The Gunman (USA/F/GB/E 2015)

the-gunman„We did some bad things. I did some bad things.“ – Reumütig: Jim Terrier

Als zweifach Oscar-prämierten Charakterdarsteller („Mystic River“, „Milk“) und geachteten Regisseur („Into the Wild“) erlebt man Sean Penn eher selten in körperbetonten Rollen. Eine entsprechende Ausnahme in seiner Vita stellt „The Gunman“ dar, bei dem er sich neben der Hauptrolle zudem als Produzent (neben Joel Silver, „Matrix“) und Co-Autor hervortut. Auch die übrige Besetzung bietet mit Oscar-Preisträger Javier Bardem („No Country for Old Men“), Idris Elba („Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“) und Ray Winstone („The Departed“) ausdrucksstarkes Personal. Doch der von Pierre Morel („96 Hours – Taken“) ansehnlich gefertigte Streifen hat ein entscheidendes Manko: Neben ruppiger Action will er auch dramatische Aspekte bedienen.

Nur nehmen die deutlich mehr Raum ein, als es der Geschichte nutzt. Dem Zuschauer wird damit Sitzfleisch abverlangt, das im Genrefilm eigentlich nicht strapaziert werden darf. Penns Mühe – man beachte allein den gestählten Körper des mittlerweile 55-jährigen – wirkt somit verschenkt. Dabei weckt der Auftakt noch Erwartungen, die in der Folge nicht erfüllt werden. Die Facette von Wirtschaftsunternehmen, die in Krisengebieten intervenieren, um ihren Zugriff auf wertvolle Ressourcen zu stärken, verleiht der Geschichte einen bitteren Anstrich. Hier ist es der Kongo, in dem Penns Söldner Jim Terrier als Mitarbeiter einer NGO getarnt ein Attentat auf den Bergbauminister verübt.

Hintergrund ist der Plan, die Abbaubefugnisse für seltene Rohstoffe neu zu organisieren. Der Konzern, auf dessen Gehaltsliste Terrier steht, will sich damit nicht abfinden. Weil der Attentäter das von Bürgerkrieg zerrissene Land schnell verlassen muss, bleibt seine Geliebte, die Ärztin Annie (Jasmine Trinca, „Handbuch der Liebe“), zurück. Jahre später wird der Miet-Mörder von seiner Vergangenheit eingeholt, als ihm beim läuternden Brunnenbohren (erfolglos) der Garaus gemacht werden soll. Die Suche nach Hintergründen und Drahtziehern bringt ihn mit seinem alten Mittelsmann Felix (Javier Bardem) zusammen, der mittlerweile mit Annie verheiratet ist. Daraus resultieren emotionale Verwirrungen, die nahezu den gesamten Mittelteil überdauern und die Handlung schlicht lähmen.

Natürlich gerät Annie zwischen die Fronten und Terrier hat bald alle Hände voll zu tun, neben seinem auch ihr Leben zu schützen. Das Problem dabei ist, dass die großen Gefühle zwischen den beiden eine theoretische Behauptung des Drehbuchs bleiben. Fast noch verwunderlicher als das breit gewalzte Beziehungsgeflecht bleibt jedoch der fahrlässige Umgang mit den prominenten Randakteuren. Ray Winstone schiebt als Terriers lässiger Untergrund-Kumpel eine Fusselmatte spazieren, der im Vorspann an zweiter Stelle genannte Idris Elba kommt als Interpol-Rettungsanker überhaupt erst auf der Zielgeraden zum Tragen. Hauptdarsteller Penn überzeugt und die spärlichen Actionszenen gehen Regisseur Morel routiniert bis packend von der Hand. Dazu machen die verschiedenen Drehorte (u.a. Afrika, London, Barcelona) James Bond Konkurrenz. Nur schade, dass der vitalisierende Radau-Anteil deutlich zu kurz kommt.

Wertung: (5 / 10)

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