Cannibal Terror (F/E 1981)

cannibalterrorAchtung: Diesen Absatz füge ich im Nachhinein ein, nachdem die folgende Besprechung schon beendet war – und mir deutlich wurde, dass ich mich anscheinend in einem deliriösen Zustand befand, in dem ich wohl kurz davor war, meinen Verstand völlig zu verlieren. Ihr, die Leser, werdet es gewiss nachvollziehen können, wenn ihr tatsächlich meinen niedergeschrieben Fiebertraum, der eigentlich eine Warnung und mein Vermächtnis an die Zukunft der Menschheit ist, gänzlich studiert habt. Möge euch das Schicksal wohler gesonnen sein als meiner armen Seele, die dem wahren Grauen ins Auge gesehen hat und die deswegen nie wieder dieselbe sein wird, die sie einst war.

Was darf man guten Gewissens als in allen Belangen gelungenen Film bezeichnen? Gewiss die Art von auf Zelluloid gebannter Vision, die eine Geschichte erzählt, für die es sich lohnt mindestens 90 Minuten seines mehr oder weniger wertvollen Lebens zu opfern. So auch Filme, die man nach dem Anschauen nicht unverzüglich in den hintersten Ecken des Denkapparats verstauen möchte, gleich neben dem Einträgen „Erstes Mal“ und „Darmspiegelung“, oder gar „Erstes mal Darmspiegelung“. Und besonders Filme, die die nimmersatten Studiobosse, die meist schwer zu beeindruckenden „richtigen“ (*hust! hust!*) Filmkritiker und Kinoliebhaber gleichermaßen zu begeistern wissen. Und – ob geldgeiler Filmmogul, anspruchsvoller Cineast, nerdiger Filmophiler oder RTL-Zuschauer – der Fortuna dürften sie alle inbrünstig danken, dass sie die Möglichkeit haben, Zeuge eines vollendeten kinematographischen Meisterwerks sein zu dürfen. Auch wenn der RTL-Zuschauer dann doch lieber Supertalent, Schwiegertochter gesucht & Co. bevorzugen dürfte, da öffentliche Diffamierung von allzu oft geistig zurückgeblieben Individuen doch mehr als seine Domäne zu bezeichnen ist.

Was dürfte nun „Cannibal Terror“, dem Titel nach schon ein Werk, bei dem der Großteil der menschlichen Rasse mit dem Ohrenhalter schütteln dürfte (außer den RTL-Zuschauern, da sie mit dem Dschungelcamp ein identisches Format haben), mit alldem zu tun haben? Die Antwort ist gleichermaßen einfach wie schockierend: Absolut nichts! Diese französisch-spanische Co-Produktion aus dem Jahre 1981 ist so schlecht, dass es nicht wieder gut ist, so wie es in der Trash-Sparte glücklicherweise oft vorkommt. Der Film, bei dem sogar der Titel völlig unpassend gewählt ist, hat einfach nur ein hanebüchenes Konzept, das eine Story sein soll, filmtechnisches Unvermögen in jeder erdenklichen Einstellung und unglaublich schlecht und lustlos agierende Menschen, welche, gemessen mit den Nichtskönnern aus den diversen Soaps, deutlich den Kürzeren ziehen. Den viel Kürzeren. Doch lasset uns sehen, wie das Unglück seinen Lauf nahm…

So geht es nicht weiter! In den Anfängen der bunten 1980er Jahre geben sich die zwei hässlichst gekleideten und noch schlimmer synchronisierten Kleinkriminellen Mario (Antoine Mayans) und Roberto (Antoine Fontaine) mit kleinen Einbrüchen auf Segelschiffen et al nicht mehr zufrieden. Es muss das große Ding schlechthin gedreht werden. Gut, dass die wie ein Pornosternchen aussehende Freundin Rina (Mariam Camacho) einen todsicheren Tipp hat: Sie hat ein etwa fünfjähriges Mädchen, Laurence (Annabelle, ohne Nachnamen) kennengelernt (häääh?), dass zufällig als Töchterchen der reichen Automagnatenfamilie Dauville (Olivier Mathot & Sylvia Solar) in die Welt gesetzt wurde. Es wird auf die Schnelle entschieden, dass die kleine Göre viel Lösegeld einbringen dürfte, würde man sie kurzerhand kidnappt. Gesagt, getan. Nachdem die Kleine entführt wurde – was man aber im Film nicht sieht, sie befindet sich eben urplötzlich in den Händen der Gesetzesbrecher – und ihr Vater informiert wurde (der auf die Nachricht nicht mit Verzweiflung, sondern einem furztrockenen „Das darf keiner erfahren!“ reagiert), überschlagen sich die Ereignisse. Wenn man denn so will.

