) Steilpässe des Wahnsinns zu – nicht ohne Fragezeichen ab.

Auf der Habenseite gibt es neben gelungenen Bildern ein paar blutige Details und ein bisschen Sex, was natürlich dem Drang klassischer Exploitation geschuldet bleibt. Doch ist „The Toolbox Murders“ weder Gore-Fest noch Folter-Porno. In Sachen körperlicher Versehrtheit sind geneigte Zuschauer mit Tobe Hoopers Remake von 2003 (und insbesondere den entfallenen Szenen der US-DVD!) besser bedient. Die schmissige visuelle Schlichtheit, die flotte erste halbe Stunde und das jede Slasher-Dramaturgie unterwandernde Finale machen den Film goutierbar. Sofern man denn ein Faible für die Unfertigkeit des 70´s-Schmuddelkinos hat.

Wertung: (5 / 10)

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