The Story So Far – Proper Dose (2018, Pure Noise Records)

Bands streben nach Veränderung. Zumindest die meisten. Natürlich gibt es in den Bereichen Punk und Metal unzählige Beispiele, die seit Jahrzehnten die ewig gleichen Muster bedienen. Auch das kann funktionieren. Die große Kunst besteht aber immer noch darin, Formeln weiterzuentwickeln, die im Grunde keine nennenswerte Veränderung (mehr) zulassen. Der Pop-Punk ist ein solcher Fall. Raum für Progression bietet er kaum. Trotzdem versuchen THE STORY SO FAR, an und in ihm zu wachsen.

In der Vergangenheit, respektive ihrem selbstbetitelten dritten Album von 2015, bedeutete das die Rückführung des Genres zu seinen rauen Wurzeln. Der Nachfolger „Proper Dose“ geht weiter. Viel weiter. Noch nicht zu Beginn, an dem drei Tracks stehen, die für die nahezu keimfreie Seite des Pop-Punks stehen. Für Ecken und Kanten bleibt nur wenig Platz – abgesehen von den teils selbstreflexiven Texten. Allerdings bedeutet das nicht, dass vor allem das geschwind vorgetragene „Keep This Up“ stattliches Hitpotential vorweist.

Dem einleitenden Trio folgt mit „Take Me As You Please“ die obligatorische, Richtung Radio-Airplay schielende Ballade. Also alles nach Schema F? Mitnichten. Denn die Kalifornier entwickeln in Hälfte zwei einen Hang zu vielseitiger (Indie-)Poppigkeit, der zunächst die Stirn in Falten legt, in Summe aber überraschend stimmig erscheint. Das Tempo wird weitgehend gedrosselt, das Melodiespektrum dafür breiter gefächert. „Line“ etwa wirkt derart zurückgelehnt und entspannt, dass von der angestammten zentralen Ausrichtung nicht mehr viel übrigbleibt.

Ähnliche Wege beschreiten THE STORY SO FAR auch mit „Upside Down“ oder „Growing On You“.  Was den Reiz erhält, ist vor allem die wandelbare Gitarrenarbeit (siehe den Richtung Post-Hardcore strebenden Auftakt von „If I Fall“). Die damit verbundene, zumindest tendenzielle Befreiung von der statischen Formelhaftigkeit des Pop-Punks könnte hier tatsächlich der Weg in die Zukunft sein. Auch wenn längst nicht alle Songs zünden: Dies Streben nach Veränderung zeigt Wirkung.

Wertung: (7 / 10)

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