The Purge: Anarchy (USA/F 2014)

the-purge-anarchy„America. 2023. Unemployment is below 5%. Crime is virtually non-existent while every year fewer and fewer people live below the poverty line. All thanks to…“ – Die einleitende Texttafel

Mit seinem Low Budget-Thriller „The Purge“ feierte Autor/Regisseur James DeMonaco einen Überraschungserfolg. Der Film über eine futuristische Gesellschaft, in der einmal pro Jahr sämtliche Straftaten erlaubt sind, blieb als simpler Home Invasion-Stoff jedoch hinter dem Potenzial des Entwurfs zurück. Das ändert DeMonaco im von Krawall-Papst Michael Bay („Transformers“) produzierten Sequel. Denn in dem wird die Blutnacht vom Reichenviertel im Randbezirk auf die Straße der Großstadt getragen. Der politische Zündstoff bleibt zwar noch immer angerissen, als düsterer Thriller auf provokantem Grund überzeugt der Film aber durchweg.

In der Nacht der jährlichen Säuberung verbarrikadieren sich die meisten Bürger in ihren Häusern und Wohnungen. Opfer der erlaubten – und nicht allein im Sinne der Ordnungssicherung gewünschten – Gewaltspirale sind meist die Armen und Kranken. Die Gründerväter des erneuerten Amerikas sorgen so für eine produktive Gesellschaft. Denn wo es keine Arbeitslosen gibt, da gibt es auch keine Arbeitslosigkeit – und kein Bedürfnis nach einem Wohlfahrtsstaat. Dies perfide wirtschaftliche Kalkül aber beleuchtet DeMonaco lediglich am Rande, wenn Lastwagen mit Killerkommandos durch die Straßen rollen und gezielt Wohnhäuser reinigen. Denn im Vordergrund steht der Überlebenskampf einer zufällig zusammengewürfelten Zweckgemeinschaft.

Da ist das junge Paar Liz (Kiele Sanchez, „The Glades“) und Shane (Zach Gilford, „The Last Stand“), das die diskutierte Trennung eigentlich offiziell machen will. Auf dem Weg zu seiner Schwester erleiden sie eine Autopanne und werden von einer Bande maskierter Menschenfänger verfolgt. Kellnerin Eva Sanchez (Carmen Ejogo, „Zero Hour“) und Tochter Cali (Zoe Soul, „Prisoners“) werden in ihrer Wohnung erst von einem Nachbarn überfallen und geraten schließlich an besagtes Killerkommando. Gerettet werden sie vom schwer bewaffneten und offenkundig kampferfahrenen Sergeant (Frank Grillo, „Homefront“), der eigentlich Rache am Mörder seines Sohnes nehmen will. Widerwillig mischt er sich ein und wird für die vier zum Schutzengel.

Für die apokalyptische Stimmung samt allgegenwärtigem Bedrohungsgefühl braucht es nur Ausschnitte: So wie den Mann mit Präzisionsgewehr auf einem Häuserdach. Sicher ist in dieser Nacht niemand. Nirgendwo. Dramaturgisch bleibt das ein wenig dünnwandig, wenn sich der Unterschlupf bei einer Freundin Evas als Gefahrenherd entpuppt oder die Reichen für eine Menschenjagd auf abgeschottetem Terrain Bürger verschleppen lassen. Vage bleibt auch die Andeutung einer von Michael Kenneth Williams („Boardwalk Empire“) angeführten Widerstandsbewegung. Doch auch wenn das Szenario bisweilen überfrachtet wirkt, „The Purge: Anarchy“ reißt mit. Die Schauspieler überzeugen und die Action ist in Anlehnung ans Kino der 70er (siehe „Assault – Anschlag bei Nacht“) roh und dreckig. Nach dieser Steigerung sollte einer weiteren Fortsetzung eigentlich nichts im Wege stehen.

Wertung: (7 / 10)

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