The Raid: Redemption (RI/USA 2011)

the-raid-redemptionReine Actionfilme sind selten geworden. Gut, in die Videotheken poltern sie noch immer in mehr oder minder gesunder Regelmäßigkeit. Aber selbst die Van Dammes und Seagals sind physisch kaum mehr imstande, bei der Sicherung ihrer Altersbezüge ununterbrochen die Knochen herzuhalten. Doch was ist mit der großen Leinwand? Das schmissig-selbstironische Krawall-Sequel „Expendables 2“ ist ein seltenes Positiv-Beispiel für hergebrachtes Männerkino, bei dem es an allen Ecken und Enden rumst. Der Rest driftet entweder in die Thriller-Ecke und/oder braucht starke Frauenfiguren, um die Erweiterung der Zielgruppe zu garantieren.

Anders verhält es sich noch immer in Asien, wo das Verständnis des Actionfachs puristischer ist und dramaturgische Normen zugunsten schnörkellosen Dauergetöses gern vernachlässigt werden. Indonesien hatte der geneigte Genrefreund dabei bislang nicht unbedingt auf der Rechnung. Der Waliser Gareth Evans, der bereits mit „Merantau“ ein beachtliches Stück Knochenbrecher-Kunst auf Zelluloid bannte, hat dies mit „The Raid: Redemption“ nachhaltig geändert. Trotzdem wäre ein Film wie dieser früher ein klarer Kandidat für eine Video-Erstveröffentlichung gewesen. Dass der ultrabrutale Gewaltmarathon auch in Deutschland auf großer Leinwand zu sehen war, ist auch der Verdienst der florierenden Filmwirtschaft Thailands und deren Aushängeschild Tony Jaa („Ong-Bak“).

An seiner statt hetzt Evans „Merantau“-Star Iko Uwais durch einen knallharten Überlebenskampf auf begrenztem Raum. Die ins Bleigewitter eingebrachten Martial-Arts-Szenen verfügen dabei zwar nicht über die sensationelle Akrobatik der Jaa-Filme, bürgen mit ausgiebigem Messereinsatz und konsequentem Verzicht auf Drahtseilunterstützung aber trotzdem für spektakuläres Augenfutter. Die Handlung ist schnell erzählt: Als Teil einer Spezialeinheit der Polizei dringt der junge Rama (Uwais) in ein von Gangster Tama (Ray Sahetapy) kontrolliertes Slum-Hochhaus in Jakarta ein. Doch die Aktion fliegt auf und von den aufgehetzten Bewohnern des Wohnkomplexes erbarmungslos gejagt, beginnt für die Eingeschlossenen ein verzweifelter Kampf ums Überleben.

Den inszeniert Evans zu Beginn in schonungsloser Direktheit und weckt mit hektischen Bildern Erinnerungen an Kriegsfilme wie „Der Soldat James Ryan“. Nachdem die Einheit dezimiert ist, rückt mehr und mehr der wehrhafte Rama in den Mittelpunkt. Neben Tamas rechter Hand, dem bevorzugt mit dem Körper kämpfenden Mad Dog (Yayan Ruhian), wird er dabei auch mit seinem untergetauchten Bruder Andi (Doni Alamsyah) konfrontiert, der versucht ihm und den verbliebenen Kollegen zur Flucht zu verhelfen. Nach der furiosen ersten Hälfte gehen dem dauerhaften Schießen, Stechen und Sterben zwar ein bisschen Puste und Ideen aus, die Hollywood-reife Machart und der volle Körpereinsatz der Darsteller machen dies so verlustreiche wie grimmig brutale Action-Highlight aber zum echten Erlebnis!

Wertung: (8 / 10)

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