The Purge – Die Säuberung (USA/F 2013)

the-purge„Decriminalised murder. An outlet for American rage.“

Eine Nation reinigt sich selbst. Einmal jährlich erlaubt die amerikanische Regierung für 12 Stunden jedes Verbrechen. Sogar Mord. Viele Opfer sind Obdachlose, deren rigorose Beseitigung den Staatshaushalt entlastet. Aber es trifft auch andere, wenn der angestaute Frust in einer Welle der Gewalt über das Land schwappt. Die enthemmte Säuberungsaktion trifft in der Bevölkerung über alle Schichten hinweg auf breite Zustimmung. Denn dies Ventil, dieser Persilschein der Perversion, hält das Volk über den Rest des Jahres in Schach. Die Wirtschaft brummt und Arbeitslosigkeit ist nahezu ausgeräumt. Kein Wunder, wenn nach jedem „Purge“, wie die Blutnacht genannt wird, zahlreiche Jobvakanzen entstehen.

Das Bild, das Autor und Regisseur James DeMonaco („Staten Island“) von Politik und Gesellschaft des Jahres 2022 skizziert, ist ein abgründig düsteres. Dystopien wie diese gab es vor allem in den Siebzigern. Nur bemühten Werke wie „Rollerball“ oder der Trash-Klassiker „Death Race 2000“ über sportliche Gewaltfantasien das Prinzip von Brot und Spiele. Bei DeMonaco wird das die Massen besänftigende Spektakel zugunsten distanzloser Kurzzeit-Anarchie aufgehoben. Für eine Nacht ist alles erlaubt. Wer es sich leisten kann, macht sein Haus zur Festung. So wie James Sandin (Ethan Hawke, „Daybreakers“), der mit dem Verkauf von Sicherheitssystemen zu Reichtum gelangt ist.

Mit Frau Mary (Lena Headey, „Dredd“) und den Kindern Zooey (Adelaide Kane, „Reign“) und Charlie (Max Burkholder, „Parenthood“) bewohnt er eine geräumige Villa. Als die Sirene erklingt und die Gewalt für legitim erklärt wird, lässt er schwere Schutztüren herunter. Ausblenden lassen sich die Schrecken jedoch nicht. Denn neben Zooeys ins Haus geschlichener Freund sorgt ein von Charlie hereingelassener Obdachloser (Edwin Hodge, „Red Dawn“) für Wirbel. Der wird von einer Gruppe maskierter Elite-Schnösel um ihren diabolisch grinsenden Anführer (Rhys Wakefield, „Sanctum“) verfolgt. James scheint gewillt, den Flüchtigen auszuliefern. Doch mit dem Sturm der Belagerer auf ihr Domizil muss die Familie zu der Bestie werden, die sie eigentlich auszusperren gedachte.

„The Purge“, produziert von Blockbuster-Guru Michael Bay ( „Transformers”) ist mehr ein Film der Gewalt als einer über sie. Der krasse Ansatz sorgt für politischen Zündstoff, der DeMonaco aber vorrangig als Aufhänger für einen konventionellen Home Invasion-Thriller dient. Auf geht die Rechnung dennoch, weil der bisweilen garstige Low-Budget-Schocker nach Überwindung des etwas gedehnt auf Spannung pochenden Vorlaufs in einen rabiaten Überlebenskampf mündet. Bei dem müssen die Sandins die Kehrseite der befürwortenden Gewaltreinigung am eigenen Leib erfahren. Unterstrichen wird diese durch das nur scheinbar selbstlose Eingreifen der Nachbarn (u. a. Chris Mulkey, „The Hidden”), die aus Neid und Missgunst zu den Waffen greifen und ihr Gewissen im Kugelhagel zu beruhigen suchen. Schön böse ist das allemal. Die standardisierte Abarbeitung an gängigen Horror-Standards mag man da leicht verzeihen.

Wertung: (6,5 / 10)

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