Als der Mittelsmann der Möchtegerngangster, der die Geldübergabe über die Bühne bringen soll, einen Passanten überfährt (die Szene ist zum Brüllen!), wird er schnurstracks von der Polizei festgenommen, da er, anstatt einfach wegzufahren, einfach minutenlang im Wagen sitzen bleibt bis diese kommt. Jetzt ist die Kacke am Dampfen. In dieser verzagten Situation muss Mario seinen Boss Don Pepe kontaktieren, der wiederum gerade nicht gestört werden will, da er just dabei ist eine lecker Ische zu vernaschen („Die weiße Göttin“ Sabrina Siani). Gleich vorweg – das ist die beste Szene des Films, auch wenn das Madl nur geschätzte 2,42 Sekunden zu sehen ist. Doch zurück zur nervenzerfetzenden Handlung des „meist gesuchten Kannibalenfilms der Welt“ (auf der Red Edition DVD-Hülle steht diese Dreistigkeit tatsächlich geschrieben). Der libidoreiche Chefe erklärt Mario, er und die Crew müssten ins Exil, und er hätte da genau das Richtige für sie: Die bescheidene Hütte seines Freundes Antonio (Antonio Jover), irgendwo am Poperze der Welt.

Wo genau sich dieser Ort befinden soll, wird nicht erläutert. Aber es müsste schon eine Stätte tief im Dschungel sein, wenn man dem Titel dieser Lebenszeitverschwendung von Film nachsehen will. Von einem Flugzeug ins gelobte Land befördert, wird das unfreiwillige Quartett von einer käseweißen Frau erwartet. Die Jungs finden das gar nicht dufte, aber sie arrangieren sich damit und werden schnurstracks in einen lustig aussehenden und viel zu kleinen Jeep reingestopft, damit sie über die Grenze in ein anderes Land kommen können. Weshalb sie nicht gleich in dieses angestrebte Gebiet geflogen sind, wird wohl ein ewig ungelöstes Mysterium bleiben müssen. Doch wie nur sollen sie unbemerkt die schwer bewachte Grenze überqueren, eine kleine Hütte mit Schranke in der Pampa, Baujahr vermutlich 1860? Wäre die Käsefrau ein Jedi, so würde sie einmal mit der Hand fuchteln, und sie dürften ungehindert passieren. Ist sie aber nicht, mit diesem Teint ja auch undenkbar.

Aber das Schicksal (oder der talentfreie Drehbuchschreiber) meint es gut mit unseren Banditen, da die sonnenscheue Transporterin ebenso eine unglaubliche Taktikerin zu sein scheint! Sie offenbart einen derart ausgeklügelten Plan, der sogar die Truppe um Danny Ocean vor Neid erblassen lassen würde. Haltet euch fest: Sie lässt ihre menschliche Fracht kurz vor dem Grenzposten raus, damit diese ein paar Meter weiter ungehindert die Grenzlinie überqueren kann, während sie die grenzdebilen (Wortspiel!Wortspiel!) Zöllner mit ihren nackten, fahlen Beinen berückt. Und das sogar ohne die Macht der Macht. Das Vorhaben glückt natürlich, und die beschwerliche Reise wird fortgesetzt. Doch da wartet schon das erste Malheur auf die Gefährten. Der Motor ist überhitzt und es muss kühles Wasser her. Um welches zu organisieren macht sich die Käselady auf den Weg in den Dschungel – und segnet dort gleich mal das Zeitliche. Und wer an dieser Stelle nicht lauthals auflacht, hat eindeutig ein Humorproblem. Denn was uns nun als Dschungel präsentiert wird, ist auch für absolute Nullkenner der Botanik der Hammer schlechthin. Eine mitteleuropäische Wiesenlandschaft, mit Pflanzenarten, die ganz bestimmt nicht in einem Dschungel wachsen und gedeihen können. Oder hat irgendjemand, der vollkommen als Vernunftmensch zu bezeichnen ist, schon mal behauptet, einen Tannenbaum im Dschungel gesehen zu haben? Na also, wusste ich’s doch.

