Headshot (RI 2016)

Nachdem sich die Begeisterung um Thailands Martial-Arts-Sensation Tony Jaa („Ong-Bak“) abgekühlt hatte, stand mit Iko Uwais rasch der nächste aufgehende Stern am Action-Himmel parat. Mit Regisseur Gareth Evans drehte er drei Filme, darunter die beiden „The Raid“-Teile, die ihm ungeahnte internationale Popularität verschafften. Davon profitieren auch Kimo Stamboel und Timo Tjahjanto („Macabre“). Sie wollen mit „Headshot“ den Beweis antreten, dass die Filmnation Indonesien – und mit ihr Aushängeschild Uwais – auch in der Breite Qualität zu liefern vermag. Das gelingt nicht durchweg überzeugend, erweist sich dank guter Darsteller und vollem Körpereinsatz aber als ansprechend genug, um den Erwartungen der anvisierten Klientel souverän gerecht zu werden.

Die Geschichte beginnt mit dem Gefängnisausbruch des lässigen Psychopathen Mr. Lee (Sunny Pang, „The Collector“). Der geriet visuell sehenswert, gelingt aber nur, weil sich die schwer bewaffneten Wachmänner größtmöglich dämlich anstellen. Es folgt der Auftritt Uwais‘, dessen Ishmael ohne Erinnerung, dafür mit einer Kugel im Kopf am Strand angespült wird. Im Krankenhaus kümmert sich die junge Ärztin Ailin (Chelsea Islan, „Street Society“) fürsorglich um ihn. Als er nach zwei Monaten aus dem Koma erwacht, beginnt die Suche nach seiner Identität. Dass die zwangsläufig mit Lee kollidiert, liegt auf der Hand. Denn der brutale Unmensch drillt Kinder zu kriminellen Kampfmaschinen. Ishmael, der eigentlich Abdi heißt, ist einer dieser Zöglinge. Nur führten seine Bestrebungen, dem Verbrecherdasein den Rücken zu kehren, zum Bruch – mit bekannten Folgen.

Auf dieser Grundlage lässt das Duo Stamboel/Tjahjanto Fäuste und Kugeln fliegen. Dass es „Headshot“ ungekürzt nach Deutschland geschafft hat, mag streckenweise verwundern. Wenn Lees Schergen eine unbescholtene Busbesatzung auslöschen oder diverse Knochen in Großaufnahme bersten, dringt der Gewaltgrad auf fragwürdiges Terrain vor. Die Action ist  temporeich und knüppelhart, kann einen grundlegenden B-Appeal – auch bedingt durch die wacklige Handkamera – jedoch kaum verbergen. An die Klasse von „The Raid“ reicht der Film damit nicht heran. Die von Uwais mitgestaltete Martial-Arts-Choreographie gibt sich weitgehend zurückhaltend, wodurch das rohe Moment des deftigen Reißers zusätzlich verstärkt wird. Dahingehend geben sich die Macher keine Blöße. Ein wenig hinterher hinkt einzig der dünne Plot.

Im Stile eines Prügelspiels muss sich Abdi den alten Gefährten (und Schicksalsgenossen) stellen. Dass er Lee zu Leibe rückt, hat einen ein simplen Grund: Um den totgeglaubten Aussteiger aus der Reserve zu locken, wurde Ailin in das Dschungelversteck der Organisation verschleppt. So variieren Gegner und Kulissen, bis zum Showdown der fast übermenschlich wirkende Lee zum Duell schreitet. Für Uwais bedeutet auch dieser Auftritt die Untermauerung seines Status. Dass es weniger furios als in seinem Durchbruch zugeht und die Story nie die clevere Komplexität von „The Raid 2“ erreicht, täuscht trotzdem nicht darüber hinweg, dass „Headshot“ den Genre-Durchschnitt leichter Hand überflügelt. Nur das Hirn sollte besser ausgeschaltet bleiben.

Wertung: (6 / 10)

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