The Dillinger Escape Plan – Ire Works (2007, Relapse Records)

dillingerescapeplanireworksDas Leben ist wie THE DILLINGER ESCAPE PLAN. Man weiß nie was man kriegt. Mitunter strengt das an, hält die Spannung aber stets aufrecht. Auf „Ire Works“, ihrem dritten Album, mehr denn je. Denn die in der Besetzung gern fluktuierende Band hat endgültig das melodische Element für sich entdeckt. Vereinzelt führt das sogar zu vollständig klar gesungenen, schier poppig arrangierten Stücken. Im Falle von „Black Bubblegum“ nähert man sich auch mal dem Alternative-Rock an. Der Rahmen aber ist immer noch eng mit Mathcore bespannt. Da wird unerbittlich nach vorn, oben, unten und gleich noch in die Tiefe gestoßen. Komplexität steht im Vordergrund, was unter die verschieden(st)en Stilebenen selbst vor elektronischen Soundschnipseln nicht zurückschreckt. Leicht hat es bei dieser Scheibe niemand. Und das ist auch gut so.

Der vertrackte Hardcore wird weiterhin durch Jazz- und Metal-Anteile virtuos kompliziert. Der Fünfer aus New Jersey, in dessen Reihen nur Gitarrist Ben Weinman aus der Gründerphase übrig blieb, scheint die personellen Veränderungen zu brauchen. Sie sorgen für frische Impulse, die den jeweiligen Vorgänger mit jeder neuen Platte locker zu überflügeln scheinen. Die Schnittmenge der vielfältigen Instrumente, bei denen auch Piano und Glockenspiel zum Einsatz kommt, schafft eine stringente Unruhe, die sich verstärkt, sobald die Songs das Tempo drosseln. Das Stakkato der Drums schwindet, der Schreigesang weicht, in den Vordergrund strebt das Experimentelle. Es drängt sich nicht auf, es entspringt der Natur der Sache. Das fordert, fasziniert und reißt beständig mit. Die Bändigung des Chaos fiel selten beeindruckender aus. Nicht weniger als ein Meisterwerk.

Wertung: (9 / 10)

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