Allerdings dauert es nicht lange und diese unheimlich bekloppte Szenerie erhält ein Upgrade, welches die Obskurität von eben tatsächlich in noch obskurere Gefilde zu katapultieren vermag. Denn endlich wird man mit den titelgebenden kannibalistischen Terroristen konfrontiert. Und die, liebe Freunde des schlechten Geschmacks, haben es in sich. Weißhäutige Europäer, sicherlich Spanier und Franzosen, mit Bierbäuchen, Halbglatzen, manch einer blond, mit Koteletten (!) und total bescheuerter Schminke im Gesicht. Wer genau hinsieht, erhascht einen kurzen Blick auf den wahrscheinlich einzigen Kannibalen in der Geschichte des filmischen Menschenfressertums, der bebrillt ans Eingemachte geht. Ein gewisser Dr. Lecter hier natürlich ausgenommen. Ich habe auf den Pausenknopf gedrückt, um mich über diese unwirklichen Gestalten noch länger amüsieren zu können.

Mir ist hier schon und in späteren Szenen umso mehr, aufgefallen, dass der Kannibalenstamm zwar auch Minimenschenfleischverzehrer, im allgemeinen Sprachgebrauch Kinder genannt, beherbergt, allerdings konnte mein für solchen Schund geschultes Auge keine einzige Frau im Bunde entdecken. Die Antwort auf diese gewiss nicht uninteressante Frage folgte aber rasch, als das mittlerweile von den bon vivants der Wildnis erzwungene Käsemaid ins Dorf gebracht wurde. Schnell fasste mein aufgebrachter Geist auf, wie hier mit jungen und vermutlich auch nicht so jungen Frauen verfahren wird: man(n) hat sie wortwörtlich zum Fressen gern. Eine abgedroschene Phrase, dessen bin ich mir wohl bewusst, aber in einer Rezension über anthropophage Delinquenten gehört sie wie der Cameo von Bruce Campbell in einen Sam Raimi Film.

Doch wie geht die mitreißende Geschichte nun weiter? Das arme Mädchen wird in eine Hütte gebracht, in der der große Bosskannibale haust. Den erkennt man an der skandalös schlecht sitzenden Lockenhaarperücke aus dem Faschingsladen um die Ecke. Und dem steifen, alles durchdringenden Blick. Hui. Das niedere Volk der barbarischen Gemeinschaft kennt übrigens auch nur eine Art von Mimik, nämlich apathisch in die Röhre schauen. Dass sie des öfteren auch lachend ihren Beschäftigungen nachgehen, ist allerdings immer unfreiwillig von der Kamera eingefangen, denn es war sicherlich anders gedacht. Wie soll man bei so einer Chose als Komparse auch ernst bleiben können? Der lustige Kannibalenhäuptling rammt dem Mädchen ein Messer in die Rippen, um ihre Bauchdecke freilegen zu können. Das ist dann nicht lustig, auch wenn er in Wirklichkeit ein Schwein aufschlitzt, was schon von einem Kurzsichtigen ohne Sehhilfe überdeutlich als solches zu erkennen ist.

Als die Schweinerei vollbracht ist, stürzen sich einige seiner Untertanen enthusiastisch auf das Innere des armen Opfers – und wühlen geschätzte zwei Minuten in den matschigen Organen herum. Diese schockierende, abstoßende und grausame Szene taucht in so ziemlich jedem Kannibalenfilm dieser Ära mindestens einmal auf. Aber so wie hier ist es nirgends in die Länge gezogen, noch nicht einmal bei Herschell Gordon Lewis, dem Vater des Gorefilms, der die Kamera ebenso gedehnt aufs Blutbad zu halten wusste. Ich war kurz davor die rettende Vorspultaste zu drücken, da die Szene einfach kein Ende nehmen wollte. Sicherlich ist es auch nicht von Vorteil, dass die Schauspieler auch hierbei nicht ernst bleiben können. Als sie die Innereien an den Mund führen, um uns weiß zu machen, sie würden sie verspeisen, dabei aber nur die Zähne daran reiben, fühlt man sich einfach nur verarscht.

