The Purge: Election Year (USA 2016)

the-purge-election-year„The Purge is Halloween for adults.“ – Ein windiger Maskenverkäufer

Im Jahr der Präsidentschaftswahl befinden sich die USA in heller Aufregung. Nicht allein in der Realität, wo die Berufung des Ängste schürenden Vorzeigepolemikers Donald Trump zum höchsten Manne im Staat eine bittere Ironie selten erlebter Konsequenz mit sich brächte, sondern auch im Kino. Denn im dritten Teil seiner düster-dystopischen „The Purge“-Saga blickt auch Regisseur James DeMonaco ins „Election Year“ und zeigt die herrschenden New Founding Fathers of America (NFFA) als religiös getriebene Fanatiker am Rande karikierender Übersteigerung. Mit politischem Subtext hält sich das zweite Sequel, wiederum produziert von Michael Bay („Pearl Harbor“), dennoch zurück. Schließlich geht es auch weiterhin vorrangig um die effektive Verknüpfung von kerniger Action und Horror-Motiven.

Die alljährliche Säuberung, bei der für 12 Stunden jedes Verbrechen erlaubt ist, gerät zunehmend in die Kritik. Das Verdachtsmoment, die NFFA würde sich auf barbarische Weise kostenintensiver Bevölkerungsteile entledigen, wird insbesondere von Senatorin Charlie Roan (Elizabeth Mitchell, „Lost“) geschürt. Als Präsidentschaftskandidatin ist sie die liberale Hoffnungsträgerin der zweifelnden Masse. Ihre Ankündigung, die Schlachtnacht im Falle eines Wahlsiegs abschaffen zu wollen, sorgt bei der politischen Elite (u.a. Raymond J. Barry, „Justified“) für ausgewachsenen Unmut. Also werden kurz vor der anstehenden Säuberung die Regeln geändert. Plötzlich sind auch hochrangige Politiker nicht länger durch Immunität vor dem mordenden Pöbel geschützt. Um ein Zeichen zu setzen, weigert sich Roan jedoch, die Nacht in einem abgeriegelten Schutzraum zu verbringen. Wohin das führt, liegt im Kern des Konzepts begründet.

Das zur Bewachung der Senatorin abkommandierte Personal wird durch korrupte Insider und eine Nazi-Söldnertruppe um den skrupellosen Danziger (Terry Serpico, „Die 5. Welle“) eliminiert. Übrig bleibt Leo Barnes (Frank Grillo, „The Return of the First Avenger“), der Chef von Roans Sicherheitsstab. Der verfügt nachweislich über Erfahrung im Überlebenskampf, bahnte er sich doch bereits im Vorgänger „Anarchy“ seinen Weg durch Scharen von mordlüsternen Asozialen und staatlichen Killerkommandos. Auf der Flucht ins urbane Chaos erhalten die beiden Hilfe von Joe (Mykelti Williamson, „Justified“), der sein Geschäft mit dem Angestellten Marcos (Joseph Julian Soria, „Army Wives“) eigenhändig zu verteidigen gedenkt, sowie der im Stadtgebiet Verletzte auflesenden Laney (Betty Gabriel, „Experimenter“). Zuflucht bietet ihnen die Untergrundbewegung des militanten Dante (Edwin Hodge, „Red Dawn“), der die NFAA per Attentat entmachten will.

Die im Kern ätzende Polit-Satire ist auch bei „The Purge: Election Year“ nur ein Vorwand für heftige Action im rechtsfreien Raum. Jene wird mit neuerlichen Parallelen zu Genre-Klassikern wie „Die Klapperschlange“ (1981) durch gewaltgeile Touristengruppen und bizarr maskierte Todeskommandos stimmungsvoll angeheizt. Frank Grillo läuft in diesem Szenario als legitimer Nachfolger Michael Biehns zu gewohnter Form auf. Die Figuren sind eher skizzenhaft umrissen, erhalten durch die überzeugenden Darsteller aber ausreichend Profil, um ihre Odyssee durch die Nacht mit einer gewissen Spannung zu unterfüttern. Die Simplizität des Plots wird durch bisweilen arg flache Dialoge („I want my candy bar, cocksucker.“) und die klischeehafte finale Konfrontation aller Beteiligten gestützt. So bleibt eine solide Fortsetzung, deren größter Trumpf im offenen Finale liegt. Denn wer weiß, ob die systemische Alternative nicht das weit größere Chaos bedeutet.

Wertung: (6 / 10)

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