The Rite – Das Ritual (USA/I/HU 2011)

the-rite-das-ritualDer Kampf gegen Teufel und Dämonen wird bis heute ausgefochten. Das einleitende Zitat von Papst Johannes Paul II. fügt sich trefflich in den anachronistischen Usus der katholischen Kirche, die, so will es der Horror-Thriller „The Rite“ zeigen, auch gegenwärtig Priester zu Exorzisten ausbildet. Was hätte eine kritische Aufarbeitung von Mythos und (Irr-)Glaube werden können, gerät auf der Zielgeraden aber zur fahrlässigen Legitimation der Teufelsaustreibung. Bigotten Kirchenjüngern dürfte das Schauer über den Rücken jagen. Aber was ist mit aufgeklärten Menschen? Auch an sie wendet sich der von Mikaël Håfström („Zimmer 1408“) im Aufbau subtil und visuell ganzheitlich packend gestaltete Film.

Über weite Strecken bietet er Diskussionsstoff und Kontroversen. Nur lässt sich das Thema ohne Zitation des Genre-Klassikers „Der Exorzist“ unmöglich, das neologische Wortspiel möge verziehen werden, durchexorzieren. Und so begnügt sich der versierte Handwerker Håfström am Ende mit effektvoll bedienten Klischees und bildet den Katholizismus in bewährter Rolle als Hoffnungsträger auf Erlösung und Sinnstiftung ab. Im Zentrum steht Michael Kovak (Colin O’Donoghue), der, um den Fußstapfen des Vaters (Rutger Hauer, „Sin City“) zu entgehen, ins Studium der Theologie flüchtet. Doch seine Zweifel sind groß und vor der Priesterweihe drängt ihn der Ausstieg.

Pater Matthew (Toby Jones, „Frost/Nixon“) überredet den Zweifler zur Teilnahme an einem Seminar über Exorzismus in Rom. Aber auch dort fällt er vornehmlich durch kritische Anmerkungen auf. Daraufhin wird er zum eigenwilligen und in exorzistischen Belangen erfahrenen Pater Lucas (Anthony Hopkins, „Alexander“) gesandt. Unter ihm erhält Michaels skeptische Haltung allmählich Risse. Erst durch Lucas’ zehrenden Exorzismus der schwangeren Teenagerin Rosaria (beeindruckend: Marta Gastini, „Borgia“), dann durch unheimliche Visionen, in denen sich Motive von Besessenheit und Vorbestimmung nur langsam zu einer an Klarheit gewinnenden Erkenntnis verdichten.

„The Rite“ bleibt lange Ausdruck der von Journalistin Alice Braga („I Am Legend“) begleiteten Suche nach Erkenntnis. Doch dann schlittert Håfström in eine erzählerisch unzusammenhängende Geisterbahn, die Lucas als Besessenen und Michael als vorbestimmtes Werkzeug des Teufels präsentiert. Plötzlich ist es an Masken, Toneffekten und Schnittfolgen, Eindrücke zu forcieren. Nur sind es keine guten. Denn mit einem Schlag sind sämtliche kritischen Ansätze zu Einstellung und Handhabung des Exorzismus ausgeräumt. Moralisch und medizinisch fragwürdige Methoden werden legitimiert und künden von der einen Wahrheit, die die Kirche über alle Zweifel hinweg als Erlösungsinstitution manifestiert. Am Ende ein Film für Menschen mit überholtem Weltbild.

Wertung: (4 / 10)

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