Aber was ist nun mit Mario, Roberto, Rina und dem entführten Mädchen, dem es anscheinend absolut nichts ausmacht, dass sie aus den Armen ihrer geliebten Eltern entrissen wurde? Bevor das eben verspeiste Mädel von ihren Peinigern überwältigt wurde, gelang es ihr noch einen Schuss aus der Pistole abzufeuern, so dass Mario & Friends nur einen Ausweg sahen: Ab in den Wagen und weg! Der Motorschaden war übrigens wie von Zauberhand verschwunden. Unglaublich sowas. Binnen kurzer Zeit erreicht die Reisegruppe Antonios Behausung. Dort treffen sie den alten Mann und seine Frau Manuela (Pamela Stanford), die locker seine Enkelin sein könnte. Mario, der alte Schwerenöter, wirft natürlich, alsbald er den heißen Feger sieht, ein Auge auf sie. Und wenn die Handlung bisher schon total meschugge war, so wird sie ab jetzt nur noch von Absurditäten getragen.

Denn plötzlich scheint die Fortführung dieser außergewöhnlichen Geschichte den typischen Szenenverlauf anderer Filme für Erwachsene zu nehmen. Solchen mit Ron Jeremy oder Paris Hilton. Was war da nur los? Nun, Mario sitzt draußen auf der Treppe, als Manuela einen Besen zur Hand nimmt um die Veranda fegen zu können. Antonio kommt hinzu, verabschiedet sich aber gleichzeitig von seiner Liebsten, da er in die Stadt muss. Als der alte Mann weg ist, lässt seine Gattin den Besen beiseite, reckt sich neckisch, so dass ihre Oberweite in die Höhe ragt und wirft Mario einen anrüchigen Blick zu, der in Bumsfilmen immer eines bedeutet: Icke will jetzt rammeln! Verstärkt wird diese Vermutung durch die Tatsache, dass die frivole Dame zur Outdoor-Dusche stolziert um ein erfrischendes Bad zu nehmen. Als sie konsequenterweise bemerkt, dass sie dabei vom spitzen Mario beobachtet wird, passiert eben nicht das, was vermutlich jeder Zuschauer, der es geschafft hat, bisher nicht einzuschlafen, abzuschalten oder sich selbst umzubringen, erwartet hätte. Denn Manuela ist so was von entsetzt, dass sie in purer Verzweiflung in den Dschungel rennen muss!

In einer Zwischensequenz wird der Eindruck, dass der Film tatsächlich zum Porno mutieren haben könnte, noch verstärkt. Rina, die Gangsterlady mit einer Abneigung gegenüber Büstenhaltern, betritt einen schlecht ausgeleuchteten Raum, in dem ein bisher völlig unbekannter Jüngling mit Strohhut auf der Couch sitzt und Gitarre spielt. Er sagt kein Wort, sie sagt kein Wort, legt aber verführerisch eine Art Balztanz um den namenlosen Musiker auf die Matte. Die Szene mit Mario und Manuela im Hinterkopf, habe ich eigentlich erwartet, dass Rina dem mariachi´esken Typen die Gitarre auf dem Schädel zertrümmert. Aber ich wurde überrascht, denn tatsächlich knutschen sie wie zwei 14-jährige wild aufeinander ein. Im Dschungel (ich muss eigentlich jedes Mal lächeln, wenn ich die Landschaft so nenne) geschieht hingegen Grausames. Mario versucht mit einem langen Strick Manuelas Arme an zwei Bäume zu fesseln, damit er sich wie ein wildes Tier über sie hermachen kann. Es gelingt, und der abstoßende Akt kann stattfinden. Eine Vergewaltigung hat absolut nichts Amüsantes an sich, im Film nicht und in der Realität noch weniger. Aber das wilde Gezappele, welches hier als Schändung verkauft wird, ist, wie alles andere in diesem Streifen, so idiotisch gefilmt und gespielt, dass man nicht drum herum kommt, lachen zu müssen.

Als der Widerling fertig ist, lässt er sein Opfer an den Ästen baumelnd zurück. In die Hütte zurückgekehrt trifft er Antonio, der sich nach seiner Frau erkundigt, da sie wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. Als er von Mario zu hören bekommt, er wisse nicht wo sie sei, macht er sich auf den Weg in den Dschungel (harhar!), um nach ihr zu suchen. Nach endlosen Minuten, besonders für den Zuschauer, in denen der alte Mann im Gebüsch herumrennt und lustlos den Namen seiner Liebsten ruft, findet er sie endlich. An dieser Stelle erwartet der geschulte Filmzuschauer gen Himmel gebrüllte Drohungen a la „Er wird dafür bezahlen, bei Gott, das wird er!“. Aber nichts dergleichen tritt ein. Nein, Julio Perez Tabernero, der Verbrecher, der diesen Mist von Film fabriziert hat, überrascht uns erneut. Denn gleich im Anschluss findet im Hause Antonios eine wilde Party mit unsäglichem 80er-Jahre Synthiegedudel statt! Als Erklärung für den nun völlig ratlosen Zuschauer wird das Erhalten des Lösegelds aufgetischt. Manuela tanzt gar mit Mario, der sie ein paar Einstellungen zuvor auf schändliche Art begattet hat. Sorry liebe Drehbuchschreiber, aber das schießt den Vogel ab – auch in einem absolut sinnlosen Trash-Schinken.

