The Dillinger Escape Plan – Dissociation (2016, Party Smasher Inc.)

the-dillinger-escape-plan-dissociationNiemals geht man so ganz. Vor allem nicht in der Kunst, wo Werke bisweilen Geschichte schreiben und ihre Urheber unsterblich machen. Im Angesicht von THE DILLINGER ESCAPE PLAN und ihrem sechsten Studiolangspieler „Dissociation“ mag der Vergleich ein wenig hochgestochen erscheinen. Trotzdem ist er nicht gänzlich unangebracht, denn wegweisende Spuren haben die Krachschläger aus New Jersey zweifelsfrei hinterlassen. Vor der angekündigten Trennung auf unbestimmte Zeit wirkt ihre jüngste Scheibe daher wie ein Quasi-Vermächtnis, eine Hinterlassenschaft, an deren Wirkungsgrad die Band zukünftig gemessen werden wird.

Einfach machte es der Fünfer seinem Publikum nie. Ähnlich CONVERGE, deren Frontmann Kurt Ballou den Mix von „Dissociation“ verantwortete, loteten THE DILLINGER ESCAPE PLAN stets musikalische Extreme aus. Nur boten sie nicht einfach nur Mathcore, sondern durchbrachen den tosenden instrumentalen Orkan immer wieder durch erdverbunden rockige oder vielschichtig experimentelle Fassetten. Ihr Abschiedsgeschenk an sich und die Fans treibt diese Entwicklung auf die Spitze. Im Vergleich zum Vorgänger „One of Us Is the Killer“ wirken die 11 Tracks eine Spur komplexer, dabei aber weniger chaotisch als vielmehr inspiriert entfesselt.

Der Auftakt fällt mit „Limerent Death“ standesgemäß brachial und vorwärtspeitschend aus. Bereits das folgende „Symptom of Terminal Illness“ vollzieht aber bereits eine Kehrtwende und öffnet sich klassischem Alternative. An Geradlinigkeit soll es das allerdings gewesen sein. Denn rockig gibt sich auch „Wanting Not So Much to As to“, nur eben partieller, als Auge eines infernalischen Wirbelsturms. Die Besonderheit liegt jedoch vorrangig in den jazzigen Einflüssen, die u.a. „Low Feels Blvd.“ zum echten Erlebnis machen. Scheuklappen konnte THE DILLINGHER ESCAPE PLAN nie zum Vorwurf gemacht werden. Trotzdem offenbaren sie auf ihrem jüngsten Streich (siehe auch das fiebrig elektronische „Fugue“ oder das epische finale Titelstück) Tendenzen, die ihren ohnehin eigenständigen Sound hochkarätig ergänzen. In Vergessenheit geraten werden sie damit sicher nicht.

Wertung: (8 / 10)

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