The First Purge (USA 2018)

Make America Hate Again!

Amerika ist gespalten. Die Wirtschaft liegt brach, der Finanzmarkt ist kollabiert. Mit der Armut breitet sich eine Drogenepidemie aus. Die Wut der Menschen entlädt sich zunehmend in Gewalt. Das Volk sehnt sich nach einem Neuanfang. Den verheißen die „New Founding Fathers of America“, eine von der US-Waffenlobby gestützte politische Bewegung, die Ängste schürt und sich als Alternative zu den etablierten Strukturen versteht. Derartige Gegenwartsbezüge erhellen das Gesamtbild von „The First Purge“. Mit einem Präsidenten wie Donald Trump scheint die von James DeMonaco kreierte Zukunftsvision – oder alternativ die Implementierung der „Hungerspiele“ – nicht einmal abwegig.

Doch hat die zum Franchise gewachsene, mittlerweile auch als Serie erweiterte Grundidee im Verlauf der vorangestellten Trilogie eines gezeigt: An cleverem Subtext ist dem Produzentengespann um Krawall-Spezi Michael Bay („Transformers“) und Gänsehaut-Pate Jason Blum („Insidious“) kaum gelegen. Im Vordergrund steht die Verbindung aus den Kernattributen beider Hollywood-Granden: Action und Horror. Der vierte Kinofilm, anstelle von DeMonaco diesmal von Gerard McMurray („Burning Sands“) inszeniert, erzählt die Vorgeschichte, respektive die erste, auf Staten Island, New York, beschränkte „Purge“-Nacht. Das Problem des Ansatzes, selbst vor dem Hintergrund eines ausgeprägten Exploitation-Charakters, ist dabei mehr denn je der grundlegende Mangel an Glaubwürdigkeit.

Das veranschaulicht insbesondere der Auftakt, ein Interview mit dem zugedrogten, notorisch gewaltbereiten Straßengangster Skeletor (Rotimi Paul, „Dutch Kills“). Er wird als Teilnehmer der „Probesäuberung“ rekrutiert, bei der sämtliche Verbrechen für 12 Stunden legalisiert werden – sogar Mord. Bei Psychopathen seines Kalibers scheint jedoch schwer vorstellbar, dass er seine unbändige Mordlust für den Rest des Jahres zügeln kann. Das „Purge“-Prinzip verfehlt damit seine kathartische Wirkung. Für die neue Regierung ist das von Dr. Updale (Marisa Tomei, „Spider-Man: Homecoming“) konzipierte Ventil zur kollektiven Aggressionsbewältigung der Bevölkerung dennoch zum Erfolg verdammt. Die Sache hat nur einen Haken: das mit Geld geköderte Prekariat verweigert die Partizipation.   

Der Rahmen stimmt, gerade beim soziale Spannungen und kontroverse Diskussionen aufzeigenden Beginn. Die Verhältnisse der Figuren und deren Motivation bleiben hingegen primär Klischees unterworfen. Die Hauptprotagonisten sind die gegen das staatlich initiierte Massaker demonstrierende Nya (Lex Scott Davis, „SuperFly“), ihr jüngerer Bruder Isaiah (Joivan Wade, „Doom Patrol“) sowie ihr Ex-Freund, der lokale Drogenbaron Dmitri (Y’lan Noel, „Insecure“). Während Nya mit anderen (u. a. Luna Lauren Velez, „Dexter“) in einer Kirche Schutz sucht und Dmitri samt Gefolge abtaucht, begibt sich Isaiah auf die Suche nach Skeletor, um ihn für eine erlittene Schmach zu töten. Der Überlebenskampf für alle spitzt sich zu, als die Regierung maskierte Söldner schickt, um die Mordnacht in Schwung zu bringen.

Dieser für die Teile zwei und drei wesentliche Aspekt sorgt bei „The First Purge“ vorrangig für Übertreibung – und nachhaltige Ungereimtheiten. Denn anlässlich der schlussendlichen Verluste sollte es ein Leichtes sein, das Eingreifen der auswärtigen Streitkräfte in den sozialen Netzwerken als Regierungsgeheiß anzuprangern. Für den regen Personalschwund sorgt Dmitri, der mit schwerer Bewaffnung und Rambo-Skillset einen finalen Akt mit „The Raid“-Anleihen befeuert, der zwar ordentlich aufs Gaspedal drückt, die akute Flachheit des Gesamtwerks trotzdem nur schwerlich übertünchen kann. Wer blutigen Feuerzauber mit Horror-Anteil sucht, wird auch diesmal solide bedient. Ansonsten folgt der vierte Spielfilm-Aufguss eher dem Schema der „Saw“-Reihe: Hauptsache es geht weiter.

Wertung: (5 / 10)

scroll to top