Nach der Feier rennt Manuela zu einem Hippiebekannten, um ihn zu instruieren, er solle wenn er bei Gelegenheit wieder in die nebulöse, nie beim Namen genannte Stadt fährt, irgendjemandem Bescheid geben, dass Mario und Co. böse böse Verbrecher sind. Antonio bittet Mario hingegen, ihn auf die Jagd zu begleiten, was dieser nichtsahnend auch tut. Sie erreichen die Stelle, an dem Mario seine Frau vergewaltigt hat, und die Luft riecht förmlich nach Rache. Der alte Mann überwältigt den gewissenlosen Gangster und fesselt ihn an einen der Bäume, an denen seine Manuela erotische Höllenqualen erleiden durfte. Wie poetisch. Antonio pfeift leise, und aus dem Gebüsch springen ein paar Kannibalen heraus, um – ihr habt es kommen sehen – Marios Gedärme zu wälzen. Weshalb die Euro-Kannibalen einige Minuten zuvor, als Mario der Vergewaltigende war, nicht Manuelas Schreie gehört haben, aber Antonios leises Zwitschern sehr wohl, wird ebenfalls ein unlösbares Rätsel der Filmgeschichte bleiben müssen.

Szenenwechsel: das Heim der Dauvilles. M´sieur Dauville wird unterrichtet, dass man wisse, wo seine Tochter festgehalten wird. Eine Einstellung weiter stehen er, Madam Dauville und ein paar bewaffnete Männer vor demselben Zollhaus vom Anfang des Films. Noch eine Einstellung weiter nähert sich der Wagen Antonios Haus, was von den Argusaugen Robertos nicht unentdeckt bleibt. Da ein Auto immer Gefahr bedeutet, auch wenn man überhaupt keine Ahnung hat, wer denn da überhaupt vorfährt, schnappt er sich Rina, Laurence und den Strohhut tragenden Gitarrenspieler (!) und flüchtet kurzerhand in den Dschungel (*Al Bundy Publikum Lache*). Zeit zum Überlegen, was er da eigentlich tut, bleibt nicht. Und der Film muss auch langsam zum Ende kommen. Als die Dauvilles Antonios Haus erreichen, weiß M´sieur Dauville sofort, dass die Gangster vor nicht allzu langer Zeit in den Dschungel (aaaaarghhh!!!) geflohen sind. Woher, wird nicht erklärt. Was nun folgt ist eine Verfolgung, die mal wieder kein Ende nimmt. Waren die anderen langgezogenen Szenen zuvor wirklich laaang, so ist das letzte Viertel des Streifens wirklich eine Beleidigung der Vernunft. Endlos wiederholt sich, wie Roberto und sein Team, die Dauvilles, ihre Söldner und plötzlich auch Antonio Bäche, Gestrüpp und was noch so in Wäldern zu finden ist, durchqueren.

Nebenbei gibt es noch mies eingefügte Szenen von Krokodilen, Affen und anderen Tieren, die man tatsächlich in einem Dschungel finden kann, die aufgrund noch schlechterer Qualität aber sofort als Fremdkörpermaterial zu erkennen sind. Ach ja, die Kannibalen dürfen auch nicht fehlen. Aus dem Dickicht beobachten sie beide Parteien, bis es endlich zur offenen Konfrontation kommt. Roberto und Rina werden von den Menschenfressern festgenommen und ins Dorf verfrachtet. Laurence wird zwar nicht angerührt, aber sie läuft in ihrer jovialen Haltung neben der Kolonne her. In der Hütte des großen Kannibalenbosses werden sie im Off getötet – gab wohl kein Budget mehr für etwas Kunstblut. Irgendwie kommen dann die Dauvilles ins Dorf und Antonio übersetzt das Gemurmel des Häuptlings, nach dem die Gangster ihre Strafe erhalten haben. Was für edle Menschenmörder (und -fresser). Respekt! Woher der Chefe das eigentlich wusste, ist auch so eine Sache, die einfach so hingenommen werden muss. Die erleichterten Eltern schließen ihre Tochter in die Arme, Abspann!

