Die Hölle der lebenden Toten (I/E 1980)

die-hoelle-der-lebenden-totenIm Fahrwasser von Romeros „Dawn of the Dead“ erhoben sich die italienischen Untoten aus allen filmischen Löchern. Manche Beiträge, wie Fulcis „Schreckensinsel der Zombies“, erreichten Klassikerstatus. Das Gros aber dient als absurd pseudo-hintergründiger Trash nur noch der Belustigung cinephiler Zeitgenossen mit eigen- wie unsinnig veranlagtem Geschmacksnerv. Diese dürften auch an „Die Hölle der lebenden Toten“ (im Original „Virus“ betitelt) noch einigen Gefallen finden, den Schlock-Experte Bruno Mattei („Porno Holocaust“, „Zombie III“) unter dem bewährten Pseudonym Vincent Dawn (und mit Unterstützung Claudio Fragassos, „Troll 2“) auf Zelluloid bannte.

Darin plant der perfide HOPE-Konzern den Hunger in der dritten Welt über die Freisetzung chemischer Stoffe zu unterbinden, die in der ahnungslosen Bevölkerung kannibalistische Gelüste weckt. Ergo fressen sich die Armen der Welt gegenseitig auf und belasten die Geldsäckel der Industrienationen nicht mehr so arg. Doch erstens kommt es anders… Bei der Inbetriebnahme einer Chemiefabrik auf Papua Neu Guinea nimmt eine Katastrophe ihren Lauf, die die Arbeiterschaft in Zombies verwandelt und rasch die umliegenden Landstriche entvölkert. Logisch, dass die Verantwortlichen ihre Schuldigkeit unter den Teppich kehren wollen.

Zu diesem Zweck wird eine Anti-Terroreinheit um Mike (José Gras, „Die Killermaschine“) und Klaus Kinski-Gedächtnis-Psychopath Randy (Franco Garofalo, „Killer sterben einsam“) in die Region gesandt. Mit ihren blauen Arbeitsanzügen ziehen die schießgeilen Heldengestalten nicht nur überdeutliche Parallelen zu Romeros Inspirationswerk, auch der sie begleitende Score von Goblin entspricht in weiten Teilen dem der europäischen Schnittfassung von „Dawn of the Dead“. In einer verlassenen Missionsstation gabeln sie Dokufilmerin Lia (Margit Evelyn Newton, „Jäger der Apokalypse“) nebst Begleiter auf und ballern sich durch zombifizierte Lande dem Ziel ihrem geheimen Missionsziel entgegen.

Trotz reichlich Blut und Gewalt ist Matteis kruder Schocker eine Lehrstunde in Sachen Langeweile. Vor allem im Mittelteil, wenn Eingeborene und vor allem deren Grabstätten in aller Gemütsruhe abgefilmt werden, regieren Füllszenen und Stock-Footage aus dem Naturfilm-Archiv das Geschehen. Das zwar heuer beknackte, immerhin aber fantasievoll düstere Szenario wird durch theatralisches Sterben und freudvoll bestusste Dialoge entkräftet. Übrig bleiben müdes Gähnen und ein bemüht nihilistischer Schlusspunkt, bei dem die auf Ekel zielenden Maskeneffekte mehr Heiterkeit denn Schrecken verbreiten. Heute ist die Invasion der grün geschminkten Humpelkomparsen kaum mehr der Rede wert. Beinharte Schund-Freaks lassen sich davon selbstverständlich nicht abhalten.

Wertung: (3 / 10)

 

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