Was soll hierzu noch gesagt werden? An diesem Film ist alles, wirklich alles, was falsch gemacht werden kann, noch falscher gemacht worden. Die unglaublich langweilige Geschichte wurde von der Kamera so inmobil eingefangen, dass das Tape von Omas 70. Geburtstag mehr Dynamik aufweist. Das grässliche Treiben der Figuren, dass man beim besten Willen nicht als Schauspielerei bezeichnen kann, wirkt in der deutschen Fassung durch eine Kakophonie des Grauens – anders ist diese Synchronisation nicht zu nennen – noch intensiver auf den gemarterten Zuschauer ein. Die kleine Laurence wird tatsächlich von einem mindestens 12-jährigen Mädchen gesprochen! Der Rest der Truppe hört sich an, als hätte man auf der Straße schnellstmöglich ein paar Leute aufgegabelt, die grade nichts besseres zu tun hatten, um ihnen ein Mikro in die Hand zu drücken. In einigen Passagen bewegen sich die Lippen der Schauspieler absolut asynchron zum Gesprochenen, in manch einer Sequenz gibt es gar keinen Text zu hören, obwohl der Darsteller im Film deutlich etwas zu erzählen scheint. Der Sounddreck, pardon, Soundtrack ist natürlich ebenso allerunterste Kajüte und bietet Synthie- und Discoklänge der übelsten Sorte. Doch noch schlimmer ist die eingefügte Grashüpfer-Tonspur, die besonders in den Dschungelszenen gerne viel zu laut eingespielt wird und anscheinend den Eindruck erwecken soll, wir befänden uns tatsächlich im wildesten Urwald.

Fazit: dieser Film ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Man sollte eine internationale Task Force a la „G.I. Joe“ einrichten, die überall auf der Welt nach verbliebenen Kopien dieser gemeingefährlichen Bedrohung suchen sollte, um sie restlos zu zerstören. Die von diesem Film ausgehende Gefahr darf und sollte nicht unterschätzt werden! Ich bin mir sicher, dass eine einzige Kopie in den falschen Händen eines Tages den Dritten Weltkrieg auslösen könnte. Und den Vierten gleich dazu. Wem das zu fantastisch anmutet, für den habe ich noch ein gediegeneres Argument: Als Folterinstrument ist „Cannibal Terror“ mit Waterboarding und dem Musikantenstadl gleichzusetzen, wenn nicht schlimmer. Denkt darüber nach. Und sollten eines Tages tatsächlich superintelligente Extraterrestrier auf unserem blauen Klumpen landen und ihnen fiele ein Exemplar dieser modernen Büchse der Pandora in die Hände/Klauen/Pfoten, so würden sie aber ganz bestimmt ihr Raumvehikel in die Lüfte schwingen und so tief in den Kosmos hineinfliegen – to boldly go where no one has gone before. Das einzige, was dem Film eventuell als Positivum zuzusprechen wäre, ist die Tatsache, dass hier mal keine lebenden Tiere real abgeschlachetet wurden, was ja leider ein fester Bestandteil im Kannibalenfilm der 80er Jahre war.

Nachdem ich den Film tatsächlich zu Ende geschaut habe, habe ich mich mies gefühlt, weil ich in der Zeit, die ich hierbei verschwendet habe, sinnvollere Dinge hätte machen können, etwa den Domino Day anzuschauen. Auf RTL.

In einer seiner Kurzgeschichten, „Die lauernde Furcht“, beschreibt H.P. Lovecraft das pure Grauen, mit dem der Protagonist konfrontiert wird. Mit einem kurzem Auszug möchte ich das Ende dieses Traktats einläuten, weil es genau das beschreibt, was „Cannibal Terror“ ausmacht. Und es soll später keiner sagen können, ich hätte euch nicht gewarnt:

„Wirbelnd kochend, herandrängend, brodelnd wie kriechende Schlangen rollte es heran und aus dem gähnenden Loch heraus, sich wie eine verderbliche Ansteckung ausbreitend und aus dem Keller durch jeden Ausgang hinausströmend – hinausströmend, um sich in dem verfluchten, mitternächtlichen Forst zu zerstreuen, um Furcht, Wahnsinn und Tod zu verbreiten.“

Wertung: (0,5 / 10)

